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Pressemitteilung vom 15.12.2000

200 Professoren und drei ehemalige Bundesminister fordern volle Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke

Tschernobyl-Stillegung und 13 Jahre Biblis-Störfall

Berlin/Heidelberg-  Heute wird der letzte Block des Atomkraftwerks Tschernobyl endgültig stillgelegt. Am morgigen Samstag jährt sich der schwere Störfall im deutschen Atomkraftwerksblock Biblis A zum 13. Mal. Die enormen Risiken der Atomenergie nehmen drei ehemalige Bundesminister, über 200 Professorinnen und Professoren, über fünf Dutzend Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Prominente aus Kunst, Kultur, Medien und Sport zum Anlaß, die Forderung nach einer vollen Haftpflichtversicherung für die deutschen Atomkraftwerke zu fordern.

Eine schadhafte Armatur im Atomkraftwerk Biblis-A brachte Mitteleuropa am 16. Dezember 1987, acht Tage vor Weihnachten, an den Rand einer nuklearen Katastrophe. Der Störfall wurde von der Reaktorsicherheitskommission als so brisant eingestuft, daß die Siemens-Reaktoren klammheimlich nachgerüstet und die Betriebshandbücher umgeschrieben werden mußten. Wieder einmal wurde durch einen Störfall "eine generelle Schwachstelle in unseren Betriebsvorschriften und im Reaktor-Schutzsystem" gefunden, wie es damals von offizieller Seite hieß.

Der damalige Kraftwerksdirektor des RWE-Meilers führte den Störfall auf den "allgemeinen Trubel im Anfahrbetrieb des Reaktors" zurück. Ein Super-GAU tritt in einem der in Deutschland laufenden Atomkraftwerke nach offiziellen Studien mit einer Wahrscheinlichkeit von 2% ein. Die finanziellen Schäden würden sich laut Prognos AG auf 5.000 bis 12.000 Milliarden DM belaufen. Doch niemand in Deutschland würde für den Verlust von Hab und Gut, Arbeitsplatz, Grund und Boden, Immobilien und Produktionsmittel entschädigt werden.

Denn: Der Versicherungspool der Atomkraftwerke deckt weniger als 0,1% der erwarteten Schäden ab. Selbst dann, wenn die Deckungssumme tatsächlich auf 5 Milliarden DM angehoben werden sollte, wie es im Atomkonsens vereinbart wurde. Dass das nicht sein kann, leuchtete auch dem langjährigen Kabinettsmitglied der Regierung Kohl, dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, ein. Er unterzeichnete die Forderung an Bundestag und Bundesregierung, für den Betrieb von Atomkraftwerken unverzüglich eine Betriebshaftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung für alle Gesundheits-, Sach- und Vermögensschäden vorzuschreiben.

Auch die ehemaligen Bundesminister Oskar Lafontaine und Erhard Eppler unterstützen die Unterschriftenaktion der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), der Neuen Richtervereinigung, des Bund Naturschutz in Bayern und des BUND. Neben normalen Unterschriftenlisten läuft die Unterschriftenaktion zeitgemäß übers Internet. "Über die Homepage www.atomhaftpflicht.de bekommen wir etwa ein Drittel der Unterzeichner. Darunter auch viele, die beruflich mit den neuen Medien zu tun haben. Es zeigt sich, dass Softwareentwickler und IT-Manager für die Privilegien der Atomwirtschaft kein Verständnis haben", so die Erfahrung von IPPNW-Mitarbeiter Henrik Paulitz.

"In Heidelberg, umringt von sieben Atomkraftwerksblöcken, unterstützen allein sieben Hotels die Unterschriftenaktion. Ihre wertvollen Immobilien wären bei einem Super-GAU unwiederbringlich verloren." Zu den bislang gewonnenen 200 Professorinnen und Professoren zählen Prof. Dr. Ulrich Beck, Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, Prof. Dr. E.U. Simonis, Prof. Dr. Horst-Eberhard Richter und Prof. Dr. Horst Kuni. Auch der Schriftsteller Martin Walser, der ehemalige Tatort-Kommissar Martin Lüttge und die Kabarettisten Dieter Hildebrandt, Hanns Dieter Hüsch und Dietrich Kittner fordern einen Wechsel in der Atompolitik der Bundesregierung.

Rückfragen an: Henrik Paulitz, Tel. 0171-53 888 22, Infos: www.atomhaftpflicht.de

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Ansprechpartner

Patrick Schukalla
Patrick Schukalla
Referent Atomausstieg, Energiewende und Klima
Email: schukalla[at]ippnw.de

Materialen

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