IPPNW-Pressemitteilung vom 26. Oktober 2021

Deutschland könnte Atomenergie als nachhaltig einstufen

Sondergipfel der EU-Energieminister

Anlässlich des Sondergipfels am 26. Oktober 2021 der EU-Energieminister, warnt die Internationale Ärzt*innenorganisation für die Verhütung des Atomkriegs vor einer erneuten Erstarkung der Atomenergie. Nachdem Angela Merkel die Haltung Deutschlands in Bezug die EU-Taxonomie offenbar revidiert hatte, kündigte EU-Präsidentin Ursula von der Leyen am 22. Oktober eine politische Kehrtwende an. Als Folge könnte Atomenergie nun als nachhaltiger Energieträger in die EU-Taxonomie aufgenommen werden.

„Frau von der Leyen argumentiert, dass Atomenergie und Erdgas kostengünstige Brückentechnologien darstellen würden. Doch das Gegenteil ist der Fall: diese Technologien in die Taxonomie aufzunehmen, würde eine von der EU gebilligte Fehlinvestition darstellen. Wichtige finanzielle Ressourcen würden wider besseres Wissen in veraltete Industriezweige gesteckt werden, anstatt eine Energiewende hin zu 100% erneuerbaren voranzutreiben. Zu Lasten des Gemeinwohls würde sich dadurch der Ausbau der erneuerbaren Energien verschleppen. Ein finanzielles Nachhaltigkeitslabel für Atomenergie und Erdgas wäre damit eine Farce“, unterstreicht Dr. med. Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW.

Hauptgrund für das Festhalten der EU-Kommission an der Atomenergie, ist laut Claußen der Druck, den Frankreichs Präsident Emanuel Macron auf andere EU-Länder aufbaut. Als Atomwaffenstaat ist Frankreich daran gelegen weiterhin günstig Investitionen in der Atomenergie tätigen zu können. Zivile und militärische Interessen sind hier eng verwoben. Für den Bau und die Modernisierung des Atomwaffenarsenals sowie dessen U-Boot und Flugzeugträgerflotte ist eine moderne, funktionierende Nuklearwirtschaft erforderlich.

Das zeigten auch die neusten Forderungen von Präsident Macron: Eine Milliarden Euro soll Frankreich in kleine Modulare Reaktoren investieren. Diese eignen sich vorrangig für nukleare U-Boot-Antriebe und für eine netzunabhängige Stromversorgung entlegener stationärer Militärstützpunkte. Nukleare U-Boot-Antriebe sind in der Logik der Militärs zwingend, um die weltweite Zweitschlagfähigkeit der Atommächte zu sichern. Nur ein solcher Antrieb erlaube es U-Booten, die mit Atomraketen bestückt sind, unsichtbar und damit unangreifbar durch die Weltmeere zu kreuzen. Ähnliche Entwicklungen streben auch die anderen Atommächte USA, Großbritannien, Russland und China an.

„Es wird Zeit, dass die Anti-Atom-Bewegung in Europa gemeinsam mit der Friedensbewegung gegen Atomenergie und Atomwaffen protestiert. Atomenergie und Atomwaffen gehören zusammen. In Glasgow, bei der Klimakonferenz COP 26 wird die Friedensbewegung und die Klimabewegung Seite an Seite protestieren“, so Claußen. Atomenergie dürfe unter keinen Umständen als nachhaltiger Energieträger eingestuft werden.

Am 04. und 06. November sind Protestaktionen seitens der Friedensbewegung im Rahmen der Klimakonferenz in Glasgow geplant. Die IPPNW wird mit zwei Vertreter*innen vor Ort sein. Gerne stehen wir live für Interviewanfragen und Hintergrundinformationen zur Verfügung.

 

Weitere Informationen zum Zusammenhang zwischen Atomenergie und Atomwaffen: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/IPPNW-Information_Zivil-militaerische-Nutzung_2019.pdf

Statement der IPPNW anlässlich der COP26 zu Atomwaffen und Atomenergie:
peaceandhealthblog.com/2021/10/19/nuclear-power-has-no-place-in-a-healthy-sustainable-future/

 

Kontakt:

Lara-Marie Krauße (IPPNW), Tel. 030 / 69 80 74 15, Email: krausse@ippnw.de

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Abrüstungsreferentin
Expertin in Fragen zu Atomwaffen
Tel. 030 / 698074 - 12
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Inga Blum, IPPNW-Vorstand. Foto: Inga Blum

Dr. Inga Blum
Zuständig für Atomwaffenfragen im Vorstand
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