Pressemitteilung vom 12.11.2002

Britische IPPNW-Studie: Neuer Golfkrieg kostet hunderttausende Tote

Ärzte rechnen mit erheblichen Umwelt- und Gesundheitsschäden

Berlin- Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung (IPPNW) veröffentlichen heute in London und Washington DC eine britische IPPNW-Studie über die kurz-, mittel - und langfristigen Folgen eines erneuten Krieges gegen den Irak. Die Autoren der Studie rechnen mit 48.700 bis 261.000 Toten auf allen Seiten im Falle eines konventionellen drei Monate andauernden Krieges.

Käme es zusätzlich zu einem Bürgerkrieg im Irak oder zu atomaren Anschlägen, würde sich die Zahl der geschätzten Todesopfer auf 375.000 bis 3.889.100 erhöhen. "Diese Schätzungen beinhalten nicht Tote durch indirekte oder langfristige Folgen des Krieges. Allein durch den völligen Zusammenbruch der Infrastruktur im Irak ist mit bis zu weiteren 200.000 Toten zu rechen, etwa durch Infektionskrankheiten", sagt Jane Salvage, eine der Autorinnen der Studie.

Diese konservativen Berechnungen basieren auf den gegenwärtigen Konfliktszenarien der US-amerikanischen Militärstrategen und den gesicherten Daten über die Folgen des zweiten Golfkrieges. Zusätzlich wurden Informationen über das gegenwärtige irakische Gesundheitssystem und die derzeitige Versorgungsstruktur im Land herangezogen. Zu den Autoren zählen Ärzte und Gesundheitsexperten aus verschiedenen Ländern. Herausgeber der Studie "Collateral Damage: The Health and Environmental Costs of War on Iraq" ist die britische Sektion der IPPNW, genannt MEDACT.

Im Kriegsfall rechnet die IPPNW außerdem mit erheblichen Umwelt- und Gesund-heitsbelastungen, die weit über die Grenzen des Iraks hinausgehen. Etwa durch die Bombardierung von Industrie - und Waffenproduktionsanlagen als auch von Ölquellen.

Die Kosten des Krieges für die USA werden mit 50 bis 200 Milliarden US-Dollar allein für die Kriegsführung angegeben, 5-20 Milliarden US-Dollar jährlich würde die Besatzung kosten. Im Vergleich dazu: Mit 100 Milliarden US-Dollar könnten vier Jahre lang die Kosten für die Gesundheitsversorgung der ärmsten Menschen in der Welt bezahlt werden.

Vor diesem Hintergrund konstatiert die IPPNW: Ein Krieg gegen das durch die Sanktionen und den Diktator Saddam Hussein bereits schwer getroffene irakische Volk ist zutiefst inhuman und muss verhindert werden. Die englischsprachige Studie finden Sie hier im Internet. Ein deutschsprachiges Abstract erhalten Sie in der Geschäftsstelle der IPPNW.

Kontakt: Dr. J.-P. Steffen / Dr. U. Watermann, kontakt@ippnw.de

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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