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Palästina

von Maria Wagner

Als ich Anfang August um 4 Uhr morgens in Tel Aviv aus dem Flugzeug stieg, schlug mir die feuchte Hitze ins Gesicht. Der Cousin meiner Vermieter holte mich am Flughafen ab und während wir im Auto saßen, schaute ich aus dem Fenster: Willkommen im Heiligen Land. Wir fuhren bergauf, an Jerusalem vorbei, und durch den Checkpoint 300 nach Bethlehem, vorbei am Manger Square, am Bethlehem Peace Center und der Geburtskirche und vor das Haus meiner Vermieter. Ich habe ein Zimmer in der Gästewohnung einer Familie gemietet, die ich über Couchsurfing gefunden habe. Meine Vermieter wohnten unten, ich in der Wohnung darüber, aber mit eigenem Eingang. Später erfuhr ich, dass der ganze Häuserkomplex von verschiedenen Mitgliedern dieser Familie bewohnt wurde – und gewöhnte mich auch schnell daran, dass der Cousin, der mich abgeholt hatte, immer in der Wir-Form sprach: „Uns gehört ein Ferienhaus da und da“ usw. Meine Vermieter waren sehr herzlich und luden mich immer wieder zum Tee und zum Essen ein. Meine Vermieterin zeigte mir, wie man traditionelle palästinensische Gerichte in stundenlanger Arbeit zubereitet.


Bethlehem an sich ist eine kleine Stadt, fast alles kann man – wenn man bereit ist, viel bergauf und bergab zu laufen – zu Fuß erreichen. Und so bin ich jeden Tag zum Caritas Baby Hospital gelaufen, trotz Temperaturen von über 30 Grad bereits am Morgen. Das Caritas Baby Hospital ist zwar ein privates Krankenhaus, bietet allerdings Finanzierungsmöglichkeiten für finanziell schwache Familien an. Es gibt neben den Normalstationen eine Intensivstation und Neonatologie und darüber hinaus neben der allgemeinen Ambulanz auch eine neurologische und pulmologische Sprechstunde. Ich fand es auch spannend, in der Radiologie und bei der Physiotherapie vorbeizuschauen. Jeden Morgen gibt es außer der Übergabe auch einen Vortrag zu einem medizinischen Thema – von Immundefizienzen über die neurologische Untersuchung von Kindern. Das Team ist sehr motiviert und die Ärzte waren alle sehr hilfsbereit und haben sich immer wieder mal Zeit genommen, mir zu übersetzen und mir etwas zu erklären. Während meines Aufenthalts dort war auch ein Neuropädiater aus Deutschland vor Ort, dessen Sprechstunde immer sehr spannend war. Es war auch interessant, als eine der Sozialarbeiterinnen meine Mitfamulantin und mich zu ihren Hausbesuchen bei Familien mit Kindern mit Epidermolysisbullosa mitnahm. Seltene genetische Erkrankungen sind in der Westbank nicht so selten, die Heirat unter Cousins ist relativ normal. Am Wochenende war ich viel unterwegs – ich besuchte Jerusalem, Haifa, Tel Aviv, verbrachte eine Nacht bei Beduinen, war in Ramallah und Hebron, und auch auf einem Hippie-Festival in Mitspe Ramon. Geographisch ist dieses Land sehr klein, sodass man mit dem Bus in wenigen Stunden überall hinkommt. Umso merkwürdiger erschien es mir, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten auf beiden Seiten der Mauer sind. Nicht alles war schön während meines Aufenthalts. Zwei Mal wurde ich nachts wach, weil schießende Soldaten auf der Straße vor meinem Haus unterwegs waren. Ich fand es auch teilweise anstrengend, als Frau alleine unterwegs zu sein und hatte gelegentlich mit Belästigung zu tun.

Meinen Projektteil verbrachte ich im Beit Jala Hospital, einem staatlichen Krankenhaus. Dort machte ich Praktikum in der Rettungsstelle. Während ich dort war, wurde die eigentliche Rettungsstelle gerade renoviert, wodurch es in den Ersatzräumlichkeiten recht eng war. Der Unterschied zum Caritas Hospital war deutlich zu spüren. Die PJler dort waren freundlich und zeigten mir ein paar Dinge, die Ärzte hatten eine sehr hohe Arbeitsbelastung. Dann waren zwei Monate bereits vergangen. Es waren zwei nicht immer einfache Monate, aber ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit. Ich wurde von meinen Vermietern und ihrer Familie warmherzig aufgenommen und habe viele freundliche Menschen getroffen. Ich bin viel gereist und habe doch längst nicht alles gesehen. Vor allem habe ich mitgenommen, dass es noch viel mehr zu lernen und zu verstehen gibt über dieses Land.

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