IPPNW-Pressemitteilung vom 21.06.2016

IPPNW fordert Freilassung der Trägerin des Medizinischen Friedenspreises

Präsidentin der türkischen Menschenrechtsstiftung verhaftet

21.06.2016 Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW hat die Beauftragte für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe Bärbel Kofler in einem Schreiben gebeten, sich für die Freilassung der Präsidentin der türkischen Menschenrechtsstiftung Sebnem Korur Fincancı einzusetzen. Sie war gestern zusammen mit Erol Önderoglu (Journalist von Reporter ohne Grenzen) und Ahmet Nesin verhaftet worden. Nach Angaben des Anwalts der Zeitung "Özgür Gündem" Özcan Kılıç hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf Grundlage der Antiterrorgesetze eingeleitet.

Ihnen wird vorgeworfen, sich an einer Solidaritäts-Kampagne für die kurdisch-türkische Zeitung "Özgür Gündem" (deutsch: Freie Agenda) beteiligt zu haben, die sich gegen den massiven politischen Druck auf die Zeitung richtete. Fincanci, Önderoglu und Nesin hatten jeweils für einen Tag die journalistisch verantwortliche Leitung für Özgür Gündem übernommen. Jetzt meldete sich der verurteilte Herausgeber Can Dündar der Zeitung Cumhuriyet zu Wort: „Wenn schon Solidarität zur Straftat wird, wenn die Meinungsfreiheit in Handschellen genommen wird, dann will ich morgen zur Zeitung Özgür Gündem gehen, um Dienst zu tun.“

Die IPPNW ist in großer Sorge um Sebnem Korur Fincancı, die sich auf bewundernswerte Art und Weise für die Menschenrechte in der Türkei einsetzt. Die türkische Menschenrechtsstiftung berichtet z.B. regelmäßig über die Folgen der Armeeeinsätze der türkischen Regierung gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten der Türkei. Laut der Menschenrechtsstiftung wurden zwischen dem 16. August 2015 und dem 20. April 2016 mindestens 338 Zivilisten umgebracht, darunter 78 Kinder, 69 Frauen und 30 Opfer über 60 Jahren.

Mit Sebnem Korur Fincancı verbindet die IPPNW eine langjährige Zusammenarbeit. Sie ist unter anderem Trägerin des von der IPPNW verliehenen Medizinischen Friedenspreises. Die Istanbuler Professorin für Rechtsmedizin und Menschenrechtlerin setzt sich seit Jahrzehnten für Folteropfer ein und hat ein standardisiertes Verfahren zur Aufdeckung von Folter entwickelt.

Ein Fact-Sheet der türkischen Menschenrechtsstiftung zur Situation im Südosten der Türkei nach Verhängung der Ausnahmezustände finden Sie unter http://en.tihv.org.tr/wp-content/uploads/2016/04/HRFT-Curfews-Fact-Sheet-20-April-2016.pdf

Weitere Informationen über den Medizinischen Friedenspreis finden Sie unter  http://www.medicalpeacework.org/mpw-award/mpw-award-2011.html

Kontakt:
Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de


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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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