IPPNW-Pressemitteilung vom 16. März 2022

UN-Generalsekretär hält Atomkrieg für möglich

Bündnis aus internationalen Gesundheitsverbänden fordert sofortige Deeskalation

Ein nuklearer Konflikt ist im Bereich des Möglichen, so UN-Generalsekretär Guterres am Montag in New York. Angesichts der zunehmenden Eskalation des Kriegs in der Ukraine ändert er damit seine bisherige Einschätzung. Die Internationale Ärzt*innenorganisation für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) sieht die Entwicklungen im Ukraine-Krieg mit zunehmender Sorge und warnte in einem Bündnis internationaler Gesundheitsverbände, darunter auch der Weltärztebund, vor einer Eskalation hin zu einem Einsatz von Atomwaffen. „Die alarmierend akute und wachsende Gefahr einer nuklearen Eskalation muss abgebaut und ein Atomkrieg (…) verhindert werden,“ so das Bündnis.

„Es geht jetzt darum, eine atomare Eskalation zu verhindern. Der Abwurf einer einzigen Atomwaffe auf Berlin würde sofort mehrere 100.000 Menschen töten. 1.000 der etwa 13.000 Atomwaffen weltweit würden das Leben auf der Erde beenden“, so der Vorsitzende der Deutschen Sektion der IPPNW, Dr. Lars Pohlmeier, bereits am Sonntag auf der großen Friedensdemonstration in Berlin.

1.800 Atomwaffen sind in Russland und den USA in jeder Sekunde in erhöhter Alarmbereitschaft und können innerhalb von Minuten abgefeuert werden. Die aus russischer Sicht zunehmende militärische Ausweglosigkeit könnte zum Einsatz von Atomwaffen als letztem Mittel oder als „Warnschuss“ führen. Selbst wenn es nicht zum absichtlichen Einsatz von Atomwaffen kommt, gibt es zahlreiche Beispiele für Missverständnisse oder Fehlalarme in den Frühwarnsystemen, die zur Katastrophe führen können. So z.B. das NATO Manöver Able Archer von 1983, das von Russland als tatsächliche Vorbereitung eines Atomkriegs fehlinterpretiert wurde. Der Angriff konnte nur in letzter Sekunde abgewendet werden.

Parallel zu Guterres Warnungen wurde die Beschaffung neuer Kampfjets vom Typ F-35 angekündigt. Laut Bundeskanzler Scholz soll der Kauf die Fortsetzung der nuklearen Teilhabe, d.h. der Stationierung von NATO-Atomwaffen in Rheinland-Pfalz, sichern. Die IPPNW sieht in dieser Ankündigung militärisch und politisch einen gefährlichen Schritt der Eskalation.

Eine glaubwürdige Abschreckung stellen die in Deutschland stationierten Atomwaffen nicht dar. Ihr Standort ist bekannt. Deshalb wären sie, im Gegenteil, im Kriegsfall ein erstes Angriffsziel. Die Beschaffung der F-35 bereitet außerdem die ab 2023 geplante Stationierung der neuen B61-12 Atomwaffen in Büchel vor. Putin hatte bereits 2015 angekündigt, dass er auf diese Aufrüstung mit Gegenmaßnahmen reagieren würde. Der Abzug der NATO-Atomwaffen aus Europa war eine der russischen Forderungen, die der aktuellen Krise vorausgegangen waren.

„Deutschland darf in dieser Situation kein Öl ins Feuer gießen, in dem es selber nuklear aufrüstet. Das Risiko einer nuklearen Eskalation ist schon jetzt sehr hoch. Wir dürfen unsere Augen auch vor dem, was unvorstellbar erscheint, nicht länger verschließen. Deutschland muss endlich die immer wieder versprochene führende Rolle in der nuklearen Abrüstung einnehmen und dem demokratischen Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen beitreten!“, so Dr. Inga Blum, Mitglied im Internationalen Vorstand der IPPNW.


Das gesamte Statement der internationalen Gesundheitsverbände, finden Sie hier: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/Int_Aufruf_sofortiges_Ende_des_Krieges_Abwenden_einer_nuklearen_Eskalation.pdf

Weitere Informationen: https://www.heise.de/tp/features/Lebensluegen-der-nuklearen-Abschreckung-3374720.html?seite=all

 

Kontakt:
Lara-Marie Krauße (IPPNW-Pressereferentin), Tel.: 030 698074-15, E-Mail: krausse@ippnw.de

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