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IPPNW-Pressemitteilung vom 20.9.2014

IS greift kurdische Selbstverwaltungsgebiete in Nordsyrien an

Menschenrechtsdelegation vor Ort

20.09.2014 Vor wenigen Stunden erreichte uns in Qamislo, der Hauptstadt des Kantons Cizire, die Nachricht, dass der Kanton Kobane westlich von uns von allen Seiten mit schweren Waffen durch den IS angegriffen wird. Der Angriff wird dabei durch Waffen unterstützt, die von der Türkei per Bahn transportiert werden. Im Norden Syriens haben sich die Kurden gemeinsam mit sämtlichen dort lebenden Bevölkerungs- und Religionsgruppen in demokratischer Selbstverwaltung organisiert. Auf drei nicht zusammenhängende Kantone, Cizire, Kobane und Afrin verteilt leben rund 6 Millionen Menschen. Entlang der türkisch-syrischen Grenze liegen zwischen den drei Kantonen die von der dschihadistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) eroberten Gebiete.

Wir fordern die Bundesregierung dringend auf, ihren ganzen Einfluss auf die türkische Regierung auszuüben, dass sie die Grenze zu Syrien schließt und von jeglicher Unterstützung des IS absieht. Zudem muss das Embargo gegen die Selbstverwaltung und Menschen in Nordsyrien/Rojava sofort aufgehoben werden. Auch die humanitäre Hilfe für die ezidischen Flüchtlinge muss auf Rojava ausgeweitet werden.

„Die Terrororganisation IS, die meine ezidischen Glaubensgeschwister in Sengal (Süd-Kurdistan/Nord-Irak) angegriffen und massakriert hat und das weiterhin versucht, ist nun in einem noch größerem Ausmaß dabei, gegen meine kurdischen Geschwister Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu verüben. Jede Unterstützung des IS muss sofort beendet werden“, fordert Yilmaz Kaba, Mitglied der Föderation der Ezidischen Vereine e. V.

Delegationsteilnehmerin Dr. med. Gisela Penteker (IPPNW) ergänzt: „Die Menschen hier versuchen tapfer und mit großem persönlichen Einsatz, beispielhaft für ganz Syrien das friedliche Zusammenleben aller verschiedenen Völker und Religionen zu entwickeln. Die Weltgemeinschaft ignoriert sie und beharrt auf überholten Terrorvorwürfen, anstatt die Menschen gegen den IS-Terror zu unterstützen. Massaker werden wir dann beklagen und die Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen.“

„Nach den Ereignissen von Sengal erleben wir einmal mehr, dass es die Verteidigungseinheiten der Selbstverwaltung in Rojava (YPG) und der PKK sind, die die Bevölkerung vor Kriegsverbrechen, wie Mord, Vergewaltigung, Versklavung und Vertreibung zu schützen versuchen. Dass vor diesem Hintergrund das PKK-Verbot aufrechterhalten und vermeintliche Kader der PKK in Deutschland festgenommen werden, ist unverantwortlich“, erklärt Rechtsanwältin und Delegationsteilnehmerin Britta Eder.

Der Soziologe und Menschenrechtler Martin Dolzer, der ebenfall mitgereist ist, stellt fest: „Die Türkei unterstützt noch immer die Terrororganisation IS, die systematisch Kriegsverbrechen begeht. Eine Regionalmacht die derart agiert muss international unter Druck gesetzt und sanktioniert werden. Die Angriffe des IS auf Kobane sind gegen ein funktionierendes demokratisches Projekt gerichtet. Wer für den Frieden in der Region wirken möchte, sollte die YPG und die PKK als demokratisierende humanistische Akteure anerkennen und unterstützen.“

Und  Prof. Dr. Norman Paech, VdJ (Vereinigung demokratischer Juristinnen und Juristen), EJDM (Europäische Juristinnen und Juristen für Demokratie und Menschenrechte) klagt an: „Die Menschen in Rojava/Nordsyrien werden auf breiter Front durch die Terrororganisation IS mit der Unterstützung der Türkei angegriffen, und die Welt schaut schweigend zu. Dies ist ein Skandal, der umgehend beendet werden muss. Diesen Menschen, die den Eziden aus Sengal die Flucht nach Rojava ermöglicht haben, muss sofort und wirksam geholfen werden, bevor ein weiteres Massaker ungeheuren Ausmaßes begangen wird.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen Ihnen für Nachfragen und Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an:

Dr. med. Gisela Penteker (IPPNW), Mobil: 0171/7701613

oder

Devriş Çimen (Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.)
Tel.: 069/84772084, Mobil: 01573/8485818

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Ansprechpartner


Dr. Jens-Peter Steffen

Referent für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 -13
Email: steffen[at]ippnw.de

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