IPPNW.DE
Seite drucken

Israel

von Clara-Sophie Winter

01.12.2011 Es ist Dezember und das Jahr neigt sich dem Ende zu. Mein Sommer in Israel scheint so fern, obwohl ich erst seit wenigen Monaten zurück in Deutschland bin. Das alltägliche Chaos hat mich wieder und es fühlt sich an, als hätte sich in meinem Umfeld kaum etwas verändert. Doch ich merke, dass ich noch viele Eindrücke meiner Reise sortieren und verarbeiten muss.
Als ich mich Anfang des Jahres 2010 für „f & e“ beworben habe, fand ich die Idee, ein fremdes Land sowohl kulturell, als auch aus medizinischer und sozialer Perspektive kennen zu lernen, sehr spannend. Die Freude über die Zusage war riesig. Dass es tatsächlich nach Israel gehen sollte, konnte ich kaum glauben.


Israel. Das Land, in dem die Orangen blühen. Israel. Das Land, wo Milch und Honig fließen. Israel, das Land, von dem ich so viel im Religionsunterricht gehört habe.
Das Land, von dem man fast täglich in den Nachrichten hört und in den Zeitungen liest. Israel- für immer verbunden mit der Deutschen Geschichte. Es ist ein Land, das ich schon lange näher kennen lernen wollte. Denn hatten sich zwar über die Jahre viele bunte Puzzleteile in meinem Kopf gesammelt, so wollten sie sich doch noch nicht zu einem vollständigen Bild zusammenfügen. Aber mit dem immer näher rückenden Abflugdatum schlichen sich auch einige Zweifel ein. Werde ich den mir bevorstehenden Anforderungen und Aufgaben überhaupt gewachsen sein? Wie werden die Menschen auf mich als Deutsche reagieren? Ist es nicht vielleicht doch „gefährlich“ nach Israel zu reisen?
Das Vorbereitungswochenende in Göttingen bot daher eine gute Möglichkeit, viele Fragen zu klären und die anderen Teilnehmer kennen zu lernen. Dies gab mir Sicherheit und der Reise ein wenig mehr Kontur. Meine Zweifel bezüglich des Landes, der fremden Sprache und der Famulatur wurden beruhigt, dafür aber steigerte sich meine Neugier, und mein Reisefieber wurde endgültig entfacht. Es sollte nun wirklich in Kürze losgehen!
Und dann war es endlich so weit. Ich stehe Freitagmorgen um fünf Uhr, nach schlaflosen Stunden im Flieger, am Ben-Gurion-Flughafen und lasse die berüchtigte Fragerunde der israelischen Sicherheitskräfte über mich ergehen. Zwar verwunderte es, dass ich ohne Hebräischkenntnisse für zwei Monate in einer israelischen Psychiatrie arbeiten wollte, aber nach kurzer Erklärung durfte auch ich passieren. Angekommen nutzte ich den Tag, um mich ein wenig in der Stadt Petach Tiqva in der Nähe von Tel Aviv zu orientieren und um mich mit Lebensmitteln für das bevorstehende Wochenende einzudecken. Denn in Petach Tiqva sollte ich für die nächste Zeit in einem Schwesternwohnheim leben.

