Pressemitteilung vom 24.08.2002

3. Golfkrieg gegen den Irak hätte verheerende Folgen

Ärzteorganisation mahnt vor direkten und indirekten Folgen

Berlin- Für die Friedensorganisation IPPNW müssen in der Debatte um das Für und Wider eines Angriffs auf den Irak die direkten und indirekten Folgen für die Menschen im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. "Wir erleben, dass eine Hochwasserkatastrophe in Deutschland Milliarden für den Wiederaufbau nötig macht. Nicht nur ein 3. Golfkrieg gegen den Irak würde Milliarden verschlingen. Später werden horrende Summen für das Wiedererreichen eines gebotenen menschlichen Versorgungsstandards nötig, die ein kriegsgebeuteltes Land nicht erbringen kann," erklärte Dr. Ute Watermann, Sprecherin der IPPNW, in Berlin.

Frau Watermann rief einige Opfer- und Folgezahlen des Zweiten Golfkrieges in Erinnerung(1).
Die von den alliierten Streitkräften genutzten über 80.000 Tonnen Explosivstoff töteten zwischen 50.000 und 100.000 irakische Soldaten. Im Krieg wurden zwischen 2.500 und 3.500 Zivilisten getötet und 9.000 Häuser zerstört. Die Zahl toter Zivilisten stieg im Jahr 1991 - nach Ende der massiven Bombardierungen - auf 110.000 Menschen. Von diesen waren 70.000 Kinder unter 15 Jahren. Diese Todesfälle waren eine direkte Folge der zerstörten zivilen Infrastruktur, besonders der Stromerzeugung, die einen Zusammenbruch der Trinkwassererzeugung und Abwasserentsorgung nach sich zog. Dies wiederum führte zum Ausbruch diverser Infektionsepidemien wie Cholera, Typus, Malaria, Polio und Hepatitis.

UNICEF hat wiederholt festgestellt, dass Krieg und folgende wirtschaftliche Sanktionen zum Tod von mindestens 500.000 Kindern, bzw. etwa 5.000 Kindern monatlich, durch Unterernährung, Diarrhöe und andere vermeidbare Krankheiten geführt haben. Dokumente der US-amerikanischen Militäraufklärung lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Folgen der Sanktionen für das lebenswichtige Gut Wasser im Irak sehr wohl bedacht wurden(2).

Im Krieg selber verloren etwa 400 alliierte Soldaten ihr Leben und immerhin 25.000 Teilnehmer leiden seitdem unter dem "Golfkriegs-Syndrom".

In Anbetracht solcher Erfahrungen drängt Frau Watermann deutsche, europäische und ganz besonders US-amerikanische Politiker, die humanitären Kosten eines Krieges, die weit über Kriegsende hinaus zu spüren sein werden, nicht zu vergessen.

Sie erneuerte die Forderung der IPPNW, als deutliches Zeichen den Krieg gegen den Irak weder zu wollen noch zu unterstützen, deutsche Soldaten und Material aus dem Nahen Osten zurückzuziehen und gleichzeitig das Engagement für eine einheitliche europäische Position und Stärkung der Vereinten Nationen zu forcieren.

(1) siehe: War and Public Health, Updated Ed., Ed. Barry S. Levy & Victor W. Sidel; ISBN 0-87553-023-0; 2000. http://www.apha.org/media/abc2.htm. (2) Thomas J. Nagy The Secret Behind the Sanctions: How the U.S. Intentionally Destroyed Iraq's Water Supply, http://www.progressive.org./0801issue/nagy0901.html.

Nachfragen bitte an Dr. Ute Watermann, kontakt@ippnw.de

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Ansprechpartnerin

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de

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