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Erste Konkretisierung der Standortauswahl für ein atomares „Endlager“

06.01.2020 Seit zwei Jahren arbeitet die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) daran, erste Konkretisierungen bei der Standortauswahl für ein sogenanntes „Endlager“ für hochradioaktive Abfälle vornehmen zu können. Mit einem nun veröffentlichten „Methodenpapier Bohrungen“ soll ein erstes Ausschlusskriterium nach dem Standortauswahlgesetz (StandAG) anwendbar gemacht werden: Ehemalige Bergbaugebiete kommen als Standort für ein Atommülllager nicht Betracht.

Die Anwendung der Ausschlusskriterien ist der erste Schritt bei der Standortsuche für ein sogenanntes „Endlager“. Dabei werden die Gebiete beschreiben, in denen kein Endlager gebaut werden kann. So dürfen vorhandene, alte Bohrungen die Barrieren eines Endlagers, die den sicheren Einschluss gewährleisten, „in ihrer Einschlussfunktion nachweislich nicht beeinträchtigen“.

Bohrungen dienen typischerweise der geologischen Erkundung des Untergrundes, der Förderung von Rohstoffen, der Grundwassergewinnung, der Sanierung von Grundwasser- und Bodenkontaminationen, der Schaffung von Tiefenspeichern oder der Nutzung von Erdwärme.

 

Der Sicherheitsabstand

In dem „Methodenpapier Bohrungen“ wird erläutert, dass die BGE Bohrungen mit einem Sicherheitsabstand von 25 Metern rund um die Bohrung, also einem Durchmesser von 50 Metern ausschließen. Der Grund: Bohrungen verlaufen selten senkrecht nach unten. Es gibt eine gewisse Ungenauigkeit des Bohrpfades, selbst wenn die Bohrungen senkrecht angelegt waren. Teilweise werden Bohrungen aber auch abgelenkt und dann horizontal fortgeführt.

Wie stark das Gestein rund um eine Bohrung geschädigt wird, hängt aber nicht nur vom Verlauf ab, sondern auch vom Zweck der Bohrung. Wird lediglich gebohrt, um bei einer Erkundung eine klarere Vorstellung von der Geologie zu erhalten, wird nach den Erfahrungswerten vieler tausender Bohrungen zu urteilen lediglich ein Bereich von etwa einem Meter rund um die Bohrung geschädigt. Beim Fracking jedoch wird ein Sand-Chemikalien-Wasser-Gemisch in die Bohrung gepresst, so dass die Schädigung viel weiter reichen kann. 

 

Erste grobe Einschätzung

Der Sicherheitsabstand von 25 Metern ist laut BGE zunächst nur eine Annahme für eine „erste grobe Einschätzung der Untergrunddaten Deutschlands“.

Gebiete, in denen es Bohrungen gibt, können im weiteren Verfahren genauer untersucht werden, sofern die Bohrungen “nicht dazu geführt haben, dass ein potentieller Einlagerungsbereich geschädigt und die Barrierewirksamkeit des Wirtsgesteins beeinträchtigt wurde“.

Da solche Nachweise aber nur schwer zu erbringen sind, werden vermutlich alle Bohrungen, die in den endlagerrelevanten Bereich (>300 m Tiefe) hinein abgeteuft wurden, ausgeschlossen („Tiefbohrungen“). Weniger tiefe Bohrungen sind für die Standortsuche nicht relevant.

Es werden mehrere zehntausend Tiefbohrungen in Deutschland zu betrachten sein. Das demonstriert, mit welchem immensen Aufwand das Standortauswahlverfahren derzeit betrieben wird und dass alle mögliche Lösungen am Ende fragwürdig bleiben dürften.

Es muss bei der Standortsuche letztlich darum gehen, die am wenigsten gefährliche Option zu finden. Auch dürfen Bundesländer sich nicht durch die Definition von Ausschlusskriterien absichtlich "von der Karte" nehmen lassen.

 

 

Quellen:

 

 

 

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