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Griechenland

von Marina Majaj

Vorbereitung


Als ich mich für f&e beworben habe, war Griechenland keines von den Projektländern, die angeboten wurden. In dem Auswahltreffen habe ich erfahren, dass mein Wunschland nicht mehr Teil der Projektländer für f&e 2016 war. Da ich mich in der letzten Zeitsehr mit dem Thema Flucht und Vertreibung beschäftigt habe, habe ich mich schließlich für Griechenland als Wunschland entschieden. Es war am Anfang leider nicht klar,  ob die Famulatur und das Projekt  realisiert werden  könnten, da Griechenland 2016 zum ersten Mal Teil der Projektländer war. Zum Glück habe ich nach ein paar Wochen Wartezeit die Zusage für Athen erhalten, damit war der erste Schritt für meine Famulatur und dassoziale Projekt  in Griechenland getan. Die Organisation der Famulatur und das soziale Projekt wurden von einem griechischen Arzt, der in direktem Kontakt mit dem IPPNW Büro in Berlin stand, durchgeführt. Nach mehrmaliger Abstimmung mit dem griechischen Arzt konnte ich mir letztendlich ein besseres Bild von den bevorstehenden Aufgaben in Athen machen. Parallel dazu begann ich mit der Zimmersuche, die sich als schwieriger als erwartet, herausstellte. Da ich niemanden in Athen kannte und auch über den griechischen Arzt keine Unterkunft organisieren konnte, musste ich über AirBnB ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mieten. Mit zwei Reiseführern im Koffer und auch doch etwas nervös bin ich Anfang August nach Athen geflogen und wusste trotz Vorbereitung nicht, was mich in der griechischen Hauptstadt erwarten würde.

Famulatur


In der ersten Woche habe ich mit meiner Famulatur im Evangelismos Krankenhaus in der infektiösen Krankheiten Abteilung begonnen. Ich war in einer ambulanten Klinik, in der viele HIV und Hepatitis B und C Patienten ihre Behandlung bekommen haben. Dort hatten wir Patientenmit unterschiedlichen Nationalitäten und sozialem Status, die nicht nur medizinische Versorgung sondern auch soziale Unterstützung benötigten. Die Ärztin, die mich betreut hat, war sehr freundlich und hat mir immer alles auf englisch übersetzt, so hatte ich auch immer die Möglichkeit Fragen zu stellen.
In der zweiten Woche war ich im Laiko Krankenhaus. Dort habe ich in der allgemeinen Chirurgie famuliert. Ich konntean vielen OPs teilnehmen und habe dabei viel gelernt. Es gab einen Chirurgen, der mich betreut hat und mir immer genau erklärt hat, was er gerade macht. Ich war aber auch bei einigen Visiten dabei, was für mich auch sehr interessant war, obwohl die meiste Zeit griechisch gesprochen wurde.

In der dritten Woche, gab es leider ein kleines Problem, da der Arzt in der Pädiatrie zu diesem Zeitpunkt nicht in Athenwar. Deswegen hatte ich eine kurze Pause, die ich für die Erkundung Athens genutzt habe. In der vierten und fünften Woche ging es weiter mit der Famulatur auf der pädiatrischen Station im Attikon Krankenhaus. Dort hatte ich die Möglichkeit mich mit den Medizin Studenten auszutauschen und darüberhinaus sogar an den Vorlesungen und am Unterricht am Patienten teilzunehmen. Die Studenten und Ärzte waren sehr bemüht mich in ihre Arbeit einzubringen und mir auch die Chance zu geben, Patienten zu untersuchen. Nach diesen zwei Wochen bin ich wirklich in Athen angekommen, da ich endlich mit jungen Studenten aus Griechenland in Kontakt gekommen bin und sogar noch Freunde gefunden habe, mit denen ich auch meine Freizeit verbracht habe.

Im Großen und Ganzen hatte ich eine gute Zeit während der Famulatur, auch wenn es fünf Wochen gedauert hat um eine vier-wöchige Famulatur zu absolvieren. Man muss sich klar machen, dass solche Prozesse in jedem Land etwas anders ablaufen und dass die Organisation manchmal aufwändiger ist als erwartet. Es ist schwierig für ausländische Studenten in einem fremden Land zu famulieren, da man immer jemanden braucht, deralles übersetzt und erklärt.

