Anlässlich des bevorstehenden Abschlusses des Weltklimagipfels warnt die Friedensorganisation IPPNW erneut vor einer eklatanten Lücke in den internationalen Klimaverhandlungen: Die Rolle von Militär und bewaffneten Konflikten als Treiber der Klimakrise blieb auch in diesem Jahr nahezu vollständig ausgeblendet.
Während Staats- und Regierungschefs in Belém um Formulierungen zu Ausstiegsplänen aus fossilen Energieträgern, ambitioniertere NDCs und Finanzierungszusagen ringen, bleibt ein zentraler Bereich der globalen Emissionen weiterhin unberücksichtigt. Militärische Aktivitäten verursachen weltweit schätzungsweise 5,5 % der Treibhausgasemissionen – und doch sind Staaten bis heute nicht verpflichtet, ihre militärbedingten Emissionen im Rahmen der UNFCCC offenzulegen. Die vorhandene Berichterstattung ist massiv unzureichend, laut einer kürzlich erschienenen Studie der Scientists for Global Responsibility werden im Schnitt lediglich 10% der tatsächlichen militärischen Emissionen beim UNFCCC erfasst.
„Dass die COP30 keine Räume geschaffen hat, um den Zusammenhang zwischen Aufrüstung, Krieg und Klimakrise zu diskutieren, ist ein schweres politisches Versäumnis“, sagt Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende der deutschen IPPNW. „Während die sich verstärkenden Folgen von Klimakrise und gewaltsamen Konflikten ganze Regionen destabilisieren, Leben zerstören und Ökosysteme verwüsten, wird der militärische Anteil an der Erderwärmung weiterhin systematisch verschwiegen.“
Bereits in den vergangenen Jahren hatten einzelne Initiativen zumindest symbolische Fortschritte erzielt: COP28 verabschiedete die Declaration on Climate, Relief, Recovery, and Peace, und COP29 etablierte den Baku Peace Hub, es gab jeweils thematische „Friedenstage“ im Programm. Doch bei der COP30 fehlten selbst diese kleinen Versuche. Das einzige offizielle Event zum Zusammenhang von Frieden und Klimagerechtigkeit fand im Rahmen des Baku Hub Annual High-Level Dialogue statt – isoliert, randständig und ohne erkennbare Wirkung auf die Verhandlungen.
Gleichzeitig erreicht die weltweite Aufrüstung historische Dimensionen: 2,7 Billionen US-Dollar wurden 2024 für Militär und Rüstung ausgegeben. Diese Ausgaben verschärfen nicht nur Gewaltkonflikte und humanitäre Krisen, sie untergraben auch die Finanzierung einer gerechten Klimapolitik. Geld, das für Prävention, Klimaanpassung, Resilienz, Gesundheit und Bildung benötigt wird, versickert in zerstörerischer Kriegslogik.
Die Klimakrise ist nicht nur eine ökologische, sondern eine friedenspolitische Herausforderung. Präsident Lula fasste es auf dem Leaders Summit zur Eröffnung des Klimagipfels am 07. November treffend zusammen: „Wenn wir doppelt so viel für Waffen ausgeben wie für Klimaschutzmaßnahmen, ebnen wir den Weg für die Klimaapokalypse. In einer Welt, die sich im Krieg befindet, wird es keine Energiesicherheit geben.“
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