Bericht

Die Welt als medizinischer Notfall

Pressekonferenz in New York

New York - Abolition Now, die globale Kampagne für die Abschaffung aller Atomwaffen, war Gastgeber einer Pressekonferenz heute mit Helen Caldicott (Nuclear Policy Research Insititute), Daniel Ellsberg (Nuclear Age Peace Foundation) und Tina Keim (NPT Youth Action). Helen Caldicott, die eine Kinderärztin und Mitbegründerin der US-amerikanische Sektion der IPPNW ist, beschreibt die Welt als einen "medizinischen Notfall".

Die Gefahr der Weltzerstörung existiere nach wie vor, da die russischen und amerikanischen Atomwaffen noch im Höchstalarmbereitschaft gehalten werden. Der Fall Nordkorea sei eine Ablenkung. Es seien die USA und Russland, die 95% der Atomwaffen besitzen. Auch Atomenergie war für sie Thema: es sei ein Mythos, dass Atomenergie die Lösung für Klimaveränderung sein sollte. Atomenergie emmitiert ebenso wie fossile Energiegewinnung Kohlendioxid und CFC-Emissionen aus. Auch wenn ein Atomprogramm unter dem NVV vom Iran rechtmäßig betrieben werden kann, sei es wegen der Gesundheitsfolgen von einer medizinischen Sichtpunkt falsch.

Die Schülerin Tina Keim aus Schwäbischen Gmünd wird heute Nachmittag vor den Delegierten eine Rede halten, die von Jugendlichen weltweit über die letzten Monaten geschrieben wurde. Die Hauptaussage: sie sind nicht bereit in einer Welt zu leben, die mit Atomwaffen bis oben hin gefüllt ist. Der Jugend will die Diplomaten und Staaten erinnern, dass sie Verpflichtungen eingegangen sind, die erfüllt werden müssen. Junge Menschen sind bereit, eine Welt ohne Atomwaffen zu erreichen und daraufhin zu arbeiten.

Dan Ellsberg redete über das Beispiel für die Welt von Mordechai Vanunu, der 1986 die Öffentlichkeit über israelische Atomwaffen informierte. Ellsberg selbst hatte noch im Pentagon in den 60er Jahren unter Robert McNamara den Atomkrieg geplant, und bedauert nun, kein Beispiel wie Vanunu zur Ermutigung sich an die Öffentlichkeit zu wenden, gehabt zu haben. Die USA spiele eine negative Rolle bei dieser Konferenz, weil keine US-Regierung jemals für eine Sekunde die Abschaffung aller Atomwaffen als Ziel hatte. 1965 habe es ein Komitee gegeben (Gilpatrick Committee on Non-Proliferation), das sagte: um die Verbreitung der Atomwaffen zu verhindern, müßten die USA selbst Begrenzungen annehmen - z.B. Nichtersteinsatz, massive Reduzierungen in der Arsenal, keine Herstellung von atomwaffenfähigen Stoffen, ein Testverbot usw. Dennoch wollten und wollen die USA nicht begrenzt werden und seien daher bereit, eine nukleare Anarchie im Kauf zu nehmen.

Xanthe Hall, New York

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Xanthe Hall

Abrüstungsreferentin
Expertin in Fragen zu Atomwaffen
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