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Isar-2, Emsland, Neckarwestheim-2

Sicherheitsdefizite der Konvoianlagen

01.12.2009

Die zuletzt in Deutschland errichteten Atomkraftwerke werden als "Konvoianlagen" bezeichnet. Es handelt sich hierbei um die Atomkraftwerksblöcke Isar-2, Emsland und Neckarwestheim-2. Laut Klassifikation der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zählen sie zur vierten deutschen Druckwasserreaktor-Generation (4. DWR-Generation). Sie gelten gemeinhin als vergleichsweise sicher, weil bei ihnen einige konzeptionelle Schwachstellen der Vorläufergenerationen behoben wurden. Aktuelle Analysen der GRS zeigen allerdings, dass auch die Konvoianlagen schwerwiegende Sicherheitsdefizite aufweisen.

Vorbehaltlich einer gründlichen Überprüfung weisen die Konvoianlagen laut GRS im Vergleich zu älteren deutschen Atomkraftwerken u. a. folgende wesentliche Sicherheitsmängel auf:


1. Sicherheitstechnische Nachteile der Konvoianlagen im Vergleich zu älteren Anlagen laut GRS:

  • Die Konvoianlagen haben mit ihrer FSA-Station (Armaturenstation) eine vergleichsweise geringere Abblasekapazität.
  • Die Vorsteuerung der FSA-Station erfolgt über baugleiche, d.h. nicht diversitäre Armaturen. Auch die Hauptarmaturen werden als nicht-diversitär eingeschätzt.
  • Bei den Konvoianlagen existiert nur ein betrieblicher Beckenkühlstrang.
  • Der Sicherheitsbehälter der Konvoianlagen wurde aus Werkstoffen mit geringeren Festigkeiten gefertigt.


2. Das GRS-Gutachten zu Biblis A und zur Konvoianlage Emsland ergab für die Konvoianlage folgende Sicherheitsmängel (vgl. BMU Bescheid vom 7. April 2008):

  • Für die kurzzeitig erforderliche Druckbegrenzung der Dampferzeuger beim Ereignis "Turbinenschnellschluss ohne Öffnen der Umleitstation" verfügt die Konvoianlage über relativ wenige Frischdampf-Sicherheitsventile (S. 80).
  • Die Konvoianlage weist eine vergleichsweise geringe Flexibilität im Notstromfall auf (S. 82).
  • Die Konvoianlage verfügt nicht über eine zusätzliche Ultraschallsonde zur Füllstandsüberwachung, was für die Beherrschung des Störfalls "Fehlerhafter Füllstand bei Mitte-Loop-Betrieb mit Folgeausfall der Nachkühlpumpen" sicherheitstechnisch nachteilig ist (S. 82/85).
  • Zur Beherrschung des Notstromfalls der Sicherheitsebene 3 hat die Konvoianlage vergleichsweise wenige Verknüpfungen von elektrotechnischen (verfahrenstechnischen) Systemen (S. 83).
  • Die relativ hohe Leistung der Konvoianlage ist bei der Beherrschung eines "Kleinen Lecks" sicherheitstechnisch nachteilig (S. 86).
  • Die Sicherheitseinspeisungen sind nicht auf die kalten Stränge voreingestellt, was bei der Beherrschung eines "Kleinen Lecks" sicherheitstechnisch nachteilig ist (S. 86).
  • Die Konvoianlage verfügt über eine relativ geringe Kapazität der FDU, was bei der Beherrschung eines "Kleinen Lecks" sicherheitstechnisch nachteilig ist (S. 86).
  • Die Konvoianlage verfügt für die Beherrschung eines "Kleinen Lecks" relativ weniger sekundärseitige Einspeisesysteme (S. 86).
  • Die Vorbereitung und Umsetzung der Notfallmaßnahme "Sekundärseitiges Druckentlasten und Beispeisen (SDE)" ist in der Konvoianlage relativ zeit  und personalintensiv (S. 89/91).
  • Die Vorbereitung der Notfallmaßnahme "Primärseitiges Druckentlasten und Beispeisen (PDE)" ist in der Konvoianlage relativ zeit- und personalintensiv (S. 89/92).
  • Für die Beherrschung eines ATWS-Störfalls hat die Konvoianlage eine relativ geringe primärseitige Druckabbaukapazität im Kurzzeitbereich (S. 91). [Vgl. oben Abblasekapazität der FSA-Station]

Henrik Paulitz

 

 

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