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2023

IPPNW-Chronik

Februar: In einem internationalen Appell warnt die IPPNW, dass die Gefahr eines nuklearen Schlagabtausches durch den Ukrainekrieg täglich steigt. Es sei zwingend notwendig, dass die Atomwaffenstaaten offiziell auf einen Atomwaffeneinsatz verzichteten.

Zum fünften Mal findet vom 24.-26. Februar 2023 die IPPNW Peace Academy in Berlin statt. 25 Studierende tauschen sich ein Wochenende unter dem Titel „Climate (vs.) Crisis?“ über Klimagerechtigkeit und Frieden aus.

März: Zum 12. Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima fordert die IPPNW gemeinsam mit weiteren Anti-Atom-Iniativen ein definitives Ende der Atomkraft in Deutschland, eine Stilllegung der Atomanlagen in Lingen und Gronau und einen weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie.

April: Zu den Ostermärschen ruft die IPPNW unter dem Motto „Waffenstillstand und Frieden für die Ukraine“ auf. Viele IPPNW-Regionalgruppen und Mitglieder beteiligen sich.

Geschafft! Am 15. April gehen die letzten deutschen AKW vom Netz. Ein Grund zum Feiern! In München, Neckarwestheim, und Lingen finden Abschaltfeste statt, IPPNW-Mitglieder beteiligen sich an der Organisation und halten Redebeiträge.

Der 23. IPPNW Weltkongress findet vom 26. bis 30. April 2023 in Mombasa, Kenia statt. Es ist der erste IPPNW Weltkongress auf dem afrikanischen Kontinent. Mit den Themen „Abrüstung, Klimagerechtigkeit und Gesundheit“ werden wichtige Themen der kenianischen Kolleg*innen adressiert. Internationale Referent*innen und Aktivist*innen sprechen zu der Verschränkung von Klimakrise, Aufrüstung und Atomkriegsgefahr, Scheinlösungen in Form von Atomenergie und Uranabbau sowie den Möglichkeiten medizinischer Friedensarbeit. Den Auftakt bildet eine fünftägige Fahrradtour der Studierenden, von Nairobi quer durch das Land nach Mombasa. 

Das vorerst letzte IPPNW-Benefizkonzert findet unter dem Motto „Nachdenken über Auschwitz – Wort und Musik zum 78. Jahrestag der Befreiung“ in Berlin statt. Bei den von IPPNW-Mitglied Peter Hauber organisierten Benefizkonzerten wirkten neben international renommierten Solist*innen und Musiker*innen auch zahlreiche Mitglieder der Berliner Philharmoniker mit.

Mai: Die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen referiert bei einer öffentlichen Anhörung im Bundestag am 8. Mai 2023 zum Thema „Die Zukunft der globalen Abrüstungs- und Rüstungskontrollarchitektur“.

Juni: Yoko Schlütermann, IPPNW-Mitglied und Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund, erhält für ihr ehrenamtliches Engagement das Verdienstkreuz am Bande. Im Zentrum ihrer Arbeit steht seit 2011 das Anliegen, die atomare Katastrophe von Fukushima nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Im Vorfeld des Treffens der EU-Innenminister*innen zur Reform des europäischen Asylsystems (GEAS) beteiligt sich die IPPNW an der Lobbyarbeit zahlreicher Menschen- und Kinderrechtsorganisationen, um die geplante Reform zu stoppen und die Bundesregierung dazu zu drängen, ihrer völkerrechtlichen und humanitären Verantwortung gerecht zu werden und den Koalitionsvertrag ernst zu nehmen.

Auf dem IPPNW-Jahrestreffen startet das Projekt „To Survive is to Resist“ in Berlin – mit einem Vortrag der Marshallese Educational Initiative zu den Atomwaffentests auf den Marshallinseln und deren Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt. Während Benetick Kabua Maddison über die Geschichte und aktuellen Situation der Marshallinseln referiert, verarbeitet Matthew John seinen Protest in einer musikalischen Performance. Gemeinsam mit dem ebenfalls angereisten Marino Morris fordern die Gäste nukleare Gerechtigkeit für die Marshallinseln und alle ehemaligen Testgebiete.

Juli: Vom 4.-9. Juli findet das IPPNW- und ICAN-Zukunftscamp für atomare Abrüstung und Klimaaktion in Düren bei Nörvenich statt. Sechs Tage lang protestieren über 100 Menschen gegen die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland. Sie fordern den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag und die verpflichtende Einbeziehung der CO2-Emissionen von Militär und Rüstungsindustrie in die UN-Klimaberichte.

August: Anlässlich der Jahrestage des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fordert die IPPNW die Bundesregierung dazu auf, dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten, Entschädigungszahlungen an die Überlebenden von Atomwaffeneinsätzen zu leisten sowie den Austritt Deutschlands aus der nuklearen Teilhabe der NATO umzusetzen.

