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2024

IPPNW-Chronik

Januar: Zum dritten Jahrestag des Inkrafttretens des Atomwaffenverbotsvertrags organisieren verschiedene IPPNW-Regionalgruppen Veranstaltungen und Aktionen, etwa in Aachen.

Der Januar 2024 erinnert uns alle daran, dass der deutsche Atomausstieg noch nicht vollendet ist. Der französische Staatskonzern Framatome hat eine Genehmigung zu Produktionserweiterung am Standort Lingen beantragt, um dort künftig in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart herzustellen. Die IPPNW engagiert sich mit einer eigenen Sammeleinwendung gegen die Vergrößerung der Anlage und protestiert im Bündnis mit Anti-Atom-Initiativen vor der Brennelementefabrik in Lingen.

Februar: Das Bündnis „Stoppt das Töten“ organisiert Antikriegs-Aktionen zum zweiten Jahrestag des Ukrainekrieges in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und Stuttgart. In Berlin beteiligt sich eine große IPPNW-Gruppe.

Vom 16.-18. Februar tagt die Münchner Friedenskonferenz „Wohin treibt Europa?“, die die IPPNW unterstützt. Die IPPNW veranstaltet einen Workshop zum Thema „Überleben bedeutet Widerstand leisten – die Folgen von Atomtests“.

Das aktualisierte Papier zur Jodblockade erscheint. Reinhold Thiel (Ulmer Ärzteinitiative der IPPNW) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Alfred Böcking, Dr. Ditte Götz, Dr. Odette Klepper und Dr. Volker Siller (IPPNW-Regionalgruppe Aachen) aktualisieren die IPPNW-Empfehlungen zum Schutz der Schilddrüse mit speziellen Jodtabletten bei Reaktorunfällen.

März: Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine schreibt die IPPNW mehrfach an Bundeskanzler Olaf Scholz, Minister*innen sowie Fraktions- und Parteispitzen. Im März 2024 begrüßt die IPPNW das Nein des Kanzlers zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern in die Ukraine.

Mehr als 10.800 Einwendungen von Bürger*innen gegen den Ausbau der Atomfabrik Lingen, darunter auch die vielen Unterschriften der IPPNW-Sammeleinwendung, werden an das niedersächsische Umweltministerium übergeben.

Die Atomlobby will Klimaschutzgelder in die Atomwirtschaft umleiten: IPPNW und viele andere protestieren gegen den IAEO-Pro-Atom-Kongress in Brüssel. Die IPPNW ist mit mehreren Mitgliedern vor Ort und protestiert in einem großen Bündnis, das von mehr als 600 Umwelt-, Klimaschutz-, Friedens- und Menschenrechtsorganisationen aus über 50 Ländern unterstützt wird, gegen die Atommärchen und für echten Klimaschutz.

April: Auf dem IPPNW-Jahrestreffen referiert der Koordinator von „Sicherheit neu denken“ Ralf Becker zum Thema „Sicherheitsstrategien neu denken. Gewalt stoppen und überwinden“ mit ca. 160 Teilnehmer*innen.

Ein Jahr Atomausstieg! 38 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl macht die IPPNW deutlich, dass der Ausstieg ein Erfolg ist, der vollendet werden muss. IPPNW-Mitglied Dr. Jörg Schmid spricht zum 38. Tschernobyl-Jahrestag vor dem AKW Neckarwestheim.

Mai: Das deutsche ICAN-Netzwerk appelliert in einem offenen Brief an die Kandidierenden der Europawahl, den Diskussionen um eine europäische Atombombe eine Absage zu erteilen.

Mit der Wiesbadener Erinnerung bekräftigen Persönlichkeiten aus Kirche und den Naturwissenschaften, dass es keine Sicherheit mit Atomwaffen gibt. Zu den Unterzeichnenden gehören u. a. die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen und Ehrenvorstandsmitglied Ulrich Gottstein.

Juli: Vom 2. bis 7. Juli findet das Klimacamp gegen Atomwaffen in Nörvenich statt. Auf dem Protestcamp gibt es Vorträge sowie einen Ausflug zum Hambacher Forst 2.0. Am Wochenende folgt eine Demonstration, zudem besetzt eine Gruppe Aktivist*innen sieben Tore des Fliegerhorsts Nörvenich.

