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Japan

von Maja Struck

Durch das f&e-Programm hatte ich die einmalige Möglichkeit zwei Monate in Japan zu verbringen und dort nicht nur das Land und die Arbeit im Krankenhaus kennen zulernen, sondern gleichzeitig auch im Friedenskurs ‚Hiroshima and Peace’ mein Wissen über die Atombombenabwürfe zu vertiefen und die Ereignisse seit diesen Angriffen aus verschiedenen Sichtweisen sowie im internationalen Zusammenhang zu verstehen.

Die Vorbereitung für meinen Aufenthalt begann direkt nach meiner Nominierung durch die IPPNW in Berlin. Das Büro der JPPNW (dem japanischen Zweig der IPPNW, der für das f&e-Programm sehr eng mit dieser zusammenarbeitet) meldete sich umgehend bei mir. Ich musste mich kaum um etwas kümmern. Das Programm ist schon detailliert durchgeplant und wird mit Hilfe der zuständigen Koordinatorin dann nur noch bestätigt. Um die Anmeldung für den Universitätskurs, die Famulatur und alle Unterkünfte wird sich problemlos gekümmert. Das war gerade für mich sehr hilfreich, da ich gar keine Kenntnisse in der japanischen Sprache hatte. Die Termine für den Friedenskurs an der Hiroshima City University (es gibt zwei Universitäten in Hiroshima, darauf sollte man achten, vor allem, wenn man mal nach dem Weg fragen muss) sind immer Anfang August, deswegen ging es für mich direkt hier los.

Ich wusste vorher nicht so genau, was mich dort wohl erwarten wird, hatte aber eine wunderbare und interessante Zeit. Mit ca. dreißig Studenten von fünf Kontinenten lernten wir über die historischen Ereignisse, physikalische Hintergründe von Atomwaffen und den heutigen Umgang in internationalen Medien. Der Kurs war für mich optimal ausgelegt, da er zugeschnitten ist auf Studenten, die sich nicht unbedingt mit der Kultur des Landes auskennen und ausschließlich auf Englisch unterrichtet wird. Einen kleinen Einsteigerkurs Japanisch gibt es auch. Das war gerade am Anfang ganz nett um ein paar Floskeln zu lernen.

Natürlich besuchten wir auch die Zeremonie zum Jahrestag der Atombombe. Alles wird dort auf Englisch übersetzt und ich fand es schön zu sehen, dass internationale Organisationen aus jedem Winkel der Welt und jeden Alters angereist waren und sich auf unterschiedliche Weisen engagieren. Einen kleinen Origami-Papierkranich durfte natürlich auch jeder Falten. Danach trafen wir eine Hibakusha, eine Überlebende der Atombombe und hörten uns ihre Erzählung an. Neben allen Seminaren gab es auch sehr viele Möglichkeiten anzukommen und alle Fragen und Bedenken los zu werden. Gerade die teilnehmenden japanischen Studenten waren mir eine große Hilfe und hatten auch großen Spaß uns kennenzulernen und Englisch zu sprechen.

Die Universität stellt außerdem zwei ältere Studenten als ‚student assistents’ zur Verfügung. Meistens eine Studentin und einen Studenten aus höheren Jahrgängen, die selber den Kurs bereits absolviert haben und nur dafür da sind, sich um Probleme und Fragen der internationalen Gäste zu kümmern. Die meisten von uns wohnten in Gastfamilien. Falls hier irgendwelche Hilfe benötigt wurde, waren die beiden auch direkt zur Stelle. Nachmittags unternahmen wir oft noch etwas zusammen: gingen zur Karaoke, aßen Okonomiyaki oder besuchten die bekannte Insel Mijayima am Wochenende. Während dieser Zeit lebte ich bei einer Gastfamilie. Dies ist keine Pflicht und es gibt ebenfalls die Möglichkeit in einem Studentenwohnheim auf dem Campus in einer Art WG mit anderen Studenten zu leben. Für mich war es einfach die perfekte Möglichkeit Japan kennenzulernen. Ich habe mich so wohl gefühlt mit meiner Familie, konnte viele Fragen stellen, mit den Kindern spielen und ein paar mehr japanische Vokabeln lernen. Den meisten meiner Kommilitonnen ging es in ihren Familien ähnlich. Die Universität gibt sich auch wirklich große Mühe, dass alle teilnehmenden Gastfamilien gut zum Programm passen. Die meisten von ihnen sind sehr aufgeschlossen und neugierig, von ihren Gästen viel zu erfahren und gleichzeitig ihre Kultur vorzustellen. Allerdings habe ich auch von den Studenten und Studentinnen, die auf dem Campus gewohnt haben, während des Kurses, viele positive Rückmeldungen bekommen. Alle Zimmer sind in Wohngemeinschaften eingegliedert und auch die Mitbewohner waren meistens sehr erfreut, dass sie ein wenig internationalen Besuch begrüßen durften. Allerdings konnten manche von ihnen auch kaum Englisch und waren zu schüchtern, um etwas mit den Studenten zuunternehmen. Es kommt also wie immer einfach darauf an, ob es zusammen passt. Die Teilnehmer in den Studentenwohnheimen unternahmen oft abends noch etwas miteinander, während wir anderen auch einfach froh waren, Zeit mit unseren Gastfamilien verbringen zu dürfen.

Ich habe diese Zeit auch so gut wie möglich genutzt, da ich wusste, in den nächsten Wochen noch genug Gelegenheit zu haben, um abends und nachts in Hiroshima herumzugeistern. Bevor ich nach Japan flog, habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, was ich der Gastfamilie mitbringen könnte als kleines Dankeschön. Ich habe während der restlichen Reise einfach mal Kommilitonen und Freunde gefragt und ein paar Ideen gesammelt, die wohl immer ganz gut ankommen: Kekse und dunkles Brot aus Deutschland, belgische oder schweizer Pralinen, Puddingpulver zum schnelles Anmischen aus der Tüte, spezielle Teesorten wie zum Beispiel Blueberry muffin oder Cheesecake, Sonnencreme und Kalender mit Bildern aus Deutschland.

Im Anschluss an den Kurs begann meine Famulatur auf der Radiologie. Hier durfte ich leider nicht so viel selber machen und mir wurde vor allem viel von den verschiedenen Ärzten erklärt. Dies lag daran, dass ich kein Japanisch spreche, aber auch an dem japanischen System, das nicht vorsieht, dass Studenten viele Aufgaben selber übernehmen. Es gab also viele kleine Privatseminare nur für mich. Ich kann hier nur nochmal betonen, wie wichtig es ist, ganz klar mit allen zu kommunizieren und einfach nett und freundlich zu sagen, was man selbst eigentlich gerne möchte. Die Ärzte richten sich sehr gerne danach und gleichzeitig gibt es die Möglichkeit mit der JPPNW einige Orte in der Stadt zubesuchen, die mit der Atombombe verbunden sind. Ich hatte eine so fantastisch schöne Zeit in Japan und wurde von allen so lieb aufgenommen. Auch wenn das Programm sich sehr von den anderen Ländern von f&e unterscheidet, kann ich es nur allen sehr ans Herz legen.

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