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2021

IPPNW-Chronik

Januar: Am 22. Januar 2021 tritt der UN-Vertrag für ein Verbot von Atomwaffen (AVV) in Kraft. In vielen Städten finden Aktionen und Mahnwachen statt. Die USA und Russland vereinbaren am 26. Januar, den New START-Vertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern. Das begrüßen IPPNW und ICAN mit einer Fotoaktion vor dem Brandenburger Tor.

Am 16. Januar organisieren die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und die IPPNW die Tagung „Das DRK im Spannungsfeld zwischen humanitärem Anspruch und Realität“. Anlässlich des 100. Geburtstages des DRK diskutieren namhafte deutschsprachige Wissenschaftler*innen und 121 Teilnehmer*innen die schwierigen Verstrickungen des DRK in der NS-Zeit. Erstmalig findet eine Konferenz „Medizin & Gewissen“ online statt.

Februar: Am 11. März jährt sich der dreifache Super-GAU von Fukushima zum zehnten Mal. Die IPPNW organisiert dazu das Symposium „10 Jahre Leben mit Fukushima“. Renommierte Wissenschaftler*innen stellen ihre Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen des mehrfachen Supergaus auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit vor.

Im Februar zeichnet die IPPNW die offenen Briefe an CureVac und BioNTech im Rahmen der MSF Access Campaign, die die Unternehmen zur Aussetzung der Patente auf Covid-19 Impfstoffe auffordern. Es ist der Aufschlag des Engagements für globale Impfgerechtigkeit.

Am 16. Februar 2021 stirbt der Mitbegründer der internationalen IPPNW, Prof. Dr. Bernard Lown im Alter von 99 Jahren, wenige Monate vor seinem 100. Geburtstag. Lown war Kardiologe an der Harvard-Universität in Boston. Gemeinsam mit dem russischen Kardiologen Evgenij Chazov baute er die internationale IPPNW auf. Sie nahmen 1985 gemeinsam den Friedensnobelpreis für die IPPNW entgegen.

Juni: Anlässlich des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan spricht sich die IPPNW für eine Evaluation des Militäreinsatzes in Afghanistan aus.

Juli: Im Juli findet die zehnte Global Health Summer School mit begleitender Konferenz statt. 25 junge Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Gesundheitsfachkräfte aus verschiedenen Ländern kommen für eine Woche in Berlin zusammen und diskutieren wie Globale Gesundheit, Klimakrise, Aufrüstung und gewaltsame Konflikte zusammenhängen.

August: Am 15. August nehmen die Taliban Kabul ein. In den folgenden Wochen zeigt sich erschreckend, wie wenig Deutschland vorbereitet und Willens ist, Menschen in größerem Umfang Schutz zu bieten. Im Rahmen ihrer Bundestagswahlkampagne fordert die IPPNW, Abschiebungen von Schutzbedürftigen sofort zu stoppen und eine menschen- und völkerrechtsbasierte Migrations- und Asylpolitik umzusetzen. Zusammen mit 45 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen unterzeichnet die IPPNW das Positionspapier: „Solidarität entgrenzen: #offengeht“.

September: 20 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September gedenkt die IPPNW der Opfer des „Krieges gegen den Terror“. Dieser habe unzählige Zivilist*innen das Leben gekostet und viele Menschen in die Flucht getrieben. Das Beispiel Afghanistan zeige, dass die Bekämpfung von Terrorismus durch militärische Gewalt gescheitert sei.

Im September geht die IPPNW mit ca. 20.000 anderen auf der Unteilbar-Demo in Berlin für eine offene und solidarische Gesellschaft auf die Straße. Nur wenige Wochen später fordert die IPPNW beim globalen Klimastreik „Abrüsten fürs Klima“ und verteilt das Faltblatt „Risiken und Nebenwirkungen: wie Militär und Krieg die Klimakatastrophe befeuern“.

