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11.-13. November 2016 in Hannover

IPPNW-Studierendentreffen 2016 in Hannover

"Aktiv werden - Erlernen von Skills"

Das IPPNW-Studitreffen 2016 fand vom 11.-13. November in Hannover statt. Schon lange vorher stand das Titelthema fest: Time for action! Damit wollten wir den Fokus auf Aktiv-sein setzen, auf das Aufmerksammachen auf Missstände, auf Kampagnenplanung und Mobilisierung von möglichst vielen Menschen. In einer Gegenwart, in der sich alles verkompliziert - Politik, Umwelt, Arbeitswelt, Globalisierung, Konsum - und in der die Ungerechtigkeiten dieser Entwicklungen beim Einzelnen oft nur noch zu einem Gefühl der Ohnmacht führen, schenken erfolgreiche Initiativen Inspiration und Mut.

Der Freitagabend war mit Kürbissuppe und dem Film im Hörsaal gefüllt: "Tomorrow"(2016) - ein französischer Film, der für die drängenden Probleme unserer Zeit innovative Lösungsansätze in aller Welt portraitiert.

Am Samstag begann das Programm mit dem Vortrag von Dr. Matthias Bantz, Umweltmediziner aus Rotenburg (Niedersachsen), zum Thema Fracking. Gemeinsam mit der örtlichen IPPNW-Gruppe und weiteren Initiativen betrachtet er seit Jahren das Fracking in seiner Region sehr kritisch. Alarmierend wiesen Ärzte schon im Jahr 2015 darauf hin, dass das Auftreten von bestimmten Krebsarten (v.a. Leukämie und Lymphome) in der Region überdurchschnittlich hoch sei und dies dringend in einer Studie umfassend untersucht werden müsse. Es geht in diesem Zusammenhang um Bohrflüssigkeiten, bzw. Bohrabfälle, die hochtoxisch (u.a.Benzol) und teils auch radioaktiv belastet seien, und die Boden und Trinkwasser bedrohen.

Zu wenig Aufsicht seitens der Behörden und verharmlosende, nicht objektiv repräsentative, Schadstoffmessungen seien ein großes Problem. Umweltpolitisch widmeten wir uns dem sehr umstrittenen Pestizid Glyphosat in einem Workshop mit dem Toxikologen Dr. Peter Clausing von PAN  (PestizidAktionsNetzwerk). Clausing charakterisierte Glyphosat, welches durch die WHO im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft wurde, als das am meisten eingesetzte und am schlechtesten überwachteste Pesitizid in Deutschland. Er schilderte eine Chronologie der Ereignisse um das Pestizid, also der Studien und der Bewertungen dieser durch die verschiedenen Behörden sowie die Zweifel, die an diese Bewertungen gestellt werden.

In dem Workshop "weniger behindern-mehr möglich machen" mit Frau Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin von Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben. e.V., wurde die Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention in Deutschland kritisch betrachtet. Das neue Bundesteilhabegesetz war Anlass für großen Protest in der Behindertenbewegung, denn es sei in einigen Bereichen, so zum Beispiel selbstbestimmt Wohnen, ungerecht und enspreche nicht den Ansprüchen der Konvention.


Frau Dr. Solveig Hansen vom Institut für Ethik und Geschichte der Uni Göttingen berichtete im Workshop "Zwischen Reklame und Aufklärung" von ihrer Analyse verschiedener Organspende-Kampagnen und deren Wirkungen. Dadurch, dass diese meist sehr suggestiv pro Organspende "werben", fühlen sich Skeptiker mit ihren Zweifeln nicht mit einbegriffen. So wurde interaktiv in Kleingruppen der Frage nachgegangen: "Wie könnte das Unbehagen an der Organspende in einen gesellschaftlichen, rechtlichen und ethischen Diskurs respektvoll eingebunden werden?" (aus Dtsch Arztebl, Jg. 113, Heft 37, Sept.2016)

Im vierten Workshop referierte Prof. Ganser, Chefarzt der Hämatologie der MHH und langjähriges MEZISMitglied, über Einflussnahme der Pharamindustrie auf Ärztinnen und Ärzte sowie bereits auf Studenten, und über den sich seit 2007 dagegen einsetzenden Verein MEZIS e.V..

Es folgte der zweite Hauptvortrag von Elise Kopper vom Netzwerk Friedenskooperative e.V., sie präsentierte die Kampgane "Macht Frieden - Zivile Lösungen für Syrien!". Diese von der IPPNW mitgetragene Kampagne lief seit Mai 2016, mit dem Höhepunkt zur Abstimmung im Bundestag über eine Verlängerung des Bundeswehrmandats in Syrien am 10.11.2016. Mit dieser als konkretes Beispiel stellte sie die Methodik einer Kampagnenplanung vor, vom Logo-Design, über die Bündnispartnersuche bis hin zu Lobbyarbeit und Urgent actions.

