Pressemitteilung vom 30.09.2002

IPPNW lehnt neue Uno-Resolution ab

UN-Sicherheitsrat-Mitgliedsstaaten dürfen sich nicht dem Druck der USA beugen

Berlin- Die friedenspolitische Ärzteorganisation IPPNW fordert heute in einem Brief an alle Botschafter der Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrates, die Mitgliedsstaaten auf, sich nicht dem Druck der USA zu beugen und den vorläufigen amerikanisch-britischen Resolutionsentwurf abzulehnen.

Die IPPNW befürchtet, dass die neue Resolution einen Krieg gegen den Irak forciert. "Durch die bekannt gewordenen Fristsetzungen versucht die USA einen Automatismus zu installieren, der zum Krieg führt. Einen solchen Kriegs-Automatismus lehnen wir ab", sagt Dr. med. Ute Watermann, Sprecherin der IPPNW.

In dem Brief an die Botschafter heißt es: " Wir sind der Meinung, dass die bereits verabschiedeten Resolutionen 687, 699, 707, 715, 1051, 1060, 1115, 1154, 1194 und 1284 ausreichen, um die Waffeninspektionen zu ermöglichen und, dass eine weitere Resolution mit verstärkten militärischen Drohungen, nur dem diplomatischen Weg schaden und zu einem Krieg führen würde. ...

Die IPPNW, ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis 1985, lehnt ausdrücklich einen Krieg gegen oder militärische Interventionen im Irak ab. Wir befürchten, dass im Falle eines Krieges die direkten und indirekten zivilen Opfer außerordentlich hoch sein werden. ... Die meisten irakischen Haushalte sind aufgrund der Sanktionen bei der Grundnahrungsmittelversorgung fast ausschließlich von den Nahrungsmittelrationen der Regierung abhängig, einem Verteilungssystem, das außerordentlich anfällig ist für zivile Unruhen und administrative Zusammenbrüche. Nach Angaben von UNICEF ist im Süden und im Zentralirak eins von fünf Kindern dermaßen unterernährt, dass es spezielle therapeutische Ernährung bräuchte... Der Rückgriff auf militärische Gewalt wird zu einer weiteren Verelendung und Mortalität unter der Zivilbevölkerung führen. ..."

Die IPPNW befürchtet außerdem, dass sich ein Krieg gegen den Irak auf die Nachbarländer und Israel ausdehnen könnte und damit ein Einsatz von Massenvernichtungswaffen bevorsteht. Sollte der Irak eine restliche Massenvernichtungswaffen-Kapazität besitzen, etwa in dem Bereich der Bio-Waffen, könnte ein Angriff auf den Irak den Einsatz dieser Waffen gegen die alliierten Streitkräfte oder gegen Israel provozieren, was wiederum, wie von Israel bereist angekündigt, zu einem atomaren Gegenschlag führen könnte.

Die IPPNW bittet daher die Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates, sich ihrer Opposition gegen jegliche militärische Aktionen gegen den Irak anzuschließen und ihren Einfluss zur völligen Ausschöpfung aller möglichen nicht-gewaltsamen diplomatischen Mittel geltend zu machen.


Kontakt: Dr. Ute Watermann, kontakt@ippnw.de

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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