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Ansprache von Prof. Dr. Ulrich Gottstein im Römer

Friedensflagge für den Römer

Mayors for Peace

Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister Feldmann,

unsere Frankfurter Regionalgruppe der „Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs-Ärzte in Sozialer Verantwortung- IPPNW“ dankt Ihnen sehr dafür, dass Sie uns heute zu dieser denkwürdigen Stunde empfangen. Wir möchten Ihnen  die Fahne der „Bürgermeister für den Frieden“, der “Mayors for Peace “ überreichen.

Wir wären dankbar, wenn die Stadt Frankfurt bei besonderen Anlässen die Fahne hissen würde. Das wäre z.B. der Jahrestag der Veröffentlichung des Rechtsgutachtens des Internationalen Gerichtshofs von 1996 über die Völkerrechtswidrigkeit der Androhung und des Einsatzes von Atomwaffen (am 8.Juli).  Oder es wäre der Hiroshima Tag am 6. August.  Zusammen mit den über 5.800 internationalen Mitglieds Städten in 158 Ländern würde Frankfurt in der Öffentlichkeit bezeugen: „Eine Tragödie wie in Hiroshima und Nagasaki darf sich niemals wiederholen! Wir fordern die Ächtung der Atomwaffen durch die Vereinten Nationen!

1981 rief der bekannte US-Kardiologe Prof.Bernard Lown (Boston) zur Gründung einer alle Blockgrenzen überschreitenden internationalen Ärzteorganisation auf. Diese müsse die Regierungen und die Bevölkerung  weltweit über die katastrophalen Folgen des nuklearen Wettrüstens und der bereits über 1.200 stattgefundenen Atombomben - Testexplosionen in den USA und der Sowjet Union aufklären.  Es müsse verkündet werden, dass es in einem Atomkrieg keine ärztliche Hilfe für die verbrannten und verstrahlten Opfer geben könne. 
Bereits 1985 erhielt unsere Ärzteorganisation IPPNW für diese Aufklärungsarbeit und unsere Appelle an die Welt den Friedensnobelpreis. Leider muss diese Arbeit weiter gehen, da immer noch über 17.000  Atombomben in nun 9 Atomwaffenstaaten gelagert sind, davon etwa 4.500 start- und abwurfbereit. Auch in Deutschland, auf dem Fliegerhorst Büchel, liegen immer noch etwa 20 Atombomben, was ein Skandal ist, nachdem der Deutsche Bundestag bereits vor 2 Jahren einstimmig ihren Abtransport gefordert hatte. Jede dieser Bomben hat eine viel stärkere Zerstörungskraft, als die von Hiroshima. Käme es zu einem Atomkrieg, würden nicht nur die Massentötungen und die Auslöschung von Städten und Ländern die Folge sein, sondern außerdem würde eine Abkühlung der Erdoberfläche zu einer verheerenden Hungersnot führen. Daher ist es notwendig, dass sich die Bürger weltweit mit der Forderung nach Ächtung aller Atomwaffen erheben, und hier liegt eine große Verantwortung der internationalen „Bürgermeister für den Frieden“.
Unsere Ärzteorganisation IPPNW arbeitet mit den Bürgermeistern für den Frieden eng zusammen. Wir sind in 63 Nationen mit über 30.000 Mitgliedern vertreten. Unsere deutsche Sektion hat 7.000 Mitglieder, wir in unserer Frankfurter IPPNW-Regionalgruppe 118. 

