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Aus dem Atomenergie-Newsletter

Atomenergie – der Treibstoff für die Bombe

14.09.2019 Betrachtet man die aktuelle Situation der weltweiten Atomindustrie, so fällt auf, dass es vor allem Atomwaffenstaaten sind, die aktuell noch in Atomenergie investieren: In China gingen in den Jahren 2017 und 2018 die meisten neugebauten Reaktoren ans Netz. Weitere AKW-Neubauten finden sich aktuell in Russland, Indien, Pakistan, Frankreich, Großbritannien und den USA – allesamt Atomwaffenstaaten. Russland baut, finanziert und betreibt zudem Atomkraftwerke in Weißrussland, Bangladesch, der Türkei und Ungarn, während Frankreich ein neues AKW in Finnland bauen lässt.

Wenn zivile und militärische Nutzung von Atomtechnologie wirklich so klar von einander getrennt werden könnten, würde man erwarten, dass auch Staaten ohne Atomwaffenprogramme substantielle zivile Atomenergieprogramme betreiben würden. Und tatsächlich findet man diese beispielsweise in Japan, Südkorea, Kanada, Schweden, Deutschland, Belgien, Taiwan oder der Schweiz. Allerdings haben diese Länder in der Vergangenheit selbst militärische Atomprogramme betrieben (wie z.B. Schweden, Taiwan oder die Schweiz), sich die Option auf eigene Atomwaffen offen gehalten (wie z.B. Deutschland, Südkorea oder Japan) oder sind unter der nuklearen Teilhabe der NATO de-facto Atomwaffenstaaten und eng mit der Atomindustrie der anderen NATO-Staaten verwoben (wie z.B. Belgien).

Von 25 Staaten, die derzeit Atomreaktoren bauen oder dies offiziell vorhaben, besitzen 23 entweder Atomwaffen, besaßen diese oder haben ein Interesse an deren Entwicklung gezeigt. Lediglich Finnland und Ungarn hatten keine nachweisbaren Ambitionen zum Bau von Atomwaffen und investieren dennoch in zivile Atomenergie, während nuklear ambitionierte Staaten wie Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei oder der Iran immer wieder im Verdacht stehen, zivile Atomprogramme nur mit dem Ziel zu verfolgen, sich den Griff auf die Bombe zu ermöglichen.

Eine neue Informationsbroschüre der IPPNW untersucht die wechselseitigen Abhängigkeiten der zivilen und militärischen Atomindustrie. Der Bau der neuen Europäischen Druckwasserreaktoren, die Propagierung von sogenannten “small modular reactors”, die erhöhte Anreicherung von Uran und die Förderung der zivilen Atomenergie entgegen volkswirtschaftlicher Interessen – das alles sind Themen in der neuen IPPNW Publikation “Atomenergie – der Treibstoff für die Bombe“. 

Von Dr. Alex Rosen

 

 

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