Aus dem ATOM-Energie-Newsletter September 2016

Lücken im "Eiswall" von Fukushima

12.09.2016 Mit einem gefrorenen Erdwall („Eiswall“) versucht der Betreiber Tepcodes havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, das Grundwasser von der Anlage fernzuhalten und in den Ozean zu lenken, ohne dass es kontaminiert wird. Für das Projekt wurden bis Mai 2016 bereits 344 Millionen Euro (34,5 Mrd. Yen) an Steuergelder ausgegeben. Doch eine merkliche Entlastung scheint das Großvorhaben bislang nicht bewirkt zu haben – denn es gibt Lücken im Eiswall.

Wie Tepco mitteilte, kam es bereits am 1. September an einigen Stellen des Eiswalls zu einem ungewollten Anstieg der Temperatur über den Gefrierpunkt. Noch vor dem jüngsten Taifun „Lionrock“ war die Bodentemperatur südlich von Reaktor 4 von -5°Celsius auf +1,8°Celsius angestiegen. In einem Teilstück östlich von Reaktor 3 stieg die Temperatur von -1,5°Celsius über den Gefrierpunkt auf +1,4°Celsius.

Die Temperatur war an diesen Stellen bereits vor dem eindringenden Regenwasser aufgrund der Stürme höher als im übrigen Eiswall, so dass TepcoTepco nun fürchtet, die Barriere könnte in einzelnen Bereichen durch den verstärkten Grundwasserfluss geschmolzen sein. Die Niederschläge der jüngsten Taifune verursachten laut Tepco ein weiteres Anschmelzen des Eiswalls am Reaktorblock 1. Der Grundwasserspiegel  sei am 30. August aufgrund der Taifune in der Nähe der Küste vorübergehend von 35 auf 28 Zentimeter unter der Erdoberfläche angestiegen.

99 Prozent der 820 langen Strecke sind laut Tepco gefroren. Die Stellen mit Messwerten über dem Gefrierpunkt lägen jedoch in Bereichen mit hohen Grundwasserständen. An diesen Stellen dringt Grundwasser weiterhin in die Reaktorgebäude ein, wird kontaminiert und läuft aus dem beschädigten Reaktorgebäude zurück ins Grundwasser und ins offene Meer. 

Tepco möchte nun als Gegenmaßnahme ein chemisches Mittel in das Kühlsystem einspeisen, um den Gefrierungsprozess und die Aushärtung des Bodens zu beschleunigen. Wie schon das gesamte Eiswallprojekt stellt auch diese Maßnahme eine teure und in diesem Maßstab bislang nie erprobte Verzweiflungstat dar. Die Folgen der anhaltenden Atomkatastrophe in Fukushima werden die Ingenieure, Politiker und Menschen in Japan noch viele Jahrzehnte beschäftigen und dienen als abschreckendes Beispiel für die Unbeherrschbarkeit der Atomtechnologie – selbst in einem technisch so hoch entwickelten Land wie Japan. 

 

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