Die IPPNW-Regionalgruppe Köln organisiert mit anderen Friedensinitiativen eine Menschenkette über zwei Brücken unter dem Motto „Das Töten und das Leid der Menschen in Palästina muss ein Ende haben: Menschenwürde für alle Menschen!“  Etwa 2.000 Personen beteiligen sich.

Im Juli veröffentlicht der IPPNW-Vorstand ein Argumentationspapier „Ein Verhandlungsfrieden ist alternativlos! Widerlegung einiger Narrative der Kriegslogik und Propaganda“, das an die Mitglieder und die Regionalgruppen versendet wird.

August: Zu den Hiroshima- und Nagasaki-Gedenktagen am 6. und 9. August organisieren IPPNW-Regionalgruppen bundesweit Mahnwachen und Veranstaltungen, so u. a. in Aachen, Bremen, Frankfurt, Mainz, München, Nürnberg, Offenbach und Stuttgart.

Die IPPNW warnt vor einer drohenden Katastrophe: Auf dem Gelände des AKW Saporischschja in der Ukraine brennt es, in der Nähe des AKW Kursk in Russland finden Kämpfe statt.

September: Anlässlich der geplanten Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des Schweizer AKW Leibstadt fordert die IPPNW die sofortige Stilllegung des Reaktors. Die geplante Laufzeitverlängerung ist eine grenzüberschreitende Gefahr!

Die IPPNW kritisiert auch den Weiterbetrieb maroder AKWs in Frankreich und fordert im laufenden Anhörungsverfahren, die angestrebte Laufzeitverlängerung nicht umzusetzen und stattdessen den Atomausstieg einzuleiten.

Oktober: Mit einem eigenen Aufruf unter dem Motto „Atomare Eskalation verhindern! Für eine diplomatische Initiative im Ukrainekrieg“ ruft die IPPNW zu der bundesweiten Demonstration am 3. Oktober 2024 auf.

Kein Deal mit Rosatom! In Lingen demonstriert ein Bündnis unter Beteiligung der IPPNW gegen den Ausbau der Lingener Brennelementefabrik.

In Hannover findet die Fachtagung „Nuklearer Fallout“ des Fachportals „Atommüllreport“ statt. Sie beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem zivil-militärischen Atomkomplex.

November: Im Februar und November veröffentlicht die IPPNW die 6. und 7. Auflage des Papiers „Waffenstillstand und Frieden für die Ukraine“. Es versammelt verschiedene Konzepte auf bilateraler, multilateraler, wissenschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene, die zu einer Lösung des Konfliktes beitragen könnten. Das Heft wird an zahlreiche Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und das Umfeld der Friedensbewegung verschickt.

Im November startet die Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig – für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!“ Sie wächst schnell auf etwa 50 Mitgliedsorganisationen an.

Dezember: Am 10. Dezember wird der Dachorganisation der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki, Nihon Hidankyo, der Friedensnobelpreis verliehen. IPPNW-Regionalgruppen feiern dies mit Aktionen und Veranstaltungen.

Aus Sorge über den geplanten Langzeitbetrieb des Altreaktors Leibstadt in der Schweizer Grenzregion zu Deutschland wenden sich 500 Ärzt*innen und 250 Unterstützer*innen in einem offenen Brief an die politisch Verantwortlichen. In dem gemeinsam initiierten Appell fordern die IPPNW in Deutschland und der Schweiz die Stilllegung des AKWs, mindestens aber die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit grenzüberschreitender Öffentlichkeitsbeteiligung. In einer öffentlichen Aktion werden die Unterschriften in Stuttgart an das Landesumweltministerium und in Bern an die zuständigen politischen Vertreter*innen übergeben.

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Meilensteine der IPPNW-Arbeit

    • 1985: Verleihung des Friedensnobelpreises an die IPPNW für das Engagement gegen Atomwaffen

    • 1986: Der Präsident der Sowjetunion Michael Gorbatschow verlängert das einseitige Atomtestmoratorium aus dem Jahr 1985 mehrfach. Die Ko-Präsidenten der IPPNW, Bernhard Lown und Evgeny Tschasow trafen sich mehrfach mit Michail Gorbatschow und halfen dabei, ihn davon zu überzeugen, das einseitige Moratorium der Sowjetunion für Atomwaffentests zu verlängern.

    • 1991: Während des Golfkrieges entsendet die IPPNW-Vertreter*innen, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Krieges öffentlich machen, sich für den Frieden einsetzen und Tonnen von Medikamenten und Nahrungsmitteln liefern.