Famulatur
Sonntagmorgen, sieben Uhr, der Wecker klingelt und reißt mich aus dem Tiefschlaf. „Gott sei dank, es ist Sonntag!“, ist mein erster Gedanke. Doch von wegen sonntags wird geruht: Mein erster Praktikumstag in der Shalvata Mental Health Clinic bricht an. Ich sträube mich, meinem inneren Impuls zu folgen und auf die Snooze-Taste des Weckers zu drücken und schäle mich stattdessen aus dem Bett. Zweimal strecken, Augen reiben, die Sonne scheint schon warm durchs Fenster meines Zimmers und die Laune bessert sich schlagartig. Kurze Zeit später trete ich, leicht aufgeregt, auf die Straße und begebe mich auf die verzwickte Suche nach der Shalvata-Klinik in HodhaSharon. Nach einer gemütlichen Busfahrt, bei der der freundliche Busfahrer völlig vergessen hatte, mich wie vereinbart an der richtigen Stelle herauszulassen, ich somit die Hälfte der Strecke wieder zurückfahren musste, um endlich an der richtigen Bushaltestelle auszusteigen und dann die versteckt liegende Klinik zu suchen. Doch auch dies sollte sich als komplizierter herausstellen als gedacht. Aber mit vielen kleinen Hilfestellungen netter Passanten entdeckte ich einen kleinen Gang zwischen zwei Häusern, hinter dem sich ein Feld mit einem kleinen Trampelpfad erstreckte. Ich konnte es kaum glauben in der Ferne die Umrisse der Klinikpforte erahnen zu können.
Stunden später klopfe ich erleichtert, aber erschöpft und durchgeschwitzt, an die Tür des Büros von Herrn Dr. Kron, dem Leiter der Klinik.  Nun also endlich angekommen wurde ich herzlich begrüßt, willkommen geheißen und von Frau Dr. Abramovic abgeholt. Frau Dr. Abramovic ist Psychiaterin und leitet die ambulante Sprechstunde der Gerontopsychiatrie. Zum Team gehören außerdem noch zwei weitere Therapeuten und Ora, die Sekretärin. Durch die angenehm offene Atmosphäre habe ich mich auf Anhieb gut aufgehoben und integriert gefühlt. Mir wurde das Klinikgelände gezeigt, etliche Mitarbeiter vorgestellt und die ersten Patienten ließen auch nicht lange auf sich warten. Frau Dr. Abramovic nahm sich vor jedem der Gespräche Zeit, mir die Patienten kurz vorzustellen. Neben dem Krankheitsbild fand ich es spannend zu verfolgen, aus welchen Ländern und in welchem Jahr die Patienten nach Israel eingewandert waren. Denn nur eine Minderheit von ihnen ist in Israel geboren und aufgewachsen. Viele Einwanderungswellen bestimmen die kulturelle Vielfalt des Landes. Ob nun aus Frankreich, Polen, Deutschland, Russland, Rumänien, Jemen, Argentinien oder Ländern Nordafrikas. Einen Querschnitt dieser verschiedenen kulturellen Einflüsse kann man auch bei den Patienten der Klinik erkennen. Viele Länder, viele Sprachen, doch dank Dr. Abramovics Empathiefähigkeit und bemerkenswerten Fremdsprachenkenntnissen wurde immer ein Weg gefunden, sich zu verständigen. So versuchte sie während der Sitzungen, den größten gemeinsamen sprachlichen Nenner zu finden und auch ich wurde ganz selbstverständlich in die Gespräche mit einbezogen.
Bei Frau Dr. Abramovic habe ich drei Tage pro Woche famuliert. Die anderen zwei Tage war ich in der Kinder-und Jugendpsychiatrie, was mir nochmal einen Einblick in eine ganz andere psychiatrische Richtung verschaffte. Während der Schulferien wurde dort ein Ferienprogramm für die Kinder angeboten und dabei sollte ich den Mitarbeitern helfen. Ob ein Besuch im Schwimmbad oder ins Kino, Brote backen, Stricken, Spiele spielen oder ein Ausflug in den Freizeitpark. Das Angebot war sehr vielseitig, und es war schön, die Kinder in gelockerter Atmosphäre ein wenig näher kennen zu lernen. Schon bei der ersten Begegnung wurde ich neugierig von den Kindern begrüßt. Allerdings fehlte hier leider Frau Dr. Abramovics Simultanübersetzung und so machte sich die Sprachbarriere zwischen mir und gerade den jüngeren Kindern doch bemerkbar. Die älteren Kinder hatten Spaß daran, sich mit mir auf Englisch zu unterhalten oder mir im Gegenzug zu deutschen Redewendungen hebräische Alltagsfloskeln beizubringen. Darüber hinaus vertrauten sie mir auch ihre Probleme und Sorgen an. Auch war ich erstaunt darüber, wie bereitwillig sie ganze therapeutische Sitzungen auf Englisch abhielten, nur damit ich zuhören konnte.

