Bericht

Den Schleier lüften

Konferenz der NGOs

New York - Der Auftakt der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag stand ganz im Zeichen der Nicht-Regierungsorganisationen. Unter dem Titel "Lifting the shadow" fand vor Vertretern von 450 NGOs die Auftaktkonferenz des umfangreichen Veranstaltungsprogramms der Nichtregierungs-organisationen an der Universität New York statt. Vertreter aus Wissenschaft, Kunst, Kirchen und Friedensgruppen riefen zu einem neuen Aufbruch zu atomare Abrüstung auf. Ebenfalls anwesend war eine 50-köpfige Delegation Hiroshima-Überlebender.

Christopher Weeramantry, ehemaliger Richter am International Court of Justice erinnerte daran, dass der Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig wäre. "In den grossen Weltreligionen finden sich jahrtausende alte Traditionen, die den Einsatz grausamer Waffen verbieten." Er zitierte Erklärungen der US-Regierung im Zweiten Weltkrieg, die den japanischen Einsatz von Waffen gegen die chinesische Zivilbevölkerung scharf verurteilten.

Paul Schoomac, preisgekrönter Fotoreporter, stellte sein 12-jähriges Foto-Projekt "Face to face with the bomb" vor, in dem er militärische Einrichtungen der USA und den soldatischen Alltag mit der Bombe dokumentierte. Ziel seiner Arbeit sei es, die Bombe zu demystifizieren, um sie als reale Bedrohung zu erkennen. "Wir können uns nicht darauf zurückziehen, sie ist nicht unsere Erde, sie gehört uns allen. Wir sind für unsere Regierungen verantwortlich."

John Burroughs, Mitorganisator, stellte klar, dass ohne einen Ausgleich von Rüstungskontrolle und Atomrüstungsschritten beim NPT kein Fortschritt möglich sei. Er bewertete die ausführliche Berichterstattung über die Demonstration von 40.000 Menschen in New York als positives Signal unmittelbar vor den anstehenden schwierigen Vertragsverhandlungen.

Absolute Dringlichkeit zu handeln, sah Helen Caldicott, Gründungsmitglied der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Mehr als 5.000 Atomwaffen seien in höchster Alarmbereitschaft. In jedem Moment der New Yorker Vertragsverhandlungen seien mindestens 40 russische Atomwaffen auf New York gerichtet. Caldicott sorgt sich vor allem um Sicherheitsdefizite in russischen Atomanlagen. "Stellen Sie sich vor, Terrorgruppen verschaffen sich Zugang zu russischen Kommandozentralen. Europäische oder US-Städte wären innerhalb weniger Minuten für immer verschwunden."

Der weltberühmte Harvard-Psychiater und Gründungsmitglied der IPPNW Robert Jay Lifton, kritisierte das Schweigen und den Unwillen der amerikanischen Öffentlichkeit, sich mit den Atombombenabwürfen und den Folgen kritisch auseinanderzusetzen. Er sieht darin einen der Gründe für die Kritiklosigkeit, mit der die atomare Hochrüstung fortgesetzt wird. Seine Schlussfolgerung war dennoch hoffnungsvoll: "The dark eyes starts to see".

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Ansprechpartner*innen


Xanthe Hall

Abrüstungsreferentin
Expertin in Fragen zu Atomwaffen
Tel. 030 / 698074 - 12
Mobil 0177 / 475 71 94
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