Die IPPNW-Regionalgruppe Aachen
Die IPPNW (Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzt*innen in sozialer Verantwortung) ist eine weltweite Organisation der Friedensbewegung für Beschäftigte im Gesundheitswesen. Sie wurde 1980 von einem amerikanischen und einem sowjetischen Kardiologen gegründet. Sie setzt sich ein für Frieden und eine Welt ohne Atomwaffen. Ihre Arbeitsmethoden sind medizinische Recherchen und Aufklärung über die Folgen von Uranabbau, Atomtests, Atombomben und Atomkriegen (z.B. Nukleare Hungersnot).1985 erhielt sie dafür den Friedensnobelpreis. Die IPPNW ist ausserdem Gründungsmitglied von ICAN, der Internationalen Kampagne zum Verbot von Atomwaffen. ICAN erhielt 2017 den Friedensnobelpreis. Die Deutsche Sektion der IPPNW mit mehr als 5.000 Beschäftigten im Gesundheitswesen und Fördermitglieder engagiert sich ausserdem für ein Ende der Atomkraft.
In Aachen gibt es die IPPNW seit 1983. Wir fordern den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag, die Beendigung der Nuklearen Teilhabe und protestieren gegen die Bedrohung Aachens durch die drei Atomwaffenlager der Nato in Büchel (D), KleineBrogel (B) und Volkel (NL), keines mehr als 100 km entfernt, was Aachen zur Zielscheibe machen würde im Falle eines Krieges.
Die letzten 10 Jahre haben wir uns zusammen mit belgischen, niederländischen und Aachener Atomkraftgegnern gegen die Laufzeitverlängerung der alten belgischen AKW in Tihange und Doel engagiert. Auch hier war unsere Arbeitsmethode die Recherche über die gesundheitlichen Folgen von radioaktiver Niedrigstrahlung und Aufklärung der Bevölkerung.
Vor 6 Jahren haben wir zusammen mit den Ortsgruppen von Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegenerinnen e.V. (DFG-VK), Verein der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifachisten (VVN/BdA) und pax christi das „Aachener Bündnis gegen Atomwaffen“ gegründet. Diesem Bündnis ist es 2019 gelungen, Stadt und Städteregion Aachen von der Notwendigkeit der Unterstüzung des ICAN Städteappells zu überzeugen.
Auf Initiative des Bündnisses hin wurde am 6.8.2025, dem 80. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima, in Aachen ein Hiroshima-Gedenkplatz eingeweiht.
Desweiteren arbeiten wir mit anderen aktiven Gruppen zusammen zu Themen wie „Flucht und Migration“, „Israel – Palästina-Konflikt“ und vor allem der geplanten Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Ausserdem unterstützen wir mit unserer Präsenz die Klimastreiks der Fridays4Future.
Wir sind der Meinung, dass die Zukunft unseres Planeten dringend eine starke multilaterale Ordnungskraft benötigt und setzen uns für eine Reform der UNO ein und unterstützen die Koalition „Artikel 109 für eine erneuerte UN Charta“.
Unsere Gruppe trifft sich jeden 3. Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr in den Räumen der DFG/VK, Boxgraben 132. Alle Interessierten, auch Nichtmitglieder der IPPNW, sind herzlich willkommen.
Kontaktiert uns unter: aachen@ippnw.de
Aktuelles und Veranstaltungshinweise
Berichte
Aachen weiht den Hiroshimaplatz ein
Die Stadt Aachen hat zum 80. Jahrestag des Atombombenabwurfs der USA auf die Stadt Hiroshima (Japan) am 6. August 1945 den neuen Hiroshimaplatz eingeweiht. Gemeinsam mit dem Aachener Bündnis gegen Atomwaffen gab es eine gemeinsame Gedenkfeier. Rund 200 Menschen kamen. Es sprachen u.a. IPPNW-Mitglied Odette Klepper und Bernd Bremen vom Aachener Bündnis gegen Atomwaffen.
Die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen betonte: "Mit der Einweihung des Hiroshimaplatzes hier in Aachen setzen wir ein bewusstes Zeichen. Ein Zeichen der Erinnerung. Ein Zeichen der Verantwortung. Ein Zeichen des Friedens – mitten in unserer Stadt." Auch die japanische Vizekonsulin Mika Yamagata, unterstrich die Bedeutung aktiver Erinnerungskultur für Frieden, Freiheit und Demokratie. Die Sängerin Nami Maruyama rahmte die Veranstaltung musikalisch mit japanischen Liedern ein. Kristina Blömer von Pax Christi moderierte.