Sozialprojekt
Das Sozialprojekt stand unter dem Thema „Holocaust“ und da viele Patienten von Frau Dr. Abramovic Shoah-Überlebende sind, durfte ich mich mit einigen von Ihnen außerhalb der Sprechstunde, fernab der Klinik, treffen. Vor meinen ersten Hausbesuchen mit den Patienten war ich sehr nervös. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Welche Fragen durfte ich stellen? Welche eher nicht? Wie würden die Begegnungen ablaufen und wie würden die Patienten mir gegenübertreten? Jedoch wurde ich stets so freundlich empfangen, dass ich anfing, mich auf die Treffen zu freuen. Fünf Patienten habe ich so im Laufe des Aufenthaltes besser kennen lernen dürfen und ich war erstaunt, wie unterschiedlich die Patienten mit ihrer Vergangenheit umgingen.
E. versuchte, die Verfolgung seiner Familie zu vergessen und nun die Gegenwart mit seinen Kindern und Enkelkindern zu genießen. H. kam 1939 mit dem Kindertransport nach England. Nach der Nachricht, 1949, über den Tod ihrer Eltern, entschied sie sich nach Israel zu gehen und hat diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Eine weitere Patientin, eine pensionierte Lehrerin, besuchte ich offiziell zum Hebräisch lernen. Aufgrund ihrer Demenz fehlte es ihr zwar an einer Struktur und didaktischen Fähigkeiten, ich merkte aber, dass wir beide anfingen, uns auf weitere Treffen zu freuen. Sie wollte viel über Deutschland wissen, welches sie 1933 mit ihrer Familie verlassen hatte, und verglich meine Erzählungen mit ihren nur noch blassen Erinnerungen ihrer Kindheit. Ich frage mich noch immer, ob Frau Dr. Abramovic nicht auch therapeutische Ziele verfolgte, als sie der Patientin vorschlug mir hebräisch beizubringen. Dann gab es auch A., der bis heute täglich von seinen schrecklichen Erinnerungen eingeholt wird. In skurrilem Ambiente vor einem Kiosk an einer Hauptverkehrsstraße, Kuchen essend und Kaffee trinkend, hatte ich mit ihm, trotz Straßenlärm und seinem altersbedingten schlechten Hörsinn, welches uns zum Schreien zwang, sehr intensive Gespräche. A. kam 1947 nach Israel, um dort nach einem Neuanfang zu suchen. Der schmerzliche Verlust seiner Familie, seiner Eltern, seiner Schwestern und seine Geschichte in Gefangenschaft- er wollte das Vergangene hinter sich lassen und die Vergangenheit ausblenden. Doch er erlebt die Ereignisse aus den Lagern bis heute wieder und wieder. Die Vergangenheit verfolgt ihn noch immer. Sie scheint so nah- so schmerzlich und unvergesslich. Bei unserem letzten Treffen hat es mir gut getan A. zum Abschied zu umarmen. Es war ihm wichtig zu betonen, dass er der jungen deutschen Generation keine Schuld an der Vergangenheit gibt und hofft, dass dies in unseren Gesprächen auch zum Ausdruck kam.
Ein besonderes Erlebnis meines Aufenthaltes war der Besuch im Verein der Holocaustüberlebenden Amcha. Dort angekommen fand ich mich in einer Traube von Senioren wieder, die mich zunächst stürmisch begrüßten, dann durch die Räumlichkeiten führten, um sich anschließend mit mir in einen Stuhlkreis setzten. Es wurde wild durcheinander geredet, jeder hatte oder wollte etwas erzählen und ich wurde mit Fragen gelöchert. Ich musste sehr schmunzeln als eine Diskussion darüber aufkam, welches nun die beste Sprache sei, um sich einerseits mit mir zu unterhalten, die aber andererseits auch die Mehrheit der Gruppe verstehen konnte (ist es Deutsch?, Jiddisch? oder doch besser Englisch?).
Später war ich dann noch zu Gast in der Qi-Gong-Gruppe: Zu meiner Überraschung entpuppte sich diese als überaus gutgelaunte, fast schon alberner Haufen. So viel Rumgezappel und Gekicher hätte ich dort an diesem Morgen wirklich nicht erwartet. Eine Qi-Gong-Gruppe habe ich mir doch etwas anders vorgestellt.
Doch was habe ich eigentlich erwartet? Mehr Traurigkeit, mehr Tränen, mehr depressive Stimmung? „Das Leben geht weiter, jeder neue Tag ist ein Geschenk. Amcha hat uns unsere Lebensfreude und unseren Spaß zurückgegeben.“, betonte eine Teilnehmerin, wie wertvoll die Arbeit des Vereins ist. Doch beim Anblick der eintätowierten Häftlingsnummern auf den Unterarmen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken und erinnerte mich daran, dass es sich hier nicht nur um eine „normale“
Seniorengruppe handelt. Welche Geschichten mögen wohl hinter den vielen fröhlichen Gesichtern stecken? Eine andere Teilnehmerin erzählte mir: „Es war so schrecklich. Man kann sich nicht vorstellen, was sie mit Frauen und Kindern gemacht haben. Mit kleinen, kleinen Kindern. Aber ich kann nicht darüber reden, die Erinnerungen sind einfach zu schmerzhaft.“
Ich fand es sehr schön, welche Stütze der Verein für die Betroffenen zu sein scheint, als ein Ort, an dem sie sich täglich treffen und austauschen können. Auch hat mich beeindruckt, wie stark sich die Gruppe gegenseitig hilft, weiterzumachen, das Leben zu genießen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Gastfreundschaft
„Pack ein paar Dinge ein, die du brauchst, ich nehme dich dann nach der Arbeit mit zu mir nach Hause. Wir fahren übers Wochenende zusammen nach Jerusalem“, hieß es mittwochs beim Mittagessen in der Klinikkantine und schon sitze ich bei Nabelah, einer Psychologin von der Jugendpsychiatrie, im Auto auf dem Weg zu ihrer arabischen Großfamilie. Dieses Wochenende hätte bunter nicht sein können. Einkaufen auf dem arabischen Markt, wo wir unsere Taschen mit Gemüse, Baklava und Fladenbrot füllten, einen Ausflug nach Jerusalem und nach Nazareth sowie viele Gespräche mit gesüßten Tee auf der Dachterrasse.
Als ein Kontrastprogramm, aber weiteres besonderes Erlebnis, stellte mein erster Schabbat in einer jüdisch-orthodoxen Familie dar. Schabbat ist der Tag der Ruhe. Man soll sich Zeit für die Familie, Freunde, den Glauben und für sich selbst nehmen. Gläubige Juden sollen keine Arbeit verrichten und dürfen an diesem Tag nichts Neues erschaffen- so lautet das Gebot. Doch glücklicherweise wurden die technischen Errungenschaften im Laufe der Jahre an die Regel angepasst. Oder doch das Gebot an die technischen Errungenschaften? So gibt es zum Beispiel den Schabbat-Modus am Kühlschrank. Dieser verhindert, dass das Licht beim Öffnen der Kühlschranktür anspringt. Eine schon vor Beginn des Schabbats eingestellte Zeitschaltuhr regelt die Strom-,Licht- und Temperaturversorgung. Daran angeschlossen ist eine Wärmeplatte, die vorgekochte Speisen zu einer vorher festgelegten Uhrzeit erwärmt. Auch auf heißes Wasser muss nicht verzichtet werden, es befindet sich stets in einer an Strom angeschlossenen Isolierkanne. Nach den letzten Vorbereitungen zu Hause und einer kleinen Schabbat-Einführung für Anfänger, wurden die Kerzen angezündet, welche den Beginn des Schabbats einläuten. Dann ging es festlich gekleidet zum Freitagsgebet in die Synagoge. Später wieder zu Hause angekommen wurde der Kiddusch, ein Segensspruch über Wein und Brot gesprochen. Ein gemütlicher Abend mit koscherem Essen konnte beginnen.
Nicht nur die Schabbatfeier, auch Einladungen zu einer Jüdischen Hochzeit , zur Feier von RoshhaShana, dem jüdischen Neujahr, und unzählige Kaffee,Kuchen- oder Tee-Einladungen machten es mir leicht, mich wohl zu fühlen, Freundschaften aufzubauen und wunderbare Menschen kennen zu lernen.