November: Vertreter*innen der deutschen IPPNW sind erstmals auf der UN-Klimakonferenz anwesend. In Glasgow tritt die IPPNW im Bündnis mit „Don’t Nuke The Climate“ als Konterpart zur Atom-Lobby auf und unterstreicht: Atomenergie ist keine Klimaretterin! Die großen Demonstrationen nutzt die IPPNW, um auf den CO2-Fußabdruck des Militärs aufmerksam zu machen, der mindestens sechs Prozent der weltweiten Emissionen ausmacht und bisher in der Klimaschutzdebatte ausgespart bleibt.

Nach 30 Jahren endet die Arbeit der Irak-Kinderhilfe der IPPNW. Ihr Begründer und Koordinator Prof. Dr. Ulrich Gottstein begeht seinen 95. Geburtstag. Von 1991 bis 2003 hat die Kinderhilfe das Gesundheitswesen im Irak mit Hilfslieferungen unterstützt. In den folgenden Jahren brachten die Ärzt*innen der Kinderhilfe mehr als 120 irakische Kinder zu Operationen und stationären Behandlungen in deutschen Kliniken.

Dezember: In vielen Ländern des globalen Südens wartet die Mehrheit der Menschen noch immer auf die erste Impfung. Die IPPNW veröffentlicht deshalb die Argumentationshilfe „Globale Impfgerechtigkeit – warum der globale Norden versagt hat und worauf es jetzt ankommt“. Darin wird erklärt, was die temporäre Freigabe von Patenten bewirken könnte. Falsche Behauptungen rund um die Impfstoffentwicklung und -produktion werden widerlegt.

Der internationale IPPNW-Vorstand veröffentlicht ein Statement zum Konflikt in der Ukraine zwischen der NATO und Russland. Die Konfliktparteien werden aufgerufen, Militärübungen an den jeweiligen Grenzen und Waffenlieferungen an die Ukraine zu beenden. Um Spannungen zu reduzieren, werde jede diplomatische Initiative begrüßt. Es sei dringend erforderlich, konkrete Abrüstungs- und Deeskalationsmaßnahmen voranzutreiben. Ein Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik mit Russland sei wichtig, ebenso ein Wiederbeleben gemeinsamer Sicherheitskonzepte.

Die IPPNW erinnert anlässlich des zehnten Todestages ihres Gründungsmitglieds Horst-Eberhard Richter an sein Vermächtnis, die „Krankheit Friedlosigkeit“ zu überwinden. Der Psychoanalytiker sah ärztliches Verhalten immer politisch. Die prinzipielle Verpflichtung aller Ärzt*innen sei es, Leben zu schützen und nicht politische Systeme.

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Meilensteine der IPPNW-Arbeit

    • 1985: Verleihung des Friedensnobelpreises an die IPPNW für das Engagement gegen Atomwaffen

    • 1986: Der Präsident der Sowjetunion Michael Gorbatschow verlängert das einseitige Atomtestmoratorium aus dem Jahr 1985 mehrfach. Die Ko-Präsidenten der IPPNW, Bernhard Lown und Evgeny Tschasow trafen sich mehrfach mit Michail Gorbatschow und halfen dabei, ihn davon zu überzeugen, das einseitige Moratorium der Sowjetunion für Atomwaffentests zu verlängern.

    • 1991: Während des Golfkrieges entsendet die IPPNW-Vertreter*innen, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Krieges öffentlich machen, sich für den Frieden einsetzen und Tonnen von Medikamenten und Nahrungsmitteln liefern.

    • 1993: Nach langer Lobby-Arbeit der IPPNW verabschiedet die 46. Weltgesundheitsversammlung die Resolution "Auswirkungen von Atomwaffen auf Gesundheit und Umwelt". Darin wird die WHO beauftragt, beim Internationalen Gerichtshof ein Gutachten über den Rechtsstatus der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen zu ersuchen. 1996 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof ein Gutachten zur Illegalität von Atomwaffen.

