Wann: 6. August 2026, 19.00 Uhr
Wo: Seminarraum auf dem Ponton neben der Flussschifferkirche, Hohe Brücke 2, 20459 Hamburg
Mit Ute Rippel-Lau (IPPNW), Brigitte Drescher und Detlef Garbe
Im Gedenken an die Atombombenabwürfe 1945 laden Pazifik-Netzwerk und IPPNW zu einer Veranstaltung ein:
„Hiroshima und Nagasaki: Erinnerungskulturen in Japan“ mit Brigitte Drescher und Detlef Garbe
„Nukleare Aufrüstung und atomare Bedrohung“ mit Ute Rippel-Lau (IPPNW)
Brigitte Drescher und Detlef Garbe, die sich in früheren Jahren intensiv mit der Geschichte der Atombombenabwürfe 1945 beschäftigt haben und in diesem Frühjahr Japan bereisten, berichten, nach einem kurzen historischen Rückblick, über das heutige Opfergedenken in Hiroshima, über den Friedenspark mit seinen alten und neuen Mahnmalen, das Friedensmuseum und die zuletzt entstandene „National Peace Memorial Hall for the Atomic Bomb Victims“, in der die Namen und Biografien der Opfer und die Erinnerungen der Überlebenden und Angehörigen gesammelt und bewahrt werden.
Im starken Kontrast dazu stehen die Eindrücke vom Besuch des Yasukuni-Jinja Schreins in Tokyo, der die Seelen der Soldaten und die japanischen Kriegshelden ehrt, und des staatlichen Militärmuseums Yushukan. Sowohl die religiöse Überhöhung im Schrein wie die Ausstellung des benachbarten Museums sind geschichtspolitisch (vor allem seitens ausländischer Beobachter:innen) hoch umstritten, die Deutungen Ausdruck eines fortbestehenden japanischen Nationalismus.
Prof. Dr. Detlef Garbe, Historiker, leitete von 1989 bis 2019 die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Brigitte Drescher war Lehrerin an einer Beruflichen Schule in Hamburg.
Ute Rippel-Lau hat einen der ersten Kongresse der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW miterlebt, der Anfang der 1980er-Jahre ange-sichts katastrophenmedizinischer Planungen für den Fall eines Atomkrieges den Titel trug: „Wir werden Euch nicht helfen können“. Die Politik hatte die Katastrophenmedizin entdeckt; sie sollte einen Atomkrieg handhabbar erscheinen lassen. Ein damals geplantes Gesundheitssicherstellungsgesetz konnte nach massivem Protest verhindert werden.
Noch in diesem Sommer soll nun ein solches Gesundheitssicherstellungs-gesetz verabschiedet werden – in einer Zeit, in der die Atomkriegsgefahr so groß ist wie nie, in der mehrere Atommächte in Kriege verwickelt sind, alle Atomwaffenstaaten immense Summen in ihre nukleare Aufrüstung stecken, fast alle Abrüstungsverträge beendet und Gesprächskanäle gekappt wurden. Die Debatten um die europäische Atombewaffnung und die nukleare Kooperation mit Frankreich zeigen, wie das nukleare Tabu gegenwärtig gefährlich bröckelt.
Ute Rippel-Lau ist Ärztin für Allgemeinmedizin, langjähriges Mitglied und ehemaliges Vorstandsmitglied der Friedensorganisation IPPNW.