Was habe ich sonst noch erlebt?
Ausgelöst durch eine einzige Studentin brach während meines Aufenthaltes ein sozialer Protest aus. Ursache war der Rauswurf der Studentin aus ihrer Wohnung geworfen. Daher schlug sie aus Verzweiflung ein Zelt auf dem Grünstreifen des Rothschild-Boulevards im Herzen Tel Avivs auf. Aus Solidarität folgten ihr schnell weitere Menschen und ein immer größer werdendes Zeltlager entwickelte sich zu einer landesweiten Protestbewegung. Die Israelis protestierten gegen die hohen Lebenshaltungskosten, den miserablen Wohnungsmarkt, die hohen Mieten und gegen eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Für mich war es sehr spannend am Geschehen vor Ort dabei zu sein und die Entwicklung des Protestes hautnah zu verfolgen.
Reisen
Israel ist ungefähr so groß wie Hessen und doch gibt es so viel zu entdecken. Die Wochenenden nutzte ich daher, das Land ein wenig besser kennen zu lernen. Mal alleine, mal mit Freunden oder mit den Studenten des IFMSA-Sommerprogrammes unternahm ich Tages- oder Wochenendausflüge zum Toten Meer, Massada, Jerusalem, Haifa, dem See Genezareth bis hin zu den Golanhöhen.

