Suche
Spenden
Menü

Textbausteine für Leser*innenbriefe

zum Thema „Rosatom im Emsland / ANF Werk / Produktionserweiterung um Brennelemente für VVER Reaktoren“

Der Betrieb der Brennelementefabrik in Lingen steht im Widerspruch zum deutschen Atomausstieg. Dieser sollte vollendet werden, indem alle Atomanlagen im Land geschlossen werden. Bei der Beurteilung der nun genehmigten Produktionserweiterung in Kooperation mit Rosatom wird die Rolle von Atomwaffen für die „zivile” Nuklearwirtschaft zu wenig beachtet.

Als Arzt/Ärztin/Angehörige/r des Gesundheitswesens liegt mir der Schutz der Bevölkerung vor vermeidbaren Gefahren besonders am Herzen – getreu dem Motto: „Prevent what we cannot cure!” Bereits mit dem Beschluss zum deutschen Atomausstieg wäre die Verkündung eines Enddatums für die Brennelementeproduktion in Lingen rechtlich möglich und auch folgerichtig gewesen. Unser Fokus sollte auf der Förderung erneuerbarer Energien, Speichertechnologien und dem Netzausbau liegen – nicht auf dem Fortbestand der Atomindustrie. Die Abschaltung von Atomanlagen bannt ein vermeidbares Risiko. Denn selbst Strahlendosen in der Größenordnung von wenigen Millisievert erhöhen das Risiko für Krebserkrankungen, auch wenn die offiziellen Dosisgrenzwerte eingehalten werden. Die nun genehmigte Produktionssteigerung erhöht mittelfristig die nuklearen Risiken am Standort Lingen sowie entlang der Transportwege für die An- und Auslieferung radioaktiver Materialien. Hinzu kommen die Gefahren durch Terrorattacken, Spionage, Sabotageakte und nicht zuletzt durch Drohnenangriffe. Diese Risiken sind real. Im Krieg gegen die Ukraine kommt es immer wieder zu Angriffen auf Atomanlagen und die für deren Sicherheit unabdingbaren Infrastrukturen. Die Beschädigungen an der Schutzhülle des vor über 40 Jahren havarierten AKW Tschernobyl sowie die Situation am von Russland besetzten AKW Saporischschja bergen Risiken für die gesamte Region.

Mitverantwortlich ist die russische Atombehörde Rosatom. Sie tritt im Ausland als Nuklearkonzern auf. Gleichzeitig ist Rosatom die Institution, die für die Atomwaffen zuständig ist, mit denen das russische Regime regelmäßig und unverhohlen droht. Durch seine Tochterfirma TVEL ist Rosatom nun auch im Emsland tätig. Und zwar in Partnerschaft mit dem französischen, mehrheitlich ebenfalls staatlichen Unternehmen Framatome, dessen Tochter ANF ist. Sowohl Russland als auch Frankreich machen keinen Hehl daraus, dass ihre jeweiligen zivilen Atomprogramme eng mit der Produktion von Atomwaffen und deren Einsatzfähigkeit verbunden sind. Es kann nicht im Interesse der niedersächsischen Bevölkerung sein, dass sich die Nuklearkonzerne der beiden konkurrierenden Atommächte Frankreich und Russland in Lingen zum Zweck der Brennelementeproduktion zusammenschließen. Es ist unzureichend, wenn die deutsche Regierung auf eine Lücke im Sanktionsregime der EU verweist. Für nukleare Abrüstung und einen Weg aus der Klimakrise sollten wir stattdessen den Weg der Vervollständigung des Atomausstiegs zugunsten der dringend notwendigen Energiewende ohne fossile und ohne atomare Energien beschreiten. Ein Ende von ANF in Lingen wäre das richtige Signal!

Navigation