Statement vom 21. Januar 2021


Internationale Gesundheits- und humanitäre Organisationen begrüßen das Inkrafttreten des 
Vertrags für ein Verbot von Atomwaffen

GEMEINSAME ERKLÄRUNG von ICRC, ICN, IFMSA, IPPNW, WFPHA, WMA


Morgen tritt der historische Vertrag der Vereinten Nationen für ein Verbot von Atomwaffen (Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons, TPNW) in Kraft, ein wesentlicher Schritt zur Verhinderung eines Atomkrieges und ein großer Gewinn für die Gesundheit des Planeten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuz (IKRK), das International Council of Nurses (ICN), die International Federation of Medical Student Associations (IFMSA), die International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), die World Federation of Public Health Associations (WFPHA) und die World Medical Association (WMA) begrüßen dieses erste umfassende internationale Verbot von Atomwaffen, den schädlichsten Massenvernichtungswaffen und den letzten, die vollständig verboten werden.



Wir freuen uns und sind stolz darauf, mit unserem Fachwissen und unseren Empfehlungen zur Entwicklung eines starken Verbotsvertrags beigetragen zu haben, der sich stützt auf die Beweise für das katastrophale humanitäre Leid und die radioaktive Verwüstung, die Atomwaffen auslösen. Wir wissen, dass jeder Einsatz von Atomwaffen unüberwindbare Herausforderungen für die humanitäre Hilfe mit sich bringen würde und dass auf nationaler und internationaler Ebene keine ausreichenden Hilfskapazitäten vorhanden sind. Wir müssen verhindern, was wir nicht heilen können.
 Der Vertrag wird nun Teil des internationalen Rechts und ist für die Staaten, die ihn ratifizieren, bindend. Der TPNW etabliert einen neuen internationalen Rechtsstandard gegen diese höchst inhumanen Waffen.

Das Verbot hat seine Wirksamkeit bei der Abrüstung bewiesen. Die Verträge über das Verbot von biologischen und chemischen Waffen, Antipersonenminen und Streumunition haben den Einsatz und die Verwendung dieser Waffen stigmatisiert und reduziert und wirken sich auch auf Staaten aus, die den jeweiligen Verträgen nicht beigetreten sind. Der TPNW beginnt bereits Wirkung zu zeigen. Wir freuen uns, dass sich als Reaktion auf den TPNW eine wachsende Zahl von Banken, Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften auf der ganzen Welt von Unternehmen trennen, die Atomwaffen bauen.

Die Weltgesundheitsorganisation identifizierte 1983 Atomwaffen als "die größte unmittelbare Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit" und kam zu dem Schluss, dass "die Gesundheitsorganisationen der Welt die Situation nicht in nennenswerter Weise lindern können. Daher ist der einzige Ansatz zur Behandlung der gesundheitlichen Auswirkungen eines Atomkrieges die primäre Prävention, d.h. die Verhinderung eines Atomkrieges."

Experten schätzen heute, dass die Gefahr eines Atomkrieges so groß ist wie zu Zeiten des Kalten Krieges und weiter zunimmt.

In den letzten Jahren wurden hart erkämpfte Verträge zur Abschaffung und Kontrolle von Atomwaffen aufgekündigt. Alle neun nuklear bewaffneten Staaten tätigen schwindelerregende langfristige Investitionen in neue, immer ausgefeiltere und potenziell zerstörerischere Atomwaffen.

Zunehmende bewaffnete Konflikte in einer vom Klimawandel bedrohten Welt erhöhen die Gefahr eines Atomkrieges, ebenso wie die Anfälligkeit nuklearer Kommando- und Kontrollsysteme für Cyberattacken. Aus der Klimaforschung wissen wir, dass selbst ein begrenzter Atomkrieg, bei dem weniger als 2 % des globalen Atomwaffenarsenals zum Einsatz kämen, Millionen Tonnen Rauch aus brennenden Städten hoch in die Atmosphäre schleudern und sich weltweit ausbreiten würde, was die Erde schlagartig auf eiszeitliche Temperaturen abkühlen und eine globale nukleare Hungersnot verursachen würde, die Milliarden von Menschen mit dem Tod bedrohen würde.