Palästina
Nach dem Ende meines Projekts in Israel nahm ich mir Zeit, um nach Palästina zu reisen. Da ich mit Christiane (f&e Palästina) in Kontakt stand, hatte ich schon einige erste Eindrücke der „anderen Seite“ sammeln können. Als beklemmend empfand ich es trotzdem vor der grauen acht Meter hohen Betonmauer zu stehen, die vielen Checkpoints zu passieren und zu sehen, wie die Palästinenser in ihrer Bewegungsfreiheit durch Straßensperren und israelische Militärkontrollpunkte eingeschränkt werden. In Palästina besichtigte ich die Geburtskirche in Bethlehem, trank Tee in Jericho und aß Falafel in Ramallah. In Nablus erlebte ich das Fastenbrechen im Ramadan und ließ mich stundenlang durch die nur so von Menschen wimmelnden Straßenzüge treiben. In vielen Gesprächen und Begegnungen mit Palästinensern wurde mir bewusst, wie stark die Politik täglich in das Leben der Menschen eingreift. Der Konflikt war hier tagtäglich präsent und ich war erstaunt, wie offen mit dem Thema „Besatzung“ umgegangen wurde. Dies war ich bis dahin von der israelischen Seite nicht gewohnt.
Während meiner Zeit in Israel habe ich mich oft gewundert, wie wenig die Menschen über den Konflikt reden und ihn in Gesprächen umgehen. Wenn man von der ständigen Militärpräsenz und Körperkontrollen vor Bahnhöfen, öffentlichen Gebäuden und Supermärkten absieht, könnte man glatt vergessen, dass nur wenige Kilometer weiter eine Mauer steht, die die Menschen in ihren Grundrechten einschränkt.

Abschied
Meine letzten Tagen in Israel wohnte ich bei einer Freundin in Tel Aviv. Die Tage waren sehr ruhig. Schließlich musste ich nicht mehr arbeiten und hatte reichlich Eindrücke gesammelt. So nutzte ich die Zeit für mich, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Es hat gut getan, sich im Strom der Stadt treiben zu lassen und auch einfach mal nichts zu tun. Außerdem stieg die Vorfreude auf die Rückkehr nach Deutschland. Doch war es auch traurig Abschied nehmen zu müssen. Ein Abschied von Menschen, die ich in kurzer Zeit sehr lieb gewonnen hatte. Ein Abschied von sehr ereignisreichen Monaten, ein Abschied von einer sehr intensiven Zeit in Israel.
Nun sitze ich also hier im kalten Deutschland, der Regen prasselt gegen die Scheibe, und staune, was man innerhalb eines Sommers so alles erleben kann. Mit vielen Fragen habe ich die Reise angetreten und mit noch mehr Fragen bin ich nun zurückgekommen. Einige Puzzleteile haben sich zusammengefügt, viele Teile sind hinzugekommen und es gibt noch Vieles, was ich nicht verstehe.
Ich bin sehr dankbar, dass ich durch IPPNW die Möglichkeit bekommen habe, bei famulieren & engagieren teilzunehmen!
Danke Theresa! Danke Ann-Kathrin! Danke Ulla!

zurück

Sitemap Überblick