Pressemitteilung vom 10. Dezember 2021

Friedensorganisationen fordern Ausweitung der humanitären Hilfe

Humanitäre Katastrophe in Afghanistan

Die Veranstalter*innen der Afghanistankonferenz „20 Jahre NATO-Krieg  in Afghanistan“ fordern angesichts des internationalen Tag der Menschenrechte von den Regierungen Deutschlands und der NATO-Partner, unverzüglich die zuständigen Hilfsorganisationen mit ausreichenden Mitteln auszustatten, um die  sich abzeichnende humanitäre Katastrophe abzuwenden. Zudem müssten die eingefrorenen Gelder unter Auflagen freigegeben werden, damit Löhne ausbezahlt werden und der Hunger nachhaltig bekämpft werden kann – diese Sanktionen träfen die Ärmsten der Armen.

Die Ernährungsunsicherheit in Afghanistan nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Knapp 23 Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung, sind unterernährt und hungern. Nach UN-Berechnungen könnten im kommenden Jahr 97 Prozent der Afghan*innen unter die Armutsgrenze rutschen.  Der Exekutivdirektor des „World Food Program“ der UN, David Beasley, warnte vor Kurzem: „Afghanistan ist nun eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt – wenn nicht sogar die schlimmste – und die Ernährungssicherheit ist einfach zusammengebrochen. In diesem Winter werden Millionen Afghanen gezwungen sein, zwischen Migration und Hunger zu wählen, wenn wir unsere lebensrettende Hilfe nicht verstärken können und die Wirtschaft nicht wiederbelebt werden kann.“

Afghanistan gehörte vor der NATO-Militärintervention zu den ärmsten Ländern der Erde. Ungeachtet der hehren humanitären Ziele, mit denen die Fortsetzung des Krieges 20 Jahre lang gerechtfertigt wurde, hat sich daran nichts geändert ‒ im Gegenteil. Die Lebensverhältnisse der Bevölkerung haben sich dadurch noch verschlechtert. Die Infrastruktur ist in weiten Teilen zerstört und die Wirtschaft des Landes massiv beeinträchtigt. Ein Großteil der Bevölkerung ist von medizinischer Versorgung und Bildung ausgeschlossen. Die  Landwirtschaft kann die Menschen nicht mehr ernähren, nach einer verheerenden Dürre sind große Teile der Weizenernte ausgefallen.  Die Flucht von Millionen Menschen vor den Folgen der Klimaveränderungen und des Krieges ist die Folge.  

Die Regierungen werden ihrer Verantwortung aus 20 Jahren Krieg nicht gerecht. Stattdessen  verschärfen  sie  die  Notlage, indem sie afghanische Gelder auf westlichen Konten eingefroren  halten. Die  Banken in Afghanistan können kein Geld auszahlen. Für ihren Kampf um militärische Dominanz konnten die NATO-Staaten gewaltige Summen bereitstellen – die USA mindestens zwei Billionen Dollar, die Bundesregierung offiziell 12 Milliarden Euro. Sie sind nun aber nicht bereit, den Hilfsorganisationen ausreichende finanzielle Mittel für die dringende Soforthilfe und zur baldigen Herstellung von Ernährungssicherheit zukommen zu lassen.
 
Um wenigstens 22,1 Millionen der erwarteten 24,4 Millionen Hilfsbedürftigen im nächsten Jahr notdürftig versorgen zu können, benötigen die Vereinten Nationen mindestens 4,4 Milliarden US-Dollar. Um die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, sich wieder selbst ernähren zu können, sind wesentlich größere Summen nötig. Zunächst müssen jedoch unverzüglich die eingefrorenen afghanischen Devisenreserven in Höhe von fast zehn Milliarden Dollar freigegeben werden, damit u.a. den staatlichen Angestellten des Landes endlich ihre seit Monaten ausstehenden Gehälter ausgezahlt werden können.

Um selbst einen Beitrag zu leisten, haben Friedensinitiativen ihre Forderung an die westlichen Regierungen mit einem Aufruf zur Hilfe für notleidende Menschen in Afghanistan verbunden. Circa 23.000 Euro sind bereits zusammen gekommen. Die Spendenaktion läuft noch bis Ende Dezember.

Spendenkonto: Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V. • Stichwort: Winterhilfe Afghanistan
IBAN: DE20 5005 0201 0200 0813 90 • BIC: HELADEF1822


Weitere Informationen:

www.kultur-des-friedens.de/afghanistankonferenz.html
Hintergrundinformation des UNHCR https://www.unhcr.org/news/briefing/2021/12/61a9d0e34/unhcr-highlights-urgent-needs-forcibly-displaced-afghanistan-winter-bites.html


Kontakt:

Angelika Wilmen, Tel.: 030 698074-15, Email: wilmen@ippnw.de

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