Dr. Winfrid Eisenberg war vier Jahre Mitglied des Vorstandes der deutschen Sektion der IPPNW. Er hat aktiv an der Gestaltung der Tschernobyl- und Fukushima-Kongresse mitgewirkt, unter anderem hielt er 2014 selbst einen Vortrag über Leukämie bei Kindern. Als Pädiater hat er die Frühchen-Abteilung an der Kinderklinik Herford aufgebaut und danach über viele Jahre die Klinik geleitet.
Er war ein Abenteurer und großer Menschenfreund. Wenige Wochen nach dem Super-GAU von Tschernobyl besetzte er gemeinsam mit fünf weiteren Anti-Atom-Aktivist*innen den Kühlturm des AKW-Hamm-Uentrop, um dessen Stilllegung zu fordern. Als Chefarzt der Kinderklinik und Beamter des Kreises Herford wurde gegen ihn ein Verfahren wegen „Dienstvergehen“ eingeleitet. Letztlich verzichtete der Kreis Herford jedoch auf disziplinarische Maßnahmen.
In Herford setzte er sich unter anderem in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit ein: Er hat die „Friedensfördernde Energiegenossenschaft“ Herford mit initiiert, übernahm den Vorsitz des Herforder Kinderschutzbundes und unterstützte von Abschiebung bedrohte Geflüchtete – stets auf der Seite der Schwächeren und am Recht auf Leben des Einzelnen orientiert. Er sang auch bei der Gruppe „Lebenslaute“ mit – besonders die damalige Aktion am Stuttgarter EUCOM ist uns in Erinnerung geblieben.
Seine Gutachten über die missbräuchliche Verwendung von Röntgenaufnahmen zur Altersschätzung minderjähriger Flüchtlinge fanden bundesweite Beachtung. 2004 wurde Winfrid mit dem Heiko-Ploeger-Preis für Zivilcourage der Stadt Herford ausgezeichnet.
Der Friedens- und Anti-Atom-Aktivist Dr. Winfrid Eisenberg verstarb am 13. April 2026 im Alter von 89 Jahren im Kreise seiner vier Kinder und Familie. Die IPPNW verliert einen Freund und Mitstreiter, der immer wertvolle Anregungen und Impulse gab.
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