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2020

IPPNW-Chronik

Februar: Aufgrund der Pläne des Internationalen Olympischen Komitees, in den verstrahlten Gebieten von Fukushima den Olympischen Fackellauf und einzelne Sportwettkämpfe abzuhalten, organisiert die IPPNW über die Kampagne Tokyo 2020 – The Radioactive Olympics eine internationale Protestaktion vor dem IOC in Lausanne und übergibt die Forderungen an IOC-Präsident Thomas Bach. In mehreren Hintergrundartikeln arbeitet die IPPNW die problematischen Themen der Radioaktiven Olympischen Spiele heraus.

Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie hat ein irakisches Kleinkind im Rahmen der IPPNW-Kinderhilfe das Visum für eine komplizierte Schulteroperation in Deutschland erhalten. Der Eingriff verläuft erfolgreich.

März: Die IPPNW-Anzeige „9 Jahre Fukushima – 32 Jahre Tschernobyl“ erscheint am 11. März 2020 in der Süddeutschen Zeitung – unterzeichnet von 2.033 Unterstützer*innen. Schwerpunktthema sind die radioaktiven Olympischen Spiele in Tokio und Fukushima, mit der Forderung, die Olympischen Spiele nicht politisch zu missbrauchen und Solidarität mit der japanischen Bevölkerung zu zeigen.

Mai: IPPNW-Mitglied Ernst-Ludwig Iskenius und andere Atomwaffenaktivist*innen reichen Verfassungsbeschwerde gegen die „nukleare Teilhabe“ ein. Sie waren 2016 wegen einer Aktion zivilen Ungehorsams in Büchel zu einer Strafe von 30 Tagessätzen wegen Hausfriedensbruchs verurteilt worden.

Juli: Vom 4. bis 7. Juli 2020 protestieren über 100 Aktivist*innen gegen die am Fliegerhorst Büchel stationierten US-Atomwaffen, darunter auch viele IPPNW-Studierende. In Vorbereitung auf die Aktionstage veröffentlichen IPPNW und ICAN „20 Geschichten gegen 20 Bomben“, in denen Abrüstungsaktivist*innen erzählen, warum sie sich gegen Atombomben engagieren.

August: Anlässlich des 75. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wird eine Großplakataktion in 150 Städten organisiert, an der sich auch mehrere Regionalgruppen beteiligen. Die IPPNW-Ausstellung „Hiroshima - Nagasaki“ wird aktualisiert und von vielen Mitgliedern abgerufen. Statt einem IPPNW-Benefizkonzert findet eine Andacht in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche statt. Gemeinsam mit ICAN organisiert die IPPNW Lichtprojektionen an der St. Marien- und an der Gedächtniskirche in Berlin mit Bildern der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis.

September: Die IPPNW fordert die Bundesregierung anlässlich des Globalen Klimastreiks am 25. September auf, den Militärhaushalt zugunsten der Bekämpfung der Klimakatastrophe und der Förderung der Klimaresilienz deutlich zu reduzieren. Mit einem Banner „Atombomber? Nein, danke!, Klima und Soziales? Ja, bitte“ demonstrieren IPPNW-Mitglieder an der Berliner Charité.

Die IPPNW begrüßt den 100. deutschen Beitritt zum ICAN-Städteappell am Weltfriedenstag durch die Stadt Dresden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert unterzeichnet den Appell im Rathaus im Beisein von Vertreter*innen von IPPNW und ICAN.

Gemeinsam mit einem breiten Bündnis der Anti-AKW-Bewegung fordert die IPPNW ein transparenteres und partizipativeres Verfahren zur Standortbestimmung für die dauerhafte Lagerung des hoch-radioaktiven Atommülls in Deutschland. Die IPPNW fordert angesichts der drohenden Kosten und Probleme mit der dauerhaften Lagerung des Atommülls die schnellstmögliche Schließung der sechs verbleibenden Atomkraftwerke in Deutschland sowie der Urananreicherungsanlage in Gronau und der Brennstäbeproduktion in Lingen.

Oktober: Der vom Arbeitskreis Flucht & Asyl erarbeitete IPPNW-Report „Gesundheitliche Folgen von Abschiebung“ beleuchtet die gesundheitlichen und humanitären Folgen der deutschen Abschiebepraxis der vergangenen Jahre.

Die Arbeit am Report dient zudem der Vorbereitung des Menschenrechtstribunals, das ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen vom 23.-25. Oktober 2020 in Berlin veranstaltet. Die Veranstalter*innen kritisieren, dass die gegenwärtige Migrations- und Asylpolitik der Bundesrepublik Deutschland und der EU das Recht auf Gesundheit und physische und psychische Integrität von Migrant*innen und Geflüchteten schwerwiegend verletzt.

Dezember: Die IPPNW begeht ihr 40-jähriges Bestehen. Vom 5.-7. Dezember vor vierzig Jahren traf sich eine kleine Gruppe visionärer Ärzte in Genf, um den Grundstein für die heutige IPPNW zu legen. Bei diesem ersten Treffen der IPPNW-Gründer, den amerikanischen Ärzten Bernard Lown, James Muller und Eric Chivian und den sowjetischen Ärzten Evgeny Chazov, Leonid Illyin und Mikhail Kuzin, wurde beschlossen, Politik und Ideologie beiseite zu lassen, um die größte Bedrohung des menschlichen Lebens aller Zeiten anzugehen. So entstand der unermüdliche Einsatz der IPPNW für die Abschaffung von Atomwaffen. Der geplante Kongress der Regionalgruppe Landsberg wird aufgrund der Corona-Pandemie auf Juni 2021 verschoben.