1982, nur ein Jahr nach der IPPNW-Gründung,  riefen die Oberbürgermeister von  Hiroshima und Nagasaki, anlässlich einer Sonderkonferenz der Vereinten Nationen, zur Gründung einer internationalen Oberbürgermeister Friedens-Organisation auf. Der OB von Hiroshima Takeshi Araki wurde der Weltpräsident. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die Stadtoberhäupter sollten sich weltweit für ein Verbot der Atomwaffenrüstung engagieren. Dazu äußerte  1984  die Stadt Frankfurt am Main ihre Zustimmung und trat wohl als eine der ersten deutschen Städte der Bürgermeister Organisation bei. 1989 sandte uns Herr OB Dr.Volker Hauff  zum 9. IPPNW-Weltkongress in Hiroshima eine bewegende Grußbotschaft, die mit den Worten endete “ Die Stadt Frankfurt am Main dankt Ihnen für Ihr dem Wohl der Menschen und einer friedvollen Zukunft zugewandtes Engagement. Die Stadt Frankfurt am Main steht und arbeitet an Ihrer Seite“.

Die Stadt Hannover hatte bereits mit Hiroshima eine Städtepartnerschaft und  mit dem neuen Präsidenten Tadatoshi Akiba ( 1999-2011) eine enge Zusammenarbeit. Daher ergab es sich, dass der damalige Oberbürgermeister von Hannover Dr.h.c. Herbert  Schmalstieg (1972-2006) zum Präsidenten der deutschen und zum Vizepräsidenten der Weltorganisation gewählt wurde. Seitdem vertritt die Stadt Hannover die mittlerweile über 400 deutschen Mitgliedstädte der „Bürgermeister für den Frieden“. Welche Bedeutung der Organisation und auch der deutschen Sektion zukommt, ist daraus ersichtlich, dass Herr Schmalstieg als erster deutscher Bürgermeister vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen sprechen durfte. Das war im Jahr 2005 und handelte von der „Vision 2020 “, einer Atomwaffen freien Welt.

Der jetzige Welt Präsident der „Mayors for Peace“ ist der neue OB von Hiroshima, Herr Kazumi Matsui. Er setzt sich mit großem Engagement dafür ein, dass die Städte und Gemeinden ihre Mitverantwortung für eine Welt ohne Atomwaffen erkennen und demonstrieren. Er begrüßte daher die Initiative der Deutschen Bürgermeister für den Frieden sehr, dass jedes Jahr am 8. Juli die großen Fahnen der Bürgermeister für den Frieden von den Rathäusern gehisst werden, da der 8. Juli der Jahrestag der Veröffentlichung des Rechtsgutachtens durch den Internationalen Gerichtshof 1996 ist. Auf Antrag der Vereinten Nationen hatte der Weltgerichtshof ein Rechtsgutachten erstellt und verkündet, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich völkerrechtswidrig sind. Präsident Kazumi Matsui  und der deutsche Vizepräsident, der Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok, sind große Förderer dieser Flaggenaktion. Im vergangenen Jahr hatten über 100 Städte am 8. Juli die Flaggen an ihren Rathäusern gehisst. 

Ich darf Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister sagen, dass Herr Oberbürgermeister Stefan Schostok sich sehr darüber freut, dass wir Ihnen heute die Fahne der „Oberbürgermeister für den Frieden“ überbringen dürfen, und dass er hofft, Sie werden sich auch selber für eine Welt ohne Atomwaffen engagieren.
Es wäre ein schönes Symbol, wenn die Stadt Frankfurt diese Friedensfahne der internationalen Bürgermeister sowohl  am 8.Juli, als auch am 6. August, dem Hiroshima Tag,  hissen würde. 

Die „Bürgermeister für den Frieden“  und die „Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs- IPPNW“ arbeiten eng  zusammen in der  „International Campaign to Abolish Nuclear weapons- ICAN“.

Die Vision  einer Welt ohne Atomwaffen bis 2020  möge Wirklichkeit werden!

Ich darf Ihnen jetzt eine Botschaft des Weltpräsidenten  der Bürgermeister für den Frieden verlesen, die gestern aus Hiroshima eingetroffen ist:

Wir dürfen Ihnen jetzt die Fahne mit nochmals vielem Dank überreichen.

Im Namen der Frankfurter IPPNW-Regionalgruppe,

Prof. Dr. med. Ulrich Gottstein,
IPPNW-Vizepräsident Europa emeritus, Ehrenvorstand der IPPNW-Deutschland

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