IPPNW.DE
Seite drucken

Kenia

Jens Nagel

01.12.2011 Ich weiß eigentlich gar nicht so recht wo ich anfangen soll, diese unglaublich schöne und beeindruckende Zeit zu beschreiben.
Im Spätsommer 2011 durfte ich  dank der IPPNW meine Semesterferien in Kenia verbringen um dort unglaublich tolle Erfahrungen in zwei Volunteer-Projekten zu machen und außerdem meine Famulatur in einem Krankenhaus in Nairobi zu absolvieren- eine wunderbare Zeit voller bewegender Momente!

Im August 2011 bin ich sozusagen als Neuling in zweierlei Hinsicht nach Kenia geflogen: Zum einen sollte es meine erste Famulatur werden und zum anderen bin ich vorher noch nie in Afrika gewesen. Beides hielt mich aber nicht davon ab, bzw. war sogar Grund dafür, Kenia als mein bevorzugtes Reiseziel anzugeben und so war ich dementsprechend auch überrascht und super glücklich zu hören, dass es tatsächlich klappen sollte.
Mein ursprünglicher Plan war, anfangs in einem Hostel in Nairobi zu wohnen und mich anschließend um eine Wohnung dort zu kümmern. Als ich dann aber ankam und die ersten Tage im Hostel verbrachte, empfand ich es als so angenehm und nett dort, dass ich beschloss, meinen Plan erstmal zu verwerfen und einfach erstmal in diesem Hostel zu bleiben. Nicht nur war es günstig, sondern ich traf dort einfach auch viele interessante Menschen und hatte so tolle Gespräche und Erlebnisse, dass ich gar nicht mehr weg wollte.
Ebenfalls von Deutschland aus hatte ich mich schon mal um ein Projekt gekümmert, in das ich mich einbringen wollte, die St.Lazarus-Schule (www.saint-lazarus.de) in Kayole, einem Slum von Nairobi. Aufmerksam wurde ich auf diese Schule durch das Friedensforum Freiburg, welches mit der IPPNW in Kontakt stand und diese Schule finanziell und ideell unterstützt. Meine Idee war es, dort einen Monat zu verbringen und die Schüler zu unterrichten und vielleicht allgemein Hilfe zu leisten, wo sie nötig war.
Leider, wie so oft bei solchen Vorhaben, vor allem wenn sie Wochen im voraus von einem anderen Kontinent aus geplant werden, lief dann aber nicht alles ganz nach Plan, und so gab es z.B. ein kleines Missverständnis darüber, dass zum Zeitpunkt meiner Ankunft noch drei Wochen Ferien waren und ich somit nur die letzte Woche unterrichten kann.
Ich musste meinen Plan also kurzfristig ändern und da erwies es sich als eine super Entscheidung, doch nicht in eine Wohnung zu ziehen, sondern im Hostel zu bleiben. Im Hostel waren wirklich viele Volunteer-Worker, und ich lernte dort unterer anderem Renata kennen, eine Ungarin, die auf den Cayman Islands lebt. Sie arbeitet dort als Barkellnerin und sammelt das ganze Jahr über Spendengelder um dann davon 1000 Paar Kinderschuhe aus China zu bestellen und diese dann jedes Jahr im Sommer an Kinder in ganz Kenia zu verteilen. Sie hat zu diesem Zweck ihre eigene NGO gegründet (Thousand Pairs of Little Shoes, www.tplskenya.com) und sucht jedes Jahr Mitfahrer, die mit einem kleinen Beitrag ihr Projekt weiter unterstützen und sie auf der Reise begleiten. Ihre Motivation sagt sie, ergibt sich aus zweierlei Gründen: Erstens gibt es eine große Anzahl von Kindern in Entwicklungsländern, deren Familien es sich nicht leisten können, ihren Kindern Schuhe zu kaufen und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als barfuss zu laufen. Ohne Schuhe jedoch ziehen sich viele dieser Kinder kleine Verletzungen an den Füßen zu, die sich anschließend entzünden, infizieren und unter anderem zu Durchfall führen können, der dann, auch aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung und des fehlenden Wassers, für die Kinder tödlich enden kann. Ein weiterer Grund ist der, dass es zwar in Kenia seit kurzem eine Schulpflicht gibt und die Schule teilweise sogar umsonst ist, es jedoch nach wie vor einen Dresscode gibt, der unter anderem auch das Tragen von Schuhen vorschreibt. Wenn Kinder sich aber keine Schuhe leisten können, ist es ihnen häufig schlichtweg nicht erlaubt, in die Schule zu gehen.

Von ihrer Idee, ihrem großen Herzen und ihrer Durchsetzungskraft total beeindruckt, führte ich also mit Renata interessante Gespräche und sie bot mir letztlich an, sie auf ihrem Trip mit vier weiteren Volunteer-Workern zu begleiten: Ein Angebot, dass ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte, weil es nicht nur super interessant und sinnvoll klang, sondern auch gut in die zeitliche Lücke passte, die sich aufgrund der Schulferien für mich ergab.
Kurz darauf sind wir also aufgebrochen und haben mit einem gemieteten Matatu (den privaten Kleinbussen, die in Kenia für ein halbwegs funktionierendes Nahverkehrssystem sorgen) quer durch Kenia gereist und haben Schuhe an Kinder verteilt.
Insgesamt dauerte unser Trip etwa 10 Tage und wir bereisten dabei kleine Dörfer, Slums, Schulen und Waisenhäuser und ich kann ehrlich nicht mal annähernd mehr sagen, wie vielen kleinen schwarzen Kinderfüßchen ich in dieser Zeit Schuhe angezogen habe- unglaublich schön! Hin und wieder kauften wir für Schulen oder Waisenhäuser auch andere Dinge ein, wie zum Beispiel Schulhefte, Bücher und Stifte oder auch Seife, Tassen und Teller. Auf dem Weg zu den einzelnen Etappenzielen sind wir auch mehrfach durch Nationalparks gefahren und hatten dadurch sogar noch unsere eigene kleine Safari.

