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IPPNW-Presseinfo vom 3.6.2009

Vertrag zwischen IAEO und WHO aufheben!

IPPNW fordert unabhängige Forschung

03.06.2009

Die atomkritischen Ärzte (IPPNW) fordern anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Vertrages zwischen Internationaler Atomenergieorganisation (IAEO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 28. Mai 1959, diesen unverzüglich aufzuheben. In dem Vertrag wird den Atomprogrammförderern und Physikern der IAEO die Kontrolle über die Forschungsprogramme, -ergebnisse und -publikationen von Ärzten der WHO über die gesundheitlichen Folgen der zivilen Nutzung der Atomenergie und deren Unfälle vertraglich zugesichert.

Das Abkommen verfügt, dass Forschungsprojekte – deren Resultate potentiell die Förderung der Atomindustrie behindern könnten – entweder gar nicht oder nur noch von der IAEO gemeinsam mit der WHO durchgeführt werden. Zum Beispiel sind die Untersuchungen über die gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe am 26. April 1986 von der IAEA durchgeführt worden und widersprechende Informationen unterdrückt worden. Die Gesundheitsfolgen von Tschernobyl waren das Thema zweier größerer UN-Konferenzen, 1995 in Genf und 2001 in Kiew. Die vollständigen Berichte dieser beiden Konferenzen blieben jedoch unveröffentlicht. Veröffentlicht wurde hingegen der Bericht des von der IAEO dominierten Tschernobyl-Forums aus dem Jahr 2005, der die Opferzahlen massiv beschönigte. 

Das Standardrisikomodell zur Einschätzung von Strahlengefahren, das von der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) herausgegeben wurde und bis heute von der WHO anerkannt wird, ist nach Ansicht der IPPNW veraltet und führt zu einer Unterschätzung der Strahlenrisiken. Die Strahlenschutzkommission stützt sich zu stark auf die Hiroshima-Daten, die für chronische Niedrigexposition nur bedingt aussagekräftig sind. Zudem sind die Daten laut dem Epidemiologen Prof. Wolfgang Hoffmann veraltet, weil in den vergangenen Jahren noch weitere strahlenbedingte Krebserkrankungen bei den Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki aufgetreten sind, beispielsweise Brustkrebs. Neue Erkenntnisse über indirekte Strahlenwirkungen wie "Genomische Instabilität" und "Bystander-Effekt" hat die ICRP nicht berücksichtigt.

Am 5. und 6. Mai 2009 trafen sich Experten für die Wirkungen ionisierender Strahlen auf Einladung des European Committee on Radiation Risk (ECRR) auf Lesbos. Sie sind der Auffassung, dass das Standardrisikomodell der ICRP das Strahlenrisiko mindestens 10fach zu gering einschätzt. Die 16 Wissenschaftler aus 9 Ländern fordern in einer Deklaration die zuständigen Behörden auf, sich nicht länger an der ICRP, sondern dem ECRR 2003 Risikomodell zu orientieren, bis ein ausreichend Vorsorge tragendes Risikomodell erarbeitet wurde. 

„Die Weltöffentlichkeit wird nicht etwa vor den Gefahren und Risiken der Atomenergie geschützt, sondern vor der Wahrheit über diese Risiken. Die WHO ist durch einen Knebelvertrag gebunden. Wissenschaftlichkeit in der WHO gibt es nur in sehr engen jeweils von der Internationalen Atomenergieorganisation festgelegten Grenzen!”, kritisiert die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.

Pressekontakt: Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Pressesprecherin Angelika Wilmen Tel. 030 / 69 80 74 15, Email: wilmen@ippnw.de

Foto: 

16.06.2008  Die neu entdeckten indirekten Strahlenwirkungen

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