Abends kamen Interessierte bei einem Netzwerktreffen zuammen, um die Zusammenarbeit und Vernetzung der einzelnen Studigruppen zu intensivieren, zeitgleich fand ein AMATOM-Redaktionstreffen statt, wo die Redaktionsarbeit vorgestellt und erste Planungen für die nächste Ausgabe begonnen wurden.
Für anschließendes kulturelles Party-Vergnügen wurde der -leider so lange- Weg in das schöne Linden angetreten, nach ein paar Drinks konnten in der Faust zu Musik von Datscha Kollektiv/Russendisko die Beine geschwungen werden.

Mehr oder weniger erholt folgte am Sonntag nach dem Frühstück die zweite Workshoprunde. In dieser wollten wir spezifisch aktivistische Skills vermitteln. Maja und Carli von Ende Gelände hielten einen Workshop zum Thema Ziviler Ungehorsam, hier konkret anhand der Anti-Kohle-Proteste in Tagebauten, an denen die beiden beteiligt waren. Sehr interaktiv diskutierten wir Prinzipien und Szenarien, zum Beispiel Konsensfindung in Groß-und Kleingruppen.

Prof. Daniel Strech vom Institut für Geschichte und Ethik der MHH, referierte über "Ethik und Evidenz in der Kampagnenarbeit" und ließ uns anhand einiger Kampagnenbeispiele darüber nachdenken wie viel Vereinfachung und Emotionalisierung eine Kampagne verträgt und wo die Grenze zur Manipulation beginnt. Angefangen bei den beeindruckenden Werten der relativen  Risikoreduktion, mit denen Kampagnen zum Mammographie-Screening animieren wollen, bis hin zu Donald Trump – wir haben viele Beispiele für Erfolg trotz mangelnder Evidenz gefunden. Auf der anderen Seite zeigt die mühsame
Umsetzung der amerikanischen Initiative „Choosing wisely“ in ihr deutsches Pendant „Gemeinsam klug entscheiden“, dass man der schnellen und gezielten Wirkung seiner Kampagne auch Steine in den Weg legen kann, wenn man sich in Evidenz-Überlegungen verzettelt.

Inga, Linda, Franca und Kilian von Ican Deutschland stellten in ihrem Workshop ihre aktuelle Social-Media Kampagne #ican change vor.
Im vierten Workshop referierte Sahra von Jugend rettet e.V., einem Berliner Verein junger Menschen, die mit Spenden ein eigenes Schiff kauften, umbauten, eine Crew zusammenstellten und seit dem Sommer 2016 Menschen auf dem Mittelmeer aus Seenot retten, über ihre Öffentlichkeitsarbeit. Eine  professionelle Öffentlichkeitsarbeit müsse kontinuierlich erfolgen und überlegt sowie zielgruppenorientiert gestaltet werden. (So sind beispielsweise sind linksbündig gesetzte Texte für Personen mit arabischsprachigem
Hintergrund schlechter lesbar.)

Abschließend berichtete Frau Dr. Goesmann, IPPNW-Mitglied und Vorstandsvorsitzende der ÄK Niedersachen, in gemütlicher Atmosphäre darüber wie Ärztinnen und Ärzte sich auch berufspolitisch einbringen können. Inga Blum sprach als Vorstandsmitglied der IPPNW darüber, wie bei ihr ganz persönlich das Engagement in der IPPNW ihren Berufseinstig begleitete und ihr Inspiration und Erfüllunge gebe, gerade in Zeiten, in der die Welt und viele Menschen durch zahlreiche Probleme und Konflikte bedroht seien. Zum Schluss erfolgte die Wahl des neuen Studi-Sprechers, herzlichen Glückwunsch Max Arslan aus Düsseldorf! Nach und nach reisten dann alle nach einem schönen,  inspirierenden gemeinsamen Wochenende und mit vielen neuen Kontakten ab. Wir freuen uns auf das nächste Studi-Treffen im November 2017 vorraussichtlich in Lübeck!

 

 

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AnsprechpartnerInnen



Lilian Tashiro
Studierendensprecherin
E-Mail: tashiro[at]ippnw.de

Antonia Klier

Antonia Klier
Studierendensprecherin
E-Mail: klier[at]ippnw.de

Ewald Feige
IPPNW-Geschäftsstelle
Tel. 030-698074-11
E-Mail: feige[at]ippnw.de

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