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Artikel zum Thema Flucht & Asyl

Artikel von W. Eisenberg, T. Nowotny, K. Mohnike

Strittiges Alter – strittige Altersdiagnostik

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Radiologische Verfahrung der Altersdiagnostik können für die betroffenen Jugendlichen dramatische Folgen haben.02.05.2014 

Es ist ein Irrglaube, dass Ärzte das Alter exakt definieren können. Möglich ist nur eine grobe Schätzung. Für die betroffenen Jugendlichen können umstrittene radiologische Verfahren der Altersdiagnostik dramatische Folgen haben. Der Afghane Abdul* kommt im August 2012 mit 16 Jahren nach einer langen und lebensgefährlichen Flucht ohne seine Eltern nach Bayern. Die Behörden bezweifeln seine Altersangabe, die er nicht mit Dokumenten belegen kann, und setzen ein fiktives Geburtsdatum fest: den 1. Januar 1995. Dementsprechend hebt das Amtsgericht im Januar 2013 die Vormundschaft auf, weil Abdul als volljährig gilt. Die Anwältin des Jungen legt gegen diese Entscheidung Widerspruch ein: Abdul sei 16,5 Jahre alt und benötige Jugendhilfe.

Willkürliche Feststellung des Alters beenden

Altersfestsetzung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Minderjährige Flüchtlinge bei einem Computerkurs in München. Foto: Café Netzwerk04.07.2013 

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) werden bei der Erstaufnahme in Bayern systematisch älter gemacht. Das hat eine Gruppe von sieben Ärztinnen und Ärzten, darunter IPPNW-Mitglieder, nach ihrer Besichtigung der Erstaufnahmeeinrichtung für UMF in der Bayernkaserne erklärt. „Wir halten diese offensichtlich übliche Art der Problemlösung, bei der unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach einer kurzen Inaugenscheinnahme von Amts wegen für volljährig erklärt werden, für eine unglaubliche und untragbare Behördenwillkür“, erklärt der Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Nowotny aus Stephanskirchen. „Eine stichprobenhafte Fallerhebung bei der Regierung von Oberbayern ergab 29 Betroffene an nur drei Tagen. Damit ist zu befürchten, dass jeden Monat weit über 200 unbegleitete Jugendliche für erwachsen erklärt und damit ihrer Chance auf Jugendhilfe, Schul- und Berufsausbildung beraubt werden,“ so Nowotny.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Bayernkaserne

Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung durch Ärzteteam

Junge Flüchtlinge aus Somalia, Afghanistan und dem Irak bei einem Computerkurs im Café Netzwerk München20.06.2013 

Am 20. Juni 2013, dem Internationalen Tag des Flüchtlings, hat eine Gruppe von sieben Ärztinnen und Ärzten, darunter IPPNW-Mitglieder, die Erstaufnahmeeinrichtung für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge in der Bayernkaserne besichtigt. Sie haben zahlreiche schwerwiegende Missstände festgestellt und sind der einhelligen Auffassung, dass der Aufenthalt von Jugendlichen in der Bayernkaserne eine Kindeswohlgefährdung darstellt. Unter anderem hat es wiederholt deutliche Anzeichen für sexuellen Missbrauch der in der Bayernkaserne lebenden Jugendlichen gegeben.

Aufspielen statt Abschieben

Lebenslaute-Konzert vor dem Bundesinnenministerium

Lebenslaute-Konzert vor dem Bundesinnenministerium am 17. Juni 2013, phopective berlin, Umbruch Bildarchiv, Lars Dickhoff19.06.2013 

Mehr als 100 MusikerInnen des Chors und Orchesters "Lebenslaute" blockierten am 17. Juni 2013 mit gleichzeitig stattfindenden Konzerten die Zugänge zum Bundesinnnenministerium. Mitglieder der Ärzteorganisation IPPNW beteiligten sich an der Aktion. Die MitarbeiterInnen des Ministeriums konnten nur nach etlichen Umwegen und verspätet zu ihrer Arbeit gelangen. Seit 1986 macht die Musik- und Aktionsgruppe Lebenslaute mit spektakulären Aktionen, in denen sie klassische Musik mit politischem Protest und Zivilem Ungehorsam verbindet, auf sich aufmerksam. Mit ihrer jetzigen Aktion solidarisierte sich Lebenslaute mit den Forderungen eines Flüchtlingskongresses, der vom 13.-16. Juni in Berlin stattgefunden hatte.

Die Einstellung des Verfahrens wäre ein verheerendes Signal

Bremer Brechmittelprozess

Gedenk-Kundgebung für Laye Condé in Bremen, Foto: indymedia.org11.06.2013 

Eine mögliche Einstellung des „Brechmittelprozesses“ durch das Landgericht Bremen wäre nach Auffassung der Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) ein verheerendes Signal. „Es liegt im Interesse der Öffentlichkeit, dass ein so grausamer, unmenschlicher Brechmittel-Einsatz unter Zwang, der zum Tod eines Menschen geführt hat, auch gesetzlich verfolgt wird“, erklärt IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. med. Sabine Farrouh. Die IPPNW fordert die Bremer Ärztekammer auf, die Approbation des zuständigen Polizeiarztes auf eine Verletzung der verbindlichen Berufsordnung zu überprüfen.

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News und Kommentar
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Ansprechpartnerin


Anne Jurema
Tel. 030/698074 - 17
Email: jurema[at]ippnw.de

Global Health Summer

Materialien

Empfehlungen für heilberuflich Tätige in Abschiebesituationen
Download (PDF)

Lesetipp | Deutsches Ärzteblatt: Asylbewerber: Ein ethisches Dilemma

 

Dokumentation: Best Practice for Young Refugees. Ergebnisse und Beiträge einer internationalen Fachkonferenz   PDF-Download

Aktion "Wasser aufs Dach"

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