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IPPNW-Pressemitteilung vom 14. Dezember 2020

IPPNW: Überalterte Atomkraftwerke gefährden Sicherheit und Gesundheit

EU-Energieminister*innen zur europäischen Energiepolitik

Angesichts der heutigen Videokonferenz der EU–Energieminister*innen appelliert die Ärzt*innenorganisation IPPNW an alle EU-Staaten, umfassend und gemeinsam in den Ausbau von erneuerbaren Energien zu investieren und überalterte Atomkraftwerke abzuschalten. Orientierendes Ziel für alle EU-Staaten muss sein, das 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens in verbindliche nationale Ziele umzusetzen. Eine sogenannte „nukleare Wasserstoffstrategie“ lehnt die IPPNW ab. Bei dieser soll der Strom für die Produktion von Wasserstoff aus Atommeilern erzeugt werden, die nach dem  aktuellsten Stand von Wissenschaft und Technik abgestellt werden müssten.

Atomkraft ist teuer, gefährlich und für die Klimarettung irrelevant. Das haben zahlreiche Studien nachgewiesen.  Um nachhaltig und klimaneutral zu sein, muss Wasserstoff daher aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. „Für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Europa können und müssen die EU-Länder innerhalb eines verbindlichen Zeitraums gleichzeitig aus Kohle und Atom aussteigen“, betont Dr. med. Angelika Claußen, Europavorsitzende der IPPNW.

Ein besonderes Problem stellen die  vielen alternden Atomkraftwerke in den EU-Staaten dar: Sie gefährden Gesundheit und Leben der Bürger*innen. Atomkraftwerke altern wie jede Technik. Es kommt zu  Versprödungen, Wanddickenschwächungen und  Korrosionsprozessen - besonders im Reaktordruckbehälter. Gegenmaßnahmen sind begrenzt. Dadurch wächst die Gefahr eines schweren Reaktorunfalls – der mit der Freisetzung von radioaktiven Substanzen die Ländergrenzen in Europa schnell überschreiten könnte.

Quelle: Oda Becker, Nuclear Energy Conference 2019, 08.Mai 2019, Linz

 

Circa 90 Prozent aller europäischen Reaktoren sind bereits älter als 30 Jahre. 17 Atomkraftwerke in Europa sind älter als 40 Jahre – dem Alter, für das sie ursprünglich gebaut wurden. Laut dem Atomphysiker und Juristen Wolfgang Renneberg ist die Sicherheit eines Atomkraftwerks spätestens nach 40 Jahren Laufzeit nicht mehr gewährleistet: Die alten Sicherheitskonzepte können dann dem aktuellsten Stand von Wissenschaft und Technik nicht mehr standhalten. Die ursprüngliche Betriebs-genehmigung hat damit ihre Legitimation verloren.  Wegen der Vielzahl und der Komplexität der Alterungsprobleme müsste jedes 40 Jahre alte Atomkraftwerk stillgelegt werden. International verbindliche Regeln fehlen bisher. Das öffnet dem politischen Lobby-Druck der AKW-Betreiber Tür und Tor.  Bisher existiert keine europäische Kontrollinstanz.

Atomtechnologie ist die Grundlage für Atomwaffen. Atomwaffenprogramme wären ohne die zivile Nutzung der Atomenergie weder finanzier- noch realisierbar. Selbst der französische Präsident sagt offen, dass es ohne zivile Atomnutzung keine militärische Nutzung gäbe; ebenso ohne militärische Nutzung auch keine zivile Nutzung.

 

Kontakt:
Lara-Marie Krauße, krausse@ippnw.de, Tel. 030 - 69807415
Angelika Wilmen, wilmen@ippnw.de, Tel. 030 - 69807413

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Ansprechpartner



Paul-Marie Manière
Referent Atomausstieg, Energiewende und Klima
Tel.
030 698074-20
E-Mail: maniere[AT]ippnw.de

Ewald Feige
Vertretung Atomausstieg, Energiewende und Klima
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