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Aktuelle Entwicklungen der Atomindustrie

AKW Oskarshamn-1, im Juni 2017 stillgelegt, By Pimvantend (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
21.09.2017

Der Bericht “The World Nuclear Industry Status Report 2017” liefert aktuelle Daten und Trends bei der Entwicklung der Atomindustrie. Die folgende Übersicht gibt einige der relevantesten Ergebnisse dieser Arbeit wieder.

Der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung liegt nahezu unverändert bei 10,5%. In 31 Ländern werden insgesamt 403 Atomkraftwerksblöcke betrieben.

70 Prozent des gesamten Atomstroms weltweit wird in nur fünf Ländern produziert: USA, Frankreich, China, Russland und Südkorea.

Seit Fukushima ist der Neubau von Atomkraftwerken weltweit rückläufig. Wurde im Jahr 2010 offiziell noch die Errichtung von 15 Anlagen begonnen, so waren es 2013 nur noch 10 und 2016 nur 3. Selbst in China, wo im vergangenen Jahrzehnt die meisten Neubaustellen zu verzeichnen waren, ist der AKW-Neubau deutlich zurückgegangen: 2010 wurden in China noch 10 Atomkraftwerksbauten begonnen. 2015 waren es 6 und im vergangenen Jahr sogar nur noch 2.

In den USA, in Russland, in Schweden und in Südkorea wurden 2016 und in der ersten Hälfte von 2017 einige Atomkraftwerke stillgelegt.

Offiziell sind zwar noch 53 Atomkraftwerke in Bau, wovon aber 37 Baustellen mit erheblichen Verzögerungen sind. Acht Anlagen befinden dich seit mehr als 10 Jahren in Bau, davon drei seit mehr als 30 Jahren. Selbst in China liegen 11 von 20 Baustellen nicht im Plan.

Bei den beiden Neubauprojekten Westeuropas, Olkiluoto-3 in Finnland und Flammanville-3 in Frankreich handelt es sich um Dauerbaustellen.

In Japan, wo nach Fukushima alle Atomkraftwerke vom Netz genommen worden waren, produzieren lediglich fünf Anlagen wieder Strom. Die Kosten der Atomkatastrophe werden offiziell auf 200 Milliarden Euro geschätzt. Eine andere Schätzung kommt auf bis zu 600 Milliarden Euro.

Nicht nur in Japan, auch in Frankreich, Argentinien, Indien, Taiwan und in der Schweiz sind einzelne Atomkraftwerke seit längerer Zeit nicht am Netz.

Das durchschnittliche Alter der in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke liegt inzwischen bei 29,3 Jahren. 64 Kraftwerksblöcke sind seit mehr als 41 Jahren in Betrieb. In den USA erhielten 84 der 99 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke Genehmigungen für ein Betriebsdauer von 60 Jahren. In Frankreich wurden hingegen Laufzeitverlängerungen von nur 10 Jahren gewährt. Der Anteil des Atomstroms soll in Frankreich von heute zwei Drittel bis 2025 auf nur noch die Hälfte der Stromerzeugung absinken.

Für die Atomkraftwerkshersteller sind die Zeiten schwierig. Der einst größte Atomkraftwerkshersteller Westinghouse (Toshiba-Tochter) ging in die Insolvenz. AREVA türmte in den vergangenen sechs Jahren 12,3 Milliarden US-Dollar Schulden an. Die französische Regierung half dem Atomkonzern mit einem 5,3-Milliarden Rettungsplan.

Von Henrik Paulitz

Foto: AKW Oskarshamn-1, im Juni 2017 stillgelegt, By Pimvantend (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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