Der IPPNW-Report „Die katastrophalen Folgen der Atomtests – Auswirkungen auf Mensch und Umwelt“ erscheint. Die Publikation informiert über die Auswirkungen von Atomwaffentests auf die Gesundheit der lokalen Bevölkerung. Die englische Version findet bei den internationalen Teilnehmenden der Zweiten Staatenkonferenz des Atomwaffenverbotsvertrags viel Anerkennung. Zudem geht die neue Webseite survivors.ippnw.de online.

September: Die Global Health Summer School findet in Berlin statt. Unter dem Titel “Colliding Crises? Global Health between war, security and human rights” kommen 24 Studierende aus Deutschland, Kosovo, Serbien, Nepal, Kenia und Sambia zusammen.

„Preparing for permanent crisis? Reshaping Global Health in the aftermath of Covid-19“ ist der Titel einer eintägigen Konferenz am 16. September, die die IPPNW zusammen mit medico international organisiert. 120 Personen und diverse internationale Referent*innen kommen in Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion zusammen.

Oktober: Seit den Hamas-Angriffen auf Israel vom 7. Oktober 2023 und dem Krieg Israels gegen Gaza erleben wir eine sich bedrohlich zuspitzende Gewalteskalation, eine eklatante Verletzung von Völkerrecht sowie eine beispiellose humanitäre Katastrophe im Gazastreifen. Die IPPNW veröffentlicht auf einer Webseite zum Gazakrieg zahlreiche Pressemitteilungen und Statements.

Die internationalen IPPNW-Co-Präsidenten schreiben einen Offenen Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, in dem sie ihre Unterstützung für dessen Bemühungen um Frieden in Gaza bekunden.

Das 2%-Ziel der NATO wird 2,6 Billionen Dollar abziehen, die dann zur Bekämpfung der Klimakrise fehlen könnten. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Climate Crossfire“, die u. a. von der IPPNW Deutschland mitherausgegeben wird.

Zum dritten Mal organisiert der IPPNW-Arbeitskreis Türkei-Deutschland eine Besuchsreise von türkisch-kurdischen Partner*innen aus dem Südosten der Türkei nach Deutschland. Vom 24. September bis zum 7. Oktober kommen acht Personen aus dem Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit, Politik, Frauen- und Kinderrechte und Justiz/Flüchtlingsschutz nach Berlin, ins Wendland und nach Hamburg. Es gibt drei gut besuchte Abendveranstaltungen zu den Themen „Krise der Menschenrechte – Wie passen feministische Außenpolitik und EU-Türkei-Deal zusammen?“ und zum Thema „Kampf um Frauenrechte in der Türkei und Kurdistan“ in Berlin und Hamburg.

Nach langer Suche hat die IPPNW eine neue Heimat gefunden. Die neue Geschäftsstelle ist künftig in der Frankfurter Allee 3 in Berlin-Friedrichshain zu finden. Damit wird unser Verein im Stadtbild präsenter: Das Büro zieht nach mehr als 30 Jahren aus einem Hinterhof in Kreuzberg in die sonnendurchfluteten Räumlichkeiten mit einer ikonischen historischen Fassade. 

November: Insgesamt 121.626 Menschen haben die Bundesregierung in einer Petition dazu aufgefordert, den UN-Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen. Die Petition wird dem Auswärtigen Amt übergeben.

Fünf Mitglieder der deutschen IPPNW nehmen an der Zweiten Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag in New York teil. Für das IPPNW-Projekt „To Survive is to Resist“ werden sieben Interviews mit Betroffenen der nuklearen Kette und Expert*innen auf diesem Gebiet geführt.

Dezember: Zum ersten Mal nimmt eine vierköpfige internationale IPPNW-Delegation an der 28. UN-Klimakonferenz in Dubai teil. Mit dem Slogan „No Nukes, No War, No Warming“ machen die Delegierten auf den militärisch bedingten CO2-Fuß-abdruck aufmerksam.

Die IPPNW positioniert sich auf der Weltklimakonferenz COP28 gegen Formelkompromisse und Scheinlösungen für die Klimakrise. Im Verlauf des Gipfels stellen sich 22 Länder hinter eine Absichtserklärung, die eine Verdreifachung der Stromerzeugungskapazitäten aus Atomenergie bis zum Jahr 2050 anstrebt. Atomkraft, entgegnet die IPPNW, ist aber zu langsam, zu teuer, zu gefährlich und zu schlecht mit den Erneuerbaren kombinierbar, als dass sie einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz leisten könnte.

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 haben mehr als 250.000 Militärdienstpflichtige Russland verlassen. Über 40 Friedensgruppen aus ganz Europa veranstalten vom 4. Dezember bis zum „Internationalen Tag der Menschenrechte“ am 10. Dezember 2023 Protestaktionen und fordern Aufnahme und Schutz für alle, die sich dem Krieg in der Ukraine entziehen.

