Pressemitteilung vom 25.04.2001

Bereits 75.000 Bürger, 300 Professoren, vier ehemalige Bundesminister, zahlreiche Prominente und Unternehmen fordern volle Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke

Studie: Über 300 Neugeborene in Deutschland in Folge von Tschernobyl gestorben

Berlin-  Anläßlich des 15. Jahrestages von Tschernobyl können die Ärzteorganisation IPPNW und der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) eine breite gesellschaftliche Unterstützung ihrer seit einem Jahr laufenden Unterschriftenaktion mit der Forderung nach einer "sofortigen vollen Haftpflichtversicherung für die deutschen Atomkraftwerke" präsentieren. Gleichzeitig stellt Dr. Alfred Körblein vom Umweltinstitut München in Berlin eine Studie über die Auswirkungen von Tschernobyl auf die Säuglingssterblichkeit in Deutschland vor.

Danach starben in Deutschland im Jahre 1987 vermutlich mehr als 300 Neugeborene in Folge von Tschernobyl. Laut Körbleins Studie sind 1987 fünf Prozent mehr Neugeborene gestorben als jährlich üblich. Diese erhöhte Sterblichkeit steht in hochsignifikantem Zusammenhang mit der Belastung werdender Mütter durch radioaktives Cäsium nach dem Supergau. Daten der Säuglingssterblichkeit aus Polen und Kiew bestätigen die deutschen Befunde.

"Eine schwere Atomkatastrophe ist auch in Deutschland jederzeit möglich", so Dr. Ellis Huber vom Vorstand der Ärzteorganisation IPPNW. Nach Zahlen der offiziellen 'Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke' liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU allein aufgrund technischen Versagens bei 2%. Die finanziellen Schäden würden sich laut Prognos AG auf 5.000 bis 12.000 Milliarden DM belaufen. Doch aufgrund der völlig unzureichenden Haftpflichtversicherung für die deutschen Atomkraftwerke könnte nach einem Super-GAU niemand in Deutschland für die gesundheitlichen Schäden sowie für den Verlust von Hab und Gut, Arbeitsplatz, Grund und Boden, Immobilien und Produktionsmittel entschädigt werden.

Das ist Grund genug, dass bereits 75.000 Bürgerinnen und Bürger den Aufruf für eine volle Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke unterzeichnet haben. Die seit einem Jahr laufende Unterschriftenaktion wird von viel Prominenz unterstützt. Siegfried Lenz, Martin Walser, Senta Berger, Martin Lüttge, Hans W. Geißendörfer und Hanns Dieter Hüsch sind nur einige der klangvollen Namen der Unterstützer aus dem Bereich Kunst, Kultur, Medien und Sport.

Auf dem neuen Kampagnenplakat sind die Kabarettisten Dieter Hildebrand und Gerhard Polt, Professor Dr. Ulrich Beck sowie die Umweltminsterin Bärbel Höhn abgebildet. Über 300 Professorinnen und Professoren haben bereits den Aufruf unterzeichnet. Knapp 30 Richter schlossen sich der Aktion an. Mit Norbert Blüm, Egon Bahr, Erhard Eppler und Oskar Lafontaine stellen sich vier ehemalige Bundesminister offen hinter die berechtigte Forderung.

Die Unterstützung durch über fünf Dutzend Unternehmen, darunter zahlreiche Großhotels, zeigt, dass auch in der Privatwirtschaft das Verständnis für die Privilegien der Atomwirtschaft nicht allzu groß ist. "Die Atomstromproduktion in Deutschland wird massiv mit versteckten Subventionen gestützt: Brennelemente werden nicht besteuert und die Atomkraftwerke sind bei weitem nicht ausreichend versichert", kritisiert Prof. Dr. Klaus Traube vom Umweltverband BUND.

Während jedes Auto ohne ausreichende Haftpflichtversicherung stillgelegt wird, können die Atomkraftwerke trotz massiver Unterversicherung betrieben werden. Lediglich 500 Millionen Mark stehen im Schadensfall zur Verfügung. Selbst wenn die im Atomgesetz vorgeschriebene Deckungssumme nun auf 5 Milliarden Mark erhöht wird, könnte damit nur ein winziger Bruchteil der Schäden gedeckt werden, die ein SuperGau verursachen kann. Wenn die Atomkraft ihre wahren Kosten tragen müsste, wäre sie ganz und gar unrentabel und längst vom Energiemarkt verschwunden."

Rückfragen an: Ute Watermann, kontakt@ippnw.de (Sprecherin der IPPNW),
Henrik Paulitz, Tel. 0171-53 888 22 (Leiter Unterschriftenaktion),
Alle Prominenten und weitere Informationen: www.atomhaftpflicht.de

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