Nach unserer Ankunft in Nairobi habe ich dann versucht, diese intensiven und bewegenden Eindrücke erstmal zu verarbeiten und kann ehrlich sagen, dass es eine wahnsinnig schöne und intensive Erfahrung war, die ich sicher nie mehr vergessen werde. Nach ein paar Tagen Pause ging dann auch bald die Arbeit an der Schule los, auf die ich mich schon genauso freute. Ich hatte die Schule schon vor unserer Reise durch Kenia kurz einmal besucht, mich Vitalis, dem Schulleiter, vorgestellt und einigen Kindern „Hallo“ gesagt; ich hatte also schon eine Ahnung von dem, was mich dann dort erwarten würde.
Mit Vitalis bin ich bei unserem ersten Treffen so verblieben, dass ich den Kindern „Science“ unterrichte, das hieß konkret dann Biologie und noch konkreter den menschlichen Körper, was mir natürlich total entgegenkam und leicht fiel.
Wenn auch die tägliche Anreise jedes Mal etwa 2 Stunden dauerte und aufgrund der Tatsache, dass die Schule im Slum lag, nicht einfach war, so war die Arbeit im Klassenzimmer wirklich unglaublich schön und bereichernd.
Den Unterricht habe ich recht spielerisch gestaltet und so habe ich mit meist 12-14jährigen Themen wie Herz-Kreislaufsystem, Atmungssystem, Muskulatur usw. besprochen und ihnen dabei mit meinem Stethoskop und Reflexhammer die Dinge etwas veranschaulicht. Der Unterricht war nicht nur im Hinblick auf die Vermittlung des Stoffes ein voller Erfolg, sondern hat sowohl mir als auch den Kindern viel Spaß gemacht.  

Nach dieser schönen und eindrucksvollen Woche an der Schule ging dann auch bald schon meine Famulatur im Krankenhaus los und leider gab es auch dort ein paar Missverständnisse. Ursprünglich wollte ich einen Monat in Mombasa, an der kenianischen Küste famulieren und hatte dies auch mit Ärzten dort vor Ort abgesprochen, bloß leider waren die Zusagen dann doch nicht so 100%ig und ich musste wiedermal kurzfristig umplanen. Dies und die Tatsache, dass ich aus persönlichen Gründen etwas früher nach Deutschland abreisen musste, führte dazu, dass ich letztlich nur zwei statt vier Wochen famulieren konnte und zwar im Kenyatta National Hospital in Nairobi, in dem auch schon Christian, der letztes Jahr mit der IPPNW in Kenia war, famuliert hat.
Das Krankenhaus hat Christian schon relativ gut beschrieben. Es ist ein sehr großes, staatliches, d.h. nicht privates Krankenhaus, das leider sehr unter Finanzknappheit leidet. Auch wenn ich eine Ahnung hatte, was mich dort erwartet, so hatte ich ähnlich wie Christian mit den dortigen Verhältnissen trotzdem meine Probleme. Ich hatte das Gefühl, dass viele Ärzte dort nicht mit genügend Leistungsbereitschaft und Motivation arbeiteten und viele Patienten nicht nur aufgrund fehlender finanzieller Mittel, sondern auch wegen fehlendem Einsatz mancher Ärzte unterversorgt wurden. Ich unterstelle Menschen ungern Fahrlässigkeit, aber mein Eindruck war, dass selbst einfachste Untersuchungen, die nicht viel Aufwand bedurft hätten, manchmal aus Bequemlichkeit schlichtweg nicht gemacht wurden.
Viele Ärzte arbeiten nebenbei noch in ihrer eigenen Praxis oder privaten Krankenhäusern und verdienen dort mehr Geld als im staatlichen Kenyatta Hospital, was vielleicht ein Grund für deren mangelnden Einsatz gewesen sein mag.
Die meiste Zeit war ich eigentlich in der Rettungsstelle und im OP und zu letzterem muss ich sagen, dass dies unter den gegebenen Umständen eigentlich eine angenehme Ausnahme darstelle. Von den Ärzten dort hatte ich größtenteils einen guten Eindruck und auch die OPs waren für mich sehr interessant und lehrreich; die Zeit habe ich sehr genossen.
Trotz allem, war es auch im Krankenhaus eine interessante Zeit, wenn auch gelegentlich unter einem anderen Gesichtspunkt. Bei einer erneuten Famulatur in einem Entwicklungsland würde ich jedoch genauer auf die Wahl des Krankenhauses achten.

Alles in allem war es eine unglaublich bereichernde und wundervolle Zeit, die ich in diesem schönen Land verbringen durfte und für die ich der IPPNW, insbesondere Theresa, Annkathrin und Christian, sowie allen anderen danken möchte, die sich dieses Projekts angenommen und mir sehr dabei geholfen haben, so wunderschöne Erfahrungen zu sammeln.

zurück

Sitemap Überblick