    • 1993: Nach langer Lobby-Arbeit der IPPNW verabschiedet die 46. Weltgesundheitsversammlung die Resolution "Auswirkungen von Atomwaffen auf Gesundheit und Umwelt". Darin wird die WHO beauftragt, beim Internationalen Gerichtshof ein Gutachten über den Rechtsstatus der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen zu ersuchen. 1996 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof ein Gutachten zur Illegalität von Atomwaffen.

    • 1996: Der Atomteststoppvertrag wird von der UN-Generalversammlung angenommen und zur Unterzeichnung geöffnet. Bereits im Jahr 1988 hatte die IPPNW eine neue weltweite Kampagne unter dem Motto »Global Cease Fire" gestartet. Ärzt*innen protestierten gegen die Atomtests und forderten einen sofortigen Stopp. Der Aktion wurde regelmäßig alle Jahre bei jedem Atomtest wiederholt, bis zur Unterzeichnung des Atomteststoppvertrages.

    • 1992: Die IPPNW beteiligt sich an der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen. Die Kampagne hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1997 das Ottawa-Abkommen (Minenverbotsvertrag) beschlossen wurde, das den Einsatz, die Produktion, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. 1997 wurde der Friedensnobelpreis 1997 an die Kampagne verliehen.

    • 2011: Am 11. März kommt es im japanischen Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU, nachdem das Atomkraftwerk Dai-ichi durch ein Erdbeben und einen Tsunami getroffen wurde. Vorstand und Mitglieder der IPPNW Deutschland befinden sich zu dem Zeitpunkt auf einer Mitgliederversammlung in Frankfurt und wenden sich sofort als Expert*innen an die Medien. Wochenlang geben IPPNW-Ärzt*innen Interviews in Print, Funk und Fernsehen. Ihre Expertise zur Niedrigstrahlung wird auch von Menschen in Japan aufgenommen, übersetzt und weitergegeben. 

    • 2012: Die internationale IPPNW veröffentlicht eine Studie über die Klima- und Gesundheitsauswirkungen eines regionalen Atomkrieges, das auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Klimaforscher*innen basiert, und warnt, dass bis zu eine Milliarde Menschen an den Folgen einer nuklearen Hungersnot sterben könnten, die durch die Detonation von 100 Atomwaffen von der Größe Hiroshimas verursacht würde.

    • 2013: Auf der UN-Generalversammlung in New York wird ein historischer Vertrag über den Waffenhandel (The Arms Trade Treaty, ATT) verabschiedet. Der Vertrag, für den sich die internationale IPPNW als Stimme der öffentlichen Gesundheit eingesetzt hat, legt klare Regeln für alle weltweiten Waffen- und Munitionstransfers fest.

    • 2016: Die IPPNW, der Weltärztebund, der Weltverband der Gesundheitsverbände und der Internationale Rat der Pflegenden legen der UN-Arbeitsgruppe für nukleare Abrüstung (OEWG) in Genf ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel „Die gesundheitlichen und humanitären Argumente für ein Verbot und die Beseitigung von Atomwaffen“ vor. Die vier führenden internationalen Verbände fordern gemeinsam dringende Maßnahmen zum Verbot und zur Beseitigung von Atomwaffen als „einzige Vorgehensweise, die der von ihnen ausgehenden existenziellen Gefahr angemessen ist“.

    • 2017: Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. IPPNW-Vertreter*innen haben die Kampagne auf dem Vorbereitungstreffen zum Atomwaffenverbreitungsvertrag (NPT) 2007 in Wien gestartet. 

    • 2021: Der Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW) tritt in Kraft, den die IPPNW mit initiiert hat. Inzwischen haben den Vertrag  knapp 100 Staaten unterzeichnet. Er verbietet nicht nur den Besitz und Entwicklung sowie das Testen von Atomwaffen. Er untersagt auch deren Einsatz und die Drohung damit. 

    • 2025: Nach intensiver Lobbyarbeit der IPPNW beschließt die Weltgesundheitsversammlung die Resolution „Auswirkungen eines Atomkrieges auf die öffentliche Gesundheit“. Darin wird die WHO aufgefordert, die gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen eines Atomkrieges und einzelner Atomtests systematisch zu untersuchen und die Forschung auf diesem Gebiet erheblich auszuweiten. Zuvor hatten Russland und die USA gemeinsam versucht, die Resolution zu verhindern.

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