Zum Redebeitrag von Dr. Odette Klepper | Zur bundesweiten Bilder-Galerie (flickr)
Flaggentag der Mayors for Peace 2025


Rede von Oberbürgermeisterin Sibille Keupen, 08.07.2025, 14.00 Uhr, Treppe Rathaus
Liebe stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul, liebe Dr. Odette Klepper vom Aachener Aktionsbündnis „Keine Atombomben rund um Aachen“, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, heute weht an vielen Rathäusern auf der ganzen Welt eine grüne Fahne – auch hier bei uns. Sie steht für ein klares, gemeinsames Zeichen: Mayors for Peace – Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für den Frieden.
Warum ist das auch heute, im Jahr 2025, so wichtig? Weil es leider keinen Frieden gibt. Noch immer nicht. Im Gegenteil: Die Welt ist unsicherer geworden. Mehr als 12.000 Atomwaffen sind noch immer einsatzbereit – viele davon direkt auf Raketen montiert, andere gelagert, auch hier in Deutschland, im Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Und statt Abrüstung erleben wir neue Aufrüstung, neue Drohgebärden, neue Kriege. Der Blick nach Gaza, in die Ukraine, in viele andere Weltregionen zeigt uns das täglich.
Ich verstehe, wenn Menschen fragen: “Was nützt ein Zeichen? Was bringt eine Flagge?” Meine Antwort ist: Zeichen allein stoppen keine Raketen – aber sie halten Hoffnung wach. Und sie machen sichtbar, dass wir uns nicht an den Zustand von Krieg und Bedrohung gewöhnen dürfen. Gerade in dunklen Zeiten braucht es laute Stimmen für den Frieden.
Ich selbst war in den 80er-Jahren Teil der Friedensbewegung. Ich erinnere mich noch gut an die Demonstrationen gegen Atomwaffen, gegen die Stationierung neuer Raketen. Damals dachten viele: Die Gefahr ist gebannt. Aber sie ist es nicht. Sie ist zurück – und sie war vielleicht nie wirklich weg. Deshalb ist es so wichtig, dass heute über 8.000 Städte weltweit Teil des Netzwerks Mayors for Peace sind.
In Deutschland sind es über 800 – und jedes neue Mitglied zählt. Denn: Städte sind keine Zielscheiben. Menschen sind keine Kollateralschäden. Unsere Aufgabe ist es, die Stimme der Zivilgesellschaft zu erheben. Wir müssen deutlich machen: Wir wollen keine neue Abschreckung. Wir wollen echte Friedensfähigkeit und Abrüstung. Und ich wünsche mir, dass gerade junge Menschen sich einbringen, sich wehren gegen die Normalisierung von Gewalt und Krieg, dass sie die Idee der Mayors for Peace weitertragen.
Für eine Welt, in der Frieden nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel.
Ärzte zwischen Hitler und Hippokrates
Der Film, den wir vorstellten, veranschaulicht auf neue Weise
- die Kooperation von belgischen Ärzten, insbesondere Genter Ärzten, mit der deutschen Besatzungsmacht und Nazi-Deutschland in der Zwischenkriegszeit und während der Besatzung
- den Einfluss des Pangermanismus und der Flamenpolitik.
Die jüdische Präsenz in Gent und der Genter Widerstand werden ebenfalls thematisiert, sowie der zwanzigste Judentransport in Mechelen.
In seinen Recherchen stößt der Autor auch auf Verbindungen zu den Massakern von Katyn und Winniza und der Macht der Familie Conti. Die lokale und nationale Geschichte trifft hier auf die große Geschichte.
Außerdem befasst sich der Film mit dem Einfluss des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Rassenkunde in Berlin und der NS-„Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ in Alt-Rehse auf die ideologische Ausbildung deutscher Ärztinnen und Ärzte sowie Hebammen während der National sozialistischen Epoche.
Der inzwischen verstorbene Arzt Dr. André Wynen, ehemaliger Deportierter von Breendonk und Buchenwald, Vorsitzender der Groupe Mémoire-Herinnering, Gründer des belgischen Ärzteverbands der Ärztegewerkschaften und emeritierter Generalsekretär des Weltärztebunds, ermutigte Dr. Louis seinen Einsatz für die Bewahrung der Erinnerung und für den Kampf gegen Rechtsextremismus und Separatismus fortzusetzen, Themen, die sich wie ein roter Faden durch Dr. Wynens Handeln zogen. Er warnte unsere Gesellschaft auch vor „wirtschaftlicher Euthanasie“ im Zusammenhang mit einer alternden Bevölkerung und einer großen Wirtschaftskrise.
Geburtstag des Atomwaffenverbotsvertrags
Der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen wurde am 22.1.2025 4 Jahre alt. 73 Staaten hatten ihn bis dahin ratifiziert. Er ist ein hoffnungsvoller Gegenentwurf zur Strategie der nuklearen Abschreckung, die uns auf einen wahnwitzigen Irrweg geführt hat. Wir haben im Aachener Bündnis gegen Atomwaffen diesen Tag mit dem gemeinsamen Singen von Friedensliedern gefeiert.