28.08.2026 Anlässlich des Internationalen Tages gegen Atomwaffentests am 29. August fordert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW die Bundesregierung auf, sich entschieden für das Verbot von Atomtests und die Unterstützung der Betroffenen einzusetzen. Weltweit leben unzählige Menschen mit den langfristigen gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen der radioaktiven Verseuchung ihrer Heimat. Die wenigsten wurden entschädigt oder erhalten eine ausreichende medizinische Versorgung.
„Der Internationale Tag gegen Nuklearversuche gibt den Betroffenen der jahrzehntelangen Testreihen eine Stimme und erinnert daran, dass Atomtests keine abgeschlossene Geschichte sind. Ihre Folgen wirken über Generationen fort“, erklärt Dr. Lars Pohlmeier, Vorsitzender der IPPNW. „In Deutschland müssen wir endlich den Menschen zuhören, die bereits heute mit den Folgen leben.“
In der Geschichte der Atomwaffentests steht Deutschland nicht nur an der Seitenlinie. Seit den 1950er Jahren, der Zeit der massiven Wasserstoffbombenexplosionen etwa auf den Marschallinseln, stellt die Bundesrepublik im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO die Stationierung von US-Atomwaffen auf deutschem Boden sicher. Damit trägt Deutschland politische Verantwortung für ein System, das auf Kosten der Menschen in den ehemaligen Testgebieten entwickelt wurde. Nun diskutiert die Bundesregierung über eine engere nukleare Zusammenarbeit mit Frankreich. Die französischen Atomwaffentests in Algerien und Französisch-Polynesien und deren bis heute andauernden, massiven Folgen für die betroffenen Menschen und Regionen finden dabei keine Beachtung.
„Frankreich ignoriert die Menschen weitestgehend, die bis heute unter der Entwicklung des französischen Atomwaffenarsenals leiden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Deutschland diese fehlende Verantwortungsübernahme durch sein Schweigen unterstützt“, kritisiert Pohlmeier. „Bereits mit der nuklearen Teilhabe hat die Bundesrepublik eine Mitschuld auf sich geladen. Doch spätestens mit den Gesprächen mit Frankreich kann die Bundesregierung nicht länger so tun, als gingen sie die Folgen der Atomtests nichts an.“
Mit dem Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) gibt es erstmals einen internationalen Vertrag, der die Bedürfnisse von Menschen und Gemeinschaften anerkennt, die von Atomwaffentests betroffen sind. Deutschland verweigert sich diesem Vertrag bislang und nimmt damit auch Abstand von einem Instrument, das die Rechte der Betroffenen ausdrücklich stärkt. Die IPPNW fordert die Bundesregierung deshalb auf, beobachtend an der ersten Überprüfungskonferenz des AVV teilzunehmen, die vom 30. November bis 4. Dezember 2026 bei den Vereinten Nationen in New York stattfindet.
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