Zudem gibt es große Unterschiede zwischen dem griechischen und dem deutschen Gesundheitssystem. In Griechenland werden viele Vorschriften nicht ganz so streng eingehalten. Zum Beispielwird manchmal im Arztzimmer geraucht, wenn keine Patienten anwesend sind. Auch im OP-Saal wird gegessen und manche Mitarbeiter tragen keinen Mundschutz im OP. Die Wartezeiten sind oft auch sehr lang da Patienten erst nach zwei Stunden Verzögerung behandelt werden.


Soziales Projekt


Da Griechenland durch seine geografische Lage meistens die erste Anlaufstelle für Geflüchtete ist, befindet sich das Land im Herzen der Geflüchtetenkrise. Im Jahr 2015 sind fast eine Million Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia nach Griechenland geflüchtet. Diese enorme Zahl an Menschen, die dringend versorgt werden müssen, überfordert Griechenland in allen Aspekten, da das Land selbst noch immer stark von der Finanzkrise getroffen ist.

Bezüglich meines sozialen Projekteshabe ich mich bei der Organisation Ärzte der Welt(mdm Greece)als Freiwillige beworben und konnte ab September dort Vollzeit arbeiten. Ärzte der Welthat eine Poliklinik in Athen, in der viele Geflüchtete und Griechen ohne Versicherung behandelt werden. Sie versorgen auch viele Camps für geflüchtete Menschen in ganz Griechenland. Ich warbereits im August mit dem mobilen Team(Mobile Medical Unit) einige Male inCamps für geflüchtete Menschenund habe dort mitgeholfen. Insgesamt habe ich drei Wochen in der Poliklinik von Ärzte der Welt gearbeitet und war zwei Mal in der Woche mit dem mobilen Team im EllinikoCamp. Die Zeit, die ich dort verbracht habe, war mehr oder weniger eine zweite Famulatur. Ich habe mit den Ärzten und Pflegern eng zusammengearbeitet und hatte auch die Möglichkeit viele Patienten zu untersuchen und zu betreuen. Die Behandlung vor Ort hat sich auf die Basisversorgung beschränkt, trotzdem waren Ärzte aus allen Fachrichtungen an den Behandlungen beteiligt. Es gab sehr viele Patienten aus unterschiedlichen Ländern, was die Behandlungen schwieriger gestaltete, da immer ein Übersetzer der jeweiligen Sprache anwesend sein musste. Da ich selbst arabisch spreche, konnte ich die Rolle des Übersetzers in manchen Fällen übernehmen. Ich habe mehrere Camps besucht und aus meiner Sicht war das Elliniko Camp am schlechtesten ausgestattet. Die Lage dort warsehr schwierig, daca. 4000 Geflüchtete aus Iran, Afganistan und Pakistan im Camp wohnen mussten.


Kultur& Reisen


Griechenland ist sehr reich an Kultur und Geschichte und bietet viel zum Entdecken. Ich habe mir zahlreiche Sehenswürdigkeiten angeschaut und war in vielen Museen. Darunter das Acropolis, Ancient Agora (die Ruinen von der Altstadt), Acropolis Museum, National Archeological Museum, Benaki Museum und noch mehr. Athen hat eine tolle Lage, genau zwischen den Bergen und dem Meer, so konnte ich mir immer wieder eine Auszeit von dem hektischen Großstadtleben nehmen. Meistens habe ich die Wochenenden genutzt um mehr über die Stadt, Leute und Kultur zu lernen. Bekannt ist Griechenland für die exzellente Küche und die Gastfreundschaft, wovon ich nur schwärmen kann. Außerdem war ich auch in ganz Griechenland unterwegs. Ich war auf drei Inseln (Agistri, Santorini und Hydra Insel) in Meteora und Delphi.

Der Sommer 2016 hat für mich viele Überraschungen und Abenteuer gebracht. Es ist schwierig all die Dinge, die ich in den acht Wochen erlebt habe in Worte zu fassen. Athen hat viele starke Gegensätze, auf der einen Seite hat Griechenland den Grundstein für Demokratie und Philosophie gelegt, auf der anderen Seite sieht man heute deutlich den Frust der Leute. Beispielsweise wenn man durch die mit Graffiti beschmierten Straßen läuft und sich mit den jungen Menschen unterhält, die ihre Zukunft oft nicht mehr im Heimatland sehen.Die zwei Monate in Griechenland haben mich doch sehr geprägt und ihre Spuren hinterlassen. Ich werde mich immer wieder gerne an die Zeit in Griechenland erinnern und hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren werde.

 

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