IPPNW-Presseinfo 1. April 2009

US-Atomwaffen aus Europa abziehen!

G20-Gipfel: Treffen der Präsidenten Obama und Medwedew

01.04.2009 Die IPPNW appelliert an Präsident Barack Obama, den Vorschlag des russischen Vize-Premierministers Sergei Iwanow aufzugreifen und die Stationierung von Atomwaffen im Ausland zu unterlassen. Der Abzug der letzten 200 US-Atomwaffen aus Europa wäre ein erster Abrüstungsschritt und würde den weiteren Verhandlungen zum Erfolg verhelfen, so die Ärzteorganisation. "Wenn Obama die Atomwaffen nur zur Abschreckung will, dann braucht er keine Atomwaffen, mit denen er Krieg führen kann. Das heißt: Atomwaffen mit kurzer Reichweite müssen abgeschafft werden", sagt Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der IPPNW.

Dieser Vorschlag ist auch in den USA bereits hoffähig, wie das Editorial der New York Times vom 24. März 2009 zeigt. Der Autor schlägt vor, dass Präsident Obama die in Europa stationierten US-Kurzstrecken-Atomwaffen zerstören sollte. Das würde es einfacher machen, Russland zu drängen, sein Arsenal von mindestens 3.000 Kurzstreckenatomwaffen abzurüsten.(1)

Die Vorsitzende der IPPNW, Dr. Angelika Claußen, appelliert an Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier, ein Signal zu setzen und Obama aufzufordern, die 20 US-Atombomben aus Büchel abzuziehen: "Von uns in Auftrag gegebene Forsa-Umfragen haben gezeigt, dass die deutsche Bevölkerung hinter Ihnen stehen würde". Die Atombomben in Büchel werden im Rahmen der "nuklearen NATO-Teilhabe" mit deutschen Tornados von deutschen Soldaten geflogen und können im Ernstfall eingesetzt werden. Die USA sind das einzige Land, das Atomwaffen in verbündeten Ländern stationiert.

Letzte Woche hatte Vizeadmiral Oleg Burtsev, stellvertretender Leiter der russischen Marine, erklärt, dass taktische Atomwaffen auf U-Booten künftig eine Schlüsselrolle spielen würden und dass Russland Atomsprengköpfe mit niedriger Sprengkraft auf bestehende Marschflugkörper montieren könne. Diese Drohungen spiegeln die Entwicklung in den USA und Großbritannien wieder, wo atomare und konventionelle Sprengköpfe an Trägersystemen beliebig ausgetauscht werden und Atomwaffen mit niedriger Sprengkraft "sub-strategische" Ziele treffen sollen. Beide Entwicklungen deuten auf Bestrebungen, Krieg mit Atomwaffen zu führen, statt abzuschrecken.

Experten(2)schätzen, dass Russland noch über 7.000 taktische Atomwaffen besitzt, davon sind jedoch nur ca. 2.000 tatsächlich funktionsfähig und stationiert. Außer den 200 in fünf europäischen Ländern stationierten Atombomben verfügen die USA über ca. 300 aktive und 700 inaktive taktische Atomwaffen. Die Definition der Begriffe "taktisch" und "strategisch" ist jedoch strittig. Die Russen bezeichnen die Atombomben in Europa trotz kurzer Reichweite als strategisch, da sie von strategischer Bedeutung seien.

Die IPPNW schlägt zur Lösung des Atomwaffenstreits neben den kleinen Schritten die Verabschiedung einer Atomwaffenkonvention vor. Das Modelldokument wurde von der UNO bereits als offizielles Dokument anerkannt und hat die Unterstützung von UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon.


Fußnoten:
(1) Editorial New York Times, 24. März 2009, www.nytimes.com/2009/03/25/opinion/25wed1.html
(2) Hans Kristensen und Robert Norris, Schätzung in der nächsten Ausgabe von Nuclear Notebook im Bulletin of Atomic Scientists

Kontakt: Xanthe Hall, Tel. 030-69807412, Mobil: 0171-435 8404, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin

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Xanthe Hall

Abrüstungsreferentin
Expertin in Fragen zu Atomwaffen
Tel. 030 / 698074 - 12
Mobil 0171 / 435 84 04
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Inga Blum, IPPNW-Vorstand. Foto: Inga Blum

Dr. Inga Blum
Zuständig für Atomwaffenfragen im Vorstand
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