    • 1996: Der Atomteststoppvertrag wird von der UN-Generalversammlung angenommen und zur Unterzeichnung geöffnet. Bereits im Jahr 1988 hatte die IPPNW eine neue weltweite Kampagne unter dem Motto »Global Cease Fire" gestartet. Ärzt*innen protestierten gegen die Atomtests und forderten einen sofortigen Stopp. Der Aktion wurde regelmäßig alle Jahre bei jedem Atomtest wiederholt, bis zur Unterzeichnung des Atomteststoppvertrages.

    • 1992: Die IPPNW beteiligt sich an der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen. Die Kampagne hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1997 das Ottawa-Abkommen (Minenverbotsvertrag) beschlossen wurde, das den Einsatz, die Produktion, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. 1997 wurde der Friedensnobelpreis 1997 an die Kampagne verliehen.

    • 2011: Am 11. März kommt es im japanischen Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU, nachdem das Atomkraftwerk Dai-ichi durch ein Erdbeben und einen Tsunami getroffen wurde. Vorstand und Mitglieder der IPPNW Deutschland befinden sich zu dem Zeitpunkt auf einer Mitgliederversammlung in Frankfurt und wenden sich sofort als Expert*innen an die Medien. Wochenlang geben IPPNW-Ärzt*innen Interviews in Print, Funk und Fernsehen. Ihre Expertise zur Niedrigstrahlung wird auch von Menschen in Japan aufgenommen, übersetzt und weitergegeben. 

    • 2012: Die internationale IPPNW veröffentlicht eine Studie über die Klima- und Gesundheitsauswirkungen eines regionalen Atomkrieges, das auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Klimaforscher*innen basiert, und warnt, dass bis zu eine Milliarde Menschen an den Folgen einer nuklearen Hungersnot sterben könnten, die durch die Detonation von 100 Atomwaffen von der Größe Hiroshimas verursacht würde.

    • 2013: Auf der UN-Generalversammlung in New York wird ein historischer Vertrag über den Waffenhandel (The Arms Trade Treaty, ATT) verabschiedet. Der Vertrag, für den sich die internationale IPPNW als Stimme der öffentlichen Gesundheit eingesetzt hat, legt klare Regeln für alle weltweiten Waffen- und Munitionstransfers fest.

    • 2016: Die IPPNW, der Weltärztebund, der Weltverband der Gesundheitsverbände und der Internationale Rat der Pflegenden legen der UN-Arbeitsgruppe für nukleare Abrüstung (OEWG) in Genf ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel „Die gesundheitlichen und humanitären Argumente für ein Verbot und die Beseitigung von Atomwaffen“ vor. Die vier führenden internationalen Verbände fordern gemeinsam dringende Maßnahmen zum Verbot und zur Beseitigung von Atomwaffen als „einzige Vorgehensweise, die der von ihnen ausgehenden existenziellen Gefahr angemessen ist“.

    • 2017: Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. IPPNW-Vertreter*innen haben die Kampagne auf dem Vorbereitungstreffen zum Atomwaffenverbreitungsvertrag (NPT) 2007 in Wien gestartet. 

    • 2021: Der Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW) tritt in Kraft, den die IPPNW mit initiiert hat. Inzwischen haben den Vertrag  knapp 100 Staaten unterzeichnet. Er verbietet nicht nur den Besitz und Entwicklung sowie das Testen von Atomwaffen. Er untersagt auch deren Einsatz und die Drohung damit. 

    • 2025: Nach intensiver Lobbyarbeit der IPPNW beschließt die Weltgesundheitsversammlung die Resolution „Auswirkungen eines Atomkrieges auf die öffentliche Gesundheit“. Darin wird die WHO aufgefordert, die gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen eines Atomkrieges und einzelner Atomtests systematisch zu untersuchen und die Forschung auf diesem Gebiet erheblich auszuweiten. Zuvor hatten Russland und die USA gemeinsam versucht, die Resolution zu verhindern.

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