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Die IPPNW betrauert den Verlust eines ganz engen Freundes

Nachruf für Otfried Nassauer

Die IPPNW hat über mehrere Jahrzehnte mit dem Friedensforscher und freien Journalisten Otfried Nassauer zusammengearbeitet. Durch seinen plötzlichen Tod in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober haben wir einen wichtigen Partner und langjährigen Freund zugleich verloren. Denn Otfried war immer für die Weitergabe fundierter Informationen gut. Viele unserer Aussagen und Publikationen im Bereich Frieden fußten auf seiner Recherche – zu Atomwaffen, zu Rüstungsexporten, zu Sicherheitspolitik.

Viele sprechen von seinem enzyklopädischen Wissen, seiner Meisterschaft in akribischer Recherche. Aber es waren auch Otfrieds Analysen, die für uns wichtig waren. Wenn er alle Informationen zusammengetragen hatte, fasste er die Situation treffend zusammen und machte Vorschläge, wie wir politisch reagieren könnten. Er war im wahrsten Sinne ein umfassender Berater.

Bei der IPPNW war Otfried auf Kongressen, Jahrestreffen und anderen Veranstaltungen ein gern gesehener Referent. Er hat für die IPPNW geschrieben, beispielsweise mit Gerhard Piper im Rahmen der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“. So die wichtige Studie über die Atomwaffenmodernisierung in Europa zum Projekt B61-12 – die Atombombe, die demnächst in Deutschland stationiert wird. Diese Studie ist und bleibt das Hauptreferenzwerk zu diesem Thema in deutscher Sprache.

Der Aufbau des Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) zu Beginn der 1990er Jahre, dessen Leiter er wurde, geschah auch in Kooperation mit der IPPNW und seinem damaligen Geschäftsführer Michi Roelen. Wer das „BITS“ in den Folgejahren in der Rykestraße besuchte, konnte Otfrieds Archiv als eine schier unerschöpfliche Fundstelle für Bücher und Dokumente zum Thema Frieden, Sicherheitspolitik, Rüstung und Abrüstung erleben. Leider musste Otfried die Räume vor einigen Jahren aufgeben und das Archiv ist jetzt in Niederfinow eingelagert. Nach dem Tod seines und unseres guten Freundes Prof. Eugen Eichhorn, sollten auch die Bücher aus dessen Nachlass ins Archiv aufgenommen werden. Leider konnte Otfried diese Aufgabe vor seinem Tod nicht mehr erledigen.

Wer seine intensive freundschaftliche Begleitung von Eugens Sterben oder seinen Einsatz nach dem Ableben von Mani Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, unmittelbar miterleben konnte, der lernte einen warmherzigen und unermüdlichen Kümmerer um Menschen kennen. Dieses Kümmern um den Einzelnen gipfelte in seinem umfassenden Einsatz für Frieden für die ganze Menschheit.

Viele Jahre war Otfried einer der Dozenten des „Hiroshima und Nagasaki Peace Study Course“ an der Beuth Hochschule in Berlin-Wedding, den Eugen leitete und an dem sich Xanthe Hall von der IPPNW lange Jahre lehrend beteiligte. Otfried und Eugen waren der Meinung, dass die Alphabetisierung der jungen Generation einer der wichtigsten Aufgaben der Friedensbewegung sei. Die IPPNW unterstützt diesen Ansatz zudem durch seine gemeinsamen Projekte mit ICAN.

Otfried war ein humorvoller, kantiger Mensch, der manchmal kein Punkt finden konnte, wenn er zu Friedensthemen befragt wurde. Ihn anzurufen bedeutete mindestens eine Stunde Zeit einzurechnen, wenn nicht länger, denn er hatte so viel mitzuteilen. Jetzt können wir ihn nicht mehr hören, nur noch in unseren Erinnerungen. Er wird uns sehr fehlen. Sein Wissen, aber noch mehr, sein Wesen.

Xanthe Hall und Jens-Peter Steffen

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23.-25. Oktober 2020, Berlin
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