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Meilensteine der IPPNW-Arbeit

    • 1985: Verleihung des Friedensnobelpreises an die IPPNW für das Engagement gegen Atomwaffen

    • 1986: Der Präsident der Sowjetunion Michael Gorbatschow verlängert das einseitige Atomtestmoratorium aus dem Jahr 1985 mehrfach. Die Ko-Präsidenten der IPPNW, Bernhard Lown und Evgeny Tschasow trafen sich mehrfach mit Michail Gorbatschow und halfen dabei, ihn davon zu überzeugen, das einseitige Moratorium der Sowjetunion für Atomwaffentests zu verlängern.

    • 1991: Während des Golfkrieges entsendet die IPPNW-Vertreter*innen, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Krieges öffentlich machen, sich für den Frieden einsetzen und Tonnen von Medikamenten und Nahrungsmitteln liefern.

    • 1993: Nach langer Lobby-Arbeit der IPPNW verabschiedet die 46. Weltgesundheitsversammlung die Resolution "Auswirkungen von Atomwaffen auf Gesundheit und Umwelt". Darin wird die WHO beauftragt, beim Internationalen Gerichtshof ein Gutachten über den Rechtsstatus der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen zu ersuchen. 1996 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof ein Gutachten zur Illegalität von Atomwaffen.

    • 1996: Der Atomteststoppvertrag wird von der UN-Generalversammlung angenommen und zur Unterzeichnung geöffnet. Bereits im Jahr 1988 hatte die IPPNW eine neue weltweite Kampagne unter dem Motto »Global Cease Fire" gestartet. Ärzt*innen protestierten gegen die Atomtests und forderten einen sofortigen Stopp. Der Aktion wurde regelmäßig alle Jahre bei jedem Atomtest wiederholt, bis zur Unterzeichnung des Atomteststoppvertrages.

    • 1992: Die IPPNW beteiligt sich an der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen. Die Kampagne hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1997 das Ottawa-Abkommen (Minenverbotsvertrag) beschlossen wurde, das den Einsatz, die Produktion, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. 1997 wurde der Friedensnobelpreis 1997 an die Kampagne verliehen.

    • 2011: Am 11. März kommt es im japanischen Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU, nachdem das Atomkraftwerk Dai-ichi durch ein Erdbeben und einen Tsunami getroffen wurde. Vorstand und Mitglieder der IPPNW Deutschland befinden sich zu dem Zeitpunkt auf einer Mitgliederversammlung in Frankfurt und wenden sich sofort als Expert*innen an die Medien. Wochenlang geben IPPNW-Ärzt*innen Interviews in Print, Funk und Fernsehen. Ihre Expertise zur Niedrigstrahlung wird auch von Menschen in Japan aufgenommen, übersetzt und weitergegeben. 

    • 2012: Die internationale IPPNW veröffentlicht eine Studie über die Klima- und Gesundheitsauswirkungen eines regionalen Atomkrieges, das auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Klimaforscher*innen basiert, und warnt, dass bis zu eine Milliarde Menschen an den Folgen einer nuklearen Hungersnot sterben könnten, die durch die Detonation von 100 Atomwaffen von der Größe Hiroshimas verursacht würde.

    • 2013: Auf der UN-Generalversammlung in New York wird ein historischer Vertrag über den Waffenhandel (The Arms Trade Treaty, ATT) verabschiedet. Der Vertrag, für den sich die internationale IPPNW als Stimme der öffentlichen Gesundheit eingesetzt hat, legt klare Regeln für alle weltweiten Waffen- und Munitionstransfers fest.

    • 2016: Die IPPNW, der Weltärztebund, der Weltverband der Gesundheitsverbände und der Internationale Rat der Pflegenden legen der UN-Arbeitsgruppe für nukleare Abrüstung (OEWG) in Genf ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel „Die gesundheitlichen und humanitären Argumente für ein Verbot und die Beseitigung von Atomwaffen“ vor. Die vier führenden internationalen Verbände fordern gemeinsam dringende Maßnahmen zum Verbot und zur Beseitigung von Atomwaffen als „einzige Vorgehensweise, die der von ihnen ausgehenden existenziellen Gefahr angemessen ist“.

    • 2017: Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. IPPNW-Vertreter*innen haben die Kampagne auf dem Vorbereitungstreffen zum Atomwaffenverbreitungsvertrag (NPT) 2007 in Wien gestartet. 

    • 2021: Der Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW) tritt in Kraft, den die IPPNW mit initiiert hat. Inzwischen haben den Vertrag  knapp 100 Staaten unterzeichnet. Er verbietet nicht nur den Besitz und Entwicklung sowie das Testen von Atomwaffen. Er untersagt auch deren Einsatz und die Drohung damit. 

    • 2025: Nach intensiver Lobbyarbeit der IPPNW beschließt die Weltgesundheitsversammlung die Resolution „Auswirkungen eines Atomkrieges auf die öffentliche Gesundheit“. Darin wird die WHO aufgefordert, die gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen eines Atomkrieges und einzelner Atomtests systematisch zu untersuchen und die Forschung auf diesem Gebiet erheblich auszuweiten. Zuvor hatten Russland und die USA gemeinsam versucht, die Resolution zu verhindern.

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