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Pressemitteilung vom 2. April 2020

6. April: Zweiter Anlauf für neuen Uranmülltransport von Gronau?

Urananreicherer Urenco völlig uneinsichtig in Corona-Zeiten

Transportschiff Mikhail Dudin ist schon in Antwerpen

Regionale Anti-Atomkraft-Initiativen, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die Ärzteorganisation IPPNW befürchten, dass der Gronauer Urananreicherer Urenco für kommenden Montag, 6. April, einen zweiten Anlauf für einen neuen Uranmülltransport von der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau zur russischen Atomfabrik Novouralsk plant. Nachdem es diese Woche keinen Uranmülltransport gab, zeigten sich Urenco-Sprecher in mehreren Interviews völlig uneinsichtig angesichts der zusätzlichen Belastung für die Einsatzkräfte und Krankenhäuser. Das russische Transportschiff Mikhail Dudin befindet sich bereits im Hafen von Antwerpen.

NRW-Landesregierung duckt sich weg

Die Initiativen und Verbände rufen Urenco sowie die NRW-Landesregierung und das Bundesinnenministerium eindringlich auf, in den schwierigen Corona-Zeiten auf diese zusätzliche und vollkommen vermeidbare Belastung der Öffentlichkeit und Notfalldienste zu verzichten. Atommüll-Exporte dienen nicht der Energieversorgung und sind besonders in diesen Tagen eine verantwortungslose Luxus-Aktivität. Der für die Atomaufsicht zuständige NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) hat bislang keine von drei schriftlichen Anfragen des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen zu diesem Thema beantwortet.

Die Route für die Uranmüllzüge führte 2019 von Gronau über Steinfurt, Münster, Drensteinfurt, Hamm, den Kreis Unna, das Ruhrgebiet, Duisburg, Viersen, Mönchengladbach, Venlo und viele niederländische Orte bis zum Hafen Amsterdam. Verladungen sind aber auch in Antwerpen und Rotterdam möglich.

"Die Corona-Krise dehnt sich von Tag zu Tag aus – auch im Münsterland und in ganz NRW sind die Einsatzkräfte und Krankenhäuser voll ausgelastet. Die Bevölkerung wird weiterhin eindringlich aufgerufen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Es kann deshalb nicht sein, dass ausgerechnet jetzt ein Konzern wie Urenco mit seinen deutschen Anteilseignern RWE und EON mehrere Hundert Tonnen Atommüll auf die Reise schickt, dafür Polizeikräfte bindet und den örtlichen Feuerwehren und Krankenhäusern zusätzliche Vorsorgemaßnahmen aufbürdet. Die Menschen in Russland dürfen ohnehin nur sehr eingeschränkt protestieren, derzeit gelten auch dort strikte Ausgangsbeschränkungen. Urenco muss nun dringend öffentlich Verantwortung zeigen und den Transport verbindlich absagen", so Udo Buchholz vom örtlichen Arbeitskreis Umwelt Gronau.

Erste Proteste an den Bahnstrecken bereits angemeldet - Online-Petition gestartet

Bei den letzten Uranmülltransporten hatten AtomkraftgegnerInnen Ende 2019 zwei Uranmüllzüge zwischen Gronau und Münster mit Abseilaktionen für mehrere Stunden blockiert. Die Proteste richten sich auch gegen die häufigen Urantransporte mit LKW, die mit dem Betrieb der Gronauer Uranfabrik verbunden sind. Auch in Russland kam es in St. Petersburg, Moskau und sogar am Zielort in der abgeschotteten Atomstadt Novouralsk zu Protesten gegen die Uranmüllexporte.

Für den Fall, dass Urenco jetzt wider aller Vernunft doch den neuen Uranmülltransport startet, haben AtomkraftgegnerInnen im Münsterland bereits erste Protestaktionen entlang der Bahnstrecken angemeldet. Für diesen Fall wird auch ein Gang vor die Verwaltungsgerichte vorbereitet zur Durchsetzung von Corona-kompatiblen Protesten.

Mitte März hatte das Bundesinnenministerium einen für Anfang April geplanten Atommüll-Transport vom britischen Sellafield zum stillgelegten AKW Biblis in Hessen aufgrund der Corona-Gefahrensituation abgesagt.

Gegen den Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage Gronau richtet sich aktuell auch ein Ostermarsch-Appell, für den derzeit rund 20 Initiativen und Verbände mittels einer Online-Petition Unterschriften sammeln.

Unterschreiben Sie die Petition hier !

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / Ärzte in sozialer Verantwortung

Kontakt:
Udo Buchholz, AKU Gronau/BBU, Tel. 02562-23125, 0178-9050717
Matthias Eickhoff, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Tel. 0176-64699023

Weitere Infos:

www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.ippnw.de

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