Die IPPNW auf der COP28 in Dubai

Vom 30. November bis 12. Dezember 2023 findet die 28. UN-Klimakonferenz in Dubai statt. Erstmalig sind die Themen Gesundheit und Frieden Teil des offiziellen Programmes. Zum ersten Mal ist auch eine IPPNW-Delegation vor Ort.  In einem mehr als einjährigen Prozess wurde die IPPNW vom Sekretariat des UNFCCC akkreditiert und als Beobachterorganisation anerkannt. Damit ist es unseren Delegierten erlaubt, die „Blue Zone“ zu betreten, also den Bereich der Konferenz, in dem die formellen Verhandlungen sowie hunderte Nebenveranstaltungen, Länder-Pavillons etc. stattfinden.

Das Thema Klimagerechtigkeit und Frieden ist nun voll in der internationalen IPPNW angekommen. Den Grundstein dafür haben wir im Mai auf dem IPPNW-Weltkongress gelegt. Hier verabschiedete der International Council die Resolution „Global Call for Climate Justice and Disarmament”. Darin fordert die IPPNW international die verpflichtende Erhebung und Reduzierung militärischer CO2-Emissionen und die Umverteilung von Rüstungsausgaben für Klimaschutz mit dem Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag als wichtigen Schritt in diese Richtung.

Aus der Arbeit in Mombasa ist auch eine internationale Arbeitsgruppe hervorgegangen, die sich zuerst alle sechs Wochen und im Vorlauf der COP nun häufiger online trifft und die Delegierten unterstützt. In Dubai wird die IPPNW vertreten von Bimal Khadka (UK), Angelika Claußen (Deutschland), Harrison Kuria Karime (Kenia) und Knut Mork Skagen (Norwegen). Mit im Gepäck sind unsere Expertise und unsere Forderungen. Dabei konzentrieren sich die Delegierten auf drei Themenkomplexe:

1. Die Verstärkung der Klimakrise durch Militär und Krieg

5,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen laut britischen Forscher*innen auf Militär und Rüstungsindustrie. Gleichzeitig steigen die Rüstungsausgaben, auch der NATO und Deutschlands, immens. Die Rüstungsausgaben der NATO im Jahr 2023 würden für zwölf Jahre der versprochenen und bisher nicht geleisteten Klimafinanzierung an Länder des globalen Südens reichen. Aufrüstung und Krieg können wir uns nicht mehr leisten.

2. Überschneidung zwischen Klimakrise und Atomkriegsgefahr, insbesondere einer nuklearen Hungersnot
Die wachsende Gefahr eines Atomkrieges ist die schrecklichste Konsequenz der aktuellen Aufrüstungsspirale und Kriegslogik, in der die internationale Gemeinschaft zu erstarren droht. Wo ein Weiter-So fos-
siler Produktions- und Lebensweise langsam die planetaren Kipppunkte überschreitet, würde selbst ein begrenzter Atomkrieg eine Umweltkatastrophe verursachen. Eine nukleare Hungersnot, ausgelöst durch die Verdunklung der Sonne und die resultierende Kälteperiode.

3. Atomenergie ist keine Klimalösung
Die gesamte nukleare Kette, vom Uranabbau über zivile Atomnutzung zu Atomwaffen und dem strahlenden Müll, gilt es im Rahmen des Klimadiskurses zu ächten. Atomenergie ist keine Klimalösung. Zusätzlich zu allen Argumenten der Gegenwart (hohe Gesundheitsrisiken, Umweltschäden, finanzielle Kosten, Abhängigkeit von Lieferern und Unmöglichkeit der Dezentralität) ist Atomenergie in einer von der Klimakrise veränderten Welt umso gefährlicher. Die Anfälligkeit von Atomanlagen bei Dürren, Fluten, Erdrutschen liegt auf der Hand, wie etwa die massiven Ausfälle französischer AKWs während der Hitzeperiode 2022 zeigen. Hier gilt es, sich der Atomlobby in den Weg zu stellen und ihre Lügen anzuprangern.

Wir sind gespannt auf die Beobachtung dieser Weltklimakonferenz und darauf, unsere Themen dort einzubringen. Gleich-zeitig sind wir dem Format gegenüber und den Handlungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft darin, ausgesprochen skeptisch. Die Präsidentschaft der COP28 durch einen der großen Ölproduzenten dieser Welt wirkt fast zynisch. Frieden wird im Rahmen des offiziellen Programmes zwar erstmalig behandelt, fokussiert aber auf die Länder und Gruppen, die besonders stark sowohl von der Klimakrise als auch von gewaltsamen Konflikten betroffen sind. Die Wurzeln von Krieg und Gewalt – Militarisierung, Aufrüstung und Kriegslogik – werden nicht adressiert. Im Verbund mit anderen Friedens- und Gesundheitsorganisationen versuchen die IPPNW-Delegierten, das zu ändern.

Mehr unter: www.ippnw.org/cop
Den Climate-Crossfire-Report finden Sie hier: ippnw.de/bit/climate-crossfire

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Ansprechpartner*innen

Angelika Wilmen

Angelika Wilmen
Referentin für Friedenspolitik
Tel. 030 / 698074 - 13
Email: wilmen[at]ippnw.de


Dr. Jens-Peter Steffen

Kontakt zur Kooperation für den Frieden
Email: steffen[at]ippnw.de

Materialien

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