Pressemitteilung vom 25.09.2002

Im 21. Jahrhundert gibt es für Krieg keine Rechtfertigung mehr

Fortsetzung des Dialogs mit den 60 amerikanischen Intellektuellen des Instituts for American Values

München, Berlin, Meerbusch, 25. September 2002 Die "Koalition für Leben und Frieden", die sich als ziviles Gegengewicht zur Parteiendemokratie versteht und erstmals Ende 2001 mit dem gleichnamigen Aufruf an die Öffentlichkeit trat, hat mit einem weiteren Antwortschreiben auf die Kritik der "What we are fighting for"-Gruppe von 60 amerikanischen Intellektuellen zum "Krieg gegen den Terror" reagiert.

Die Initiatoren der "Koalition für Leben und Frieden" - Prof. Dr. Hans-Peter Dürr von Global Challenges Network und Träger des alternativen Nobelpreises, Heiko Kauffmann, langjähriger Sprecher der Flüchlingsorganisation PRO ASYL und Träger des Aachener Friedenspreises 2001, Prof. Dr. Mohssen Massarrat, Osnabrücker Sozialwissenschaftler und Friedensforscher und Frank Uhe, Geschäftsführer der ‚Ärzte gegen den Atomkrieg' (IPPNW), Berlin - haben ihr neues, von 75 Intellektuellen mitunterzeichnetes Schreiben pointiert mit der Überschrift "Im 21. Jahrhundert gibt es für Krieg keine Rechtfertigung mehr" versehen. Dies soll deutlich machen, dass ihnen jegliche moralische "Überhöhung" von Kriegen angesichts der heutigen Dimension und politischen Reichweite ihrer zerstörerischen Potenziale wie auch angesichts des Entwicklungstandes des Völkerrechts und einer noch fragilen, aber notwendig voranzutreibenden ‚Global Governance-Struktur' unter den Vereinten Nationen grundsätzlich obsolet erscheint.
Zur Erinnerung: Im Februar dieses Jahres formulierten 60 amerikanische Intellektuelle - unter ihnen Amitai Etzioni, Francis Fukuyama, Samuel Huntington und Michael Walzer - unter dem Titel "Wofür wir kämpfen" eine ‚Kriegs-Erklärung' zur Unterstützung der Bush-Administration. Ihr zentrales Argument: Die Theorie des gerechten Krieges sei die einzig vertretbare moralisch und intellektuelle Position. "Auf der Grundlage dieser Theorie (des gerechten Krieges, d.V.) sind wir davon überzeugt, dass der Gebrauch von militärischer Gewalt gegen die Mörder des 11. September und gegen diejenigen, die sie unterstützen, nicht nur moralisch gerechtfertigt, sondern sogar moralisch geboten ist." Der Afghanistankrieg, der Krieg gegen den Terror, sei also nicht nur moralisch gerechtfertigt, sondern sogar geboten. Gegen diese Erklärung protestierten zunächst 170 amerikanische Intellektuelle in einem offenen Brief an "unsere Freunde in Europa".

Darin kritisierten sie "das militärische Abenteuer der USA" und "die Apologeten der US-Kriegspolitik" denen sie "die Gleichsetzung der ‚amerikanischen Werte' ... mit der Ausübung von wirtschaftlicher und vor allem militärischer Macht der USA" vorwarfen und riefen zum Dialog auf.
Die "Koalition für Leben und Frieden" ergriff die Initiative zu einer Antwort, die Anfang Mai unter dem Titel "Eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit sieht anders aus" erschien und in der deutschen Medienöffentlichkeit stark beachtet wurde. Darauf reagiert Anfang August wiederum die "What we are fighting for"-Gruppe. Die erneute Bekräftigung der
"Theorie des gerechten Krieges" und die Legitimierung amerikanischer Machtpolitik wurde von allen großen Zeitungen bereitwillig aufgenommen. Von der FAZ; über die Süddeutsche Zeitung bis zum Tagesspiegel wurde die Antwort an herausragender Stelle dokumentiert. Peter Schneider erhielt drei Seiten im SPIEGEL, um mit den Amerikanern gegen seine deutschen KollegInnen zu polemisieren. Gerade in Bezug auf das beachtliche Medienecho ermutigten viele der UnterzeichnerInnen des ersten Antwortschreibens die Initiatoren der Koalition, den Dialog öffentlich fortzusetzen. Die Replik der amerikanischen Intellektuellen "Ist die Anwendung von Gewalt moralisch gerechtfertigt?" bedürfe einer Entgegnung.

Zu den UnterzeichnerInnen, von denen viele bereits die erste Stellungnahme vom Mai 2002 auf das von den US-Intellektuellen verfaßte Manifest wie auch den ersten Aufruf der Initiatoren für eine weltweite Koalition für Leben und Frieden unterschrieben haben, gehören u.a.: Prof. Dr. Walter Jens, Franz Alt, Carl Amery, Prof. Dr. Adelheid Biesecker, Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Prof. Dr. Ekkehard Krippendorf, Prof. Dr. Shalini Randeria, Uwe Timm, Konstantin Wecker, Dr. Reinhard Voß und Peter Vonnahme.

Die vier Initiatoren - Dürr, Kauffmann, Massarrat, Uhe - verfolgen mit der Fortsetzung des Dialogs ein klares Ziel: Sie wollen Menschen, die Verantwortung übernommen haben und Initiativen ermutigen, sich offensiver und konzentrierter als Zivilgesellschaft in die Politik einzumischen. Der Aufbau eines zivilgesellschaftlichen Gegengewichts zum Parteienstaat sei notwendig, weil die repräsentative Demokratie überfordert scheint, auf existenzielle Probleme der Menschheit zu reagieren und zukunftsfähige Lösungen zu finden. Dies betreffe vor allem: Die Verhinderung von Kriegen, den Erhalt der Umwelt und die Verwirklichung der Menschenrechte. Die Koalition will diesem Netzwerk der Zivilgesellschaft eine unüberhörbare politische Stimme verschaffen und einen konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Demokratie leisten.


"Wir verstehen diesen Brief auch als Unterstützung für die über 4000 Künstler, Schriftsteller und Persönlichkeiten, die am 19. September 2002 eine ganzseitige Anzeige in der NEW YORK TIMES geschaltet haben, mit der sie gegen einen Krieg gegen den Irak und gegen die repressiven Maßnahmen der US-Regierung im Innern protestierten," so die Initiatoren der Koalition für Leben und Frieden.


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Heiko Kauffmann, Tel 02132/760 487 Fax 02132 / 760 488
GCN e.V., Anita Keller Tel 089/359 82 46 Fax 089 / 359 04 56

Email: info@gcn.de
Internet: www.gcn.de/coalition

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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