Die TPNW ist ein wichtiges Gegenmittel und unser bester Weg in die Zukunft. Der Vertrag sieht nicht nur ein umfassendes und kategorisches Verbot von Atomwaffen vor, er bietet auch den ersten international vereinbarten Rahmen für einen Prozess, durch den alle Nationen, mit und ohne Atomwaffen, ihre rechtliche Verpflichtung zur Abschaffung von Atomwaffen erfüllen können.


Darüber hinaus verpflichtet der TPNW die Mitgliedsstaaten dazu, den Opfern des Einsatzes und der Tests von Atomwaffen lange vernachlässigte Hilfe zu leisten und eine Sanierung der durch den Einsatz und die Tests von Atomwaffen kontaminierten Umwelt vorzunehmen. Staaten, die noch nicht bereit sind, dem Vertrag beizutreten, sollten bei dieser überfälligen humanitären Arbeit mitarbeiten.

Die Klimakrise und die COVID-19-Pandemie haben die dringende Notwendigkeit einer rechtzeitigen internationalen Zusammenarbeit auf der Grundlage von wissenschaftlichen Beweisen und Expertenwarnungen deutlich gemacht, um die Gesundheit und Sicherheit der Menschen zu schützen. Nuklearwaffen sind von Menschen gemacht, daher liegt die Lösung der Bedrohung ganz in unserer Hand.

Atomwaffen zu beenden, bevor sie die Menschheit und viele andere Lebensformen auslöschen, ist ein dringendes gesundheitliches und humanitäres Gebot. Der Vertrag ist ein entscheidender Schritt zur Abschaffung von Atomwaffen und ein planetarisches Gesundheitsgut von höchstem Rang. Wir fordern alle Nationen auf, die Chance, die der Vertrag bietet, zu ergreifen und ihn zu unterzeichnen, zu ratifizieren und gewissenhaft umzusetzen.

 

*Organisationen:


  • Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) ist eine unparteiische, neutrale und unabhängige Organisation, deren ausschließlich humanitäre Aufgabe es ist, das Leben und die Würde der Opfer von bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen zu schützen und ihnen Hilfe zu leisten. Das IKRK ist außerdem bestrebt, Leid zu verhindern, indem es das humanitäre Recht und die universellen humanitären Grundsätze fördert und stärkt. Das IKRK wurde 1863 gegründet und ist der Ursprung der Genfer Konventionen und der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Es leitet und koordiniert die internationalen Aktivitäten der Bewegung in bewaffneten Konflikten und anderen Situationen der Gewalt.

  • International Council of Nurses (ICN) ist die internationale Föderation der Krankenpflegeorganisationen, die nationale Krankenpflegeverbände in 130 Ländern vertritt.

  • International Federation of Medical Student Associations (IFMSA) - die internationale Organisation, die 1,3 Millionen Medizinstudenten aus 133 Verbänden in 123 Ländern umfasst.

  • International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) - ist ein Zusammenschluss von medizinischen Fachorganisationen in 63 Ländern, die sich für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzen (Friedensnobelpreis 1985).

  • World Federation of Public Health Associations (WFPHA) - ist eine internationale Föderation von 130 nationalen und regionalen Verbänden des öffentlichen Gesundheitswesens, die weltweit 5 Millionen Fachleute des öffentlichen Gesundheitswesens vertreten. WFPHA ist die einzige weltweite Fachgesellschaft, die das breite Feld des öffentlichen Gesundheitswesens international vertritt und bedient.

  • World Medical Association (WMA) - ist eine internationale Organisation, die Ärzte vertritt, mit 115 nationalen Mitgliedsorganisationen und Tausenden von assoziierten Mitgliedern weltweit.

 

Kontakt:

Xanthe Hall (IPPNW), xanthe@ippnw.de, Tel. 030 - 69807412

Lara-Marie Krauße (IPPNW), krausse@ippnw.de,Tel. 030 - 69807415

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