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Meilensteine der IPPNW-Arbeit

    • 1985: Verleihung des Friedensnobelpreises an die IPPNW für das Engagement gegen Atomwaffen

    • 1986: Der Präsident der Sowjetunion Michael Gorbatschow verlängert das einseitige Atomtestmoratorium aus dem Jahr 1985 mehrfach. Die Ko-Präsidenten der IPPNW, Bernhard Lown und Evgeny Tschasow trafen sich mehrfach mit Michail Gorbatschow und halfen dabei, ihn davon zu überzeugen, das einseitige Moratorium der Sowjetunion für Atomwaffentests zu verlängern.

    • 1991: Während des Golfkrieges entsendet die IPPNW-Vertreter*innen, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Krieges öffentlich machen, sich für den Frieden einsetzen und Tonnen von Medikamenten und Nahrungsmitteln liefern.

    • 1993: Nach langer Lobby-Arbeit der IPPNW verabschiedet die 46. Weltgesundheitsversammlung die Resolution "Auswirkungen von Atomwaffen auf Gesundheit und Umwelt". Darin wird die WHO beauftragt, beim Internationalen Gerichtshof ein Gutachten über den Rechtsstatus der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen zu ersuchen. 1996 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof ein Gutachten zur Illegalität von Atomwaffen.

    • 1996: Der Atomteststoppvertrag wird von der UN-Generalversammlung angenommen und zur Unterzeichnung geöffnet. Bereits im Jahr 1988 hatte die IPPNW eine neue weltweite Kampagne unter dem Motto »Global Cease Fire" gestartet. Ärzt*innen protestierten gegen die Atomtests und forderten einen sofortigen Stopp. Der Aktion wurde regelmäßig alle Jahre bei jedem Atomtest wiederholt, bis zur Unterzeichnung des Atomteststoppvertrages.

    • 1992: Die IPPNW beteiligt sich an der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen. Die Kampagne hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1997 das Ottawa-Abkommen (Minenverbotsvertrag) beschlossen wurde, das den Einsatz, die Produktion, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. 1997 wurde der Friedensnobelpreis 1997 an die Kampagne verliehen.

    • 2011: Am 11. März kommt es im japanischen Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU, nachdem das Atomkraftwerk Dai-ichi durch ein Erdbeben und einen Tsunami getroffen wurde. Vorstand und Mitglieder der IPPNW Deutschland befinden sich zu dem Zeitpunkt auf einer Mitgliederversammlung in Frankfurt und wenden sich sofort als Expert*innen an die Medien. Wochenlang geben IPPNW-Ärzt*innen Interviews in Print, Funk und Fernsehen. Ihre Expertise zur Niedrigstrahlung wird auch von Menschen in Japan aufgenommen, übersetzt und weitergegeben. 

    • 2012: Die internationale IPPNW veröffentlicht eine Studie über die Klima- und Gesundheitsauswirkungen eines regionalen Atomkrieges, das auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Klimaforscher*innen basiert, und warnt, dass bis zu eine Milliarde Menschen an den Folgen einer nuklearen Hungersnot sterben könnten, die durch die Detonation von 100 Atomwaffen von der Größe Hiroshimas verursacht würde.

    • 2013: Auf der UN-Generalversammlung in New York wird ein historischer Vertrag über den Waffenhandel (The Arms Trade Treaty, ATT) verabschiedet. Der Vertrag, für den sich die internationale IPPNW als Stimme der öffentlichen Gesundheit eingesetzt hat, legt klare Regeln für alle weltweiten Waffen- und Munitionstransfers fest.

    • 2016: Die IPPNW, der Weltärztebund, der Weltverband der Gesundheitsverbände und der Internationale Rat der Pflegenden legen der UN-Arbeitsgruppe für nukleare Abrüstung (OEWG) in Genf ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel „Die gesundheitlichen und humanitären Argumente für ein Verbot und die Beseitigung von Atomwaffen“ vor. Die vier führenden internationalen Verbände fordern gemeinsam dringende Maßnahmen zum Verbot und zur Beseitigung von Atomwaffen als „einzige Vorgehensweise, die der von ihnen ausgehenden existenziellen Gefahr angemessen ist“.

    • 2017: Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. IPPNW-Vertreter*innen haben die Kampagne auf dem Vorbereitungstreffen zum Atomwaffenverbreitungsvertrag (NPT) 2007 in Wien gestartet. 

    • 2021: Der Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW) tritt in Kraft, den die IPPNW mit initiiert hat. Inzwischen haben den Vertrag  knapp 100 Staaten unterzeichnet. Er verbietet nicht nur den Besitz und Entwicklung sowie das Testen von Atomwaffen. Er untersagt auch deren Einsatz und die Drohung damit. 

    • 2025: Nach intensiver Lobbyarbeit der IPPNW beschließt die Weltgesundheitsversammlung die Resolution „Auswirkungen eines Atomkrieges auf die öffentliche Gesundheit“. Darin wird die WHO aufgefordert, die gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen eines Atomkrieges und einzelner Atomtests systematisch zu untersuchen und die Forschung auf diesem Gebiet erheblich auszuweiten. Zuvor hatten Russland und die USA gemeinsam versucht, die Resolution zu verhindern.

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