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f&e in Deutschland

Emre Onur Köse

01.12.2009 Als ich zu wirklich sehr früher Stunde in Berlin ankam, wartete Ulla mit freundlich lächelndem Gesicht auf mich. Und wann immer ich sie während dieses zwei Monate dauernden Programms traf, war sie so freundlich und fröhlich. Deshalb habe ich mich zu keiner Zeit als ein Fremder gefühlt. Und natürlich wegen all der anderen freundlichen Menschen: Gisela, Rebekka, Theresa und Lena, Viola und Alihan und Jonathan ( der zweijährige Sohn der Alankus-Familie war mein bester Freund). Also, wenn ich an das f&e-Programm zurück denke, fallen mir zu allererst diese Namen ein, und ich bin glücklich, ihnen allen begegnet zu sein.

Otterndorf war meine erste Station. Hier war ich für eine Woche, es war solch ein naturnaher, grüner und ruhiger Ort. Ich hatte die Gelegenheit, alten Menschen  (Patienten) in ihrem Zuhause zu begegnen und mir fiel auf, dass das deutsche Gesundheitswesen für sie sorgt. Ich habe es wirklich genossen, mit Gisela und Ulla auf der friedlichen Terrasse zu sitzen. Auch denke ich, dass ich noch nie so guten Wein getrunken habe.  Es war toll, mit Gisela nach Bremerhaven zu fahren, wo wir ein interessantes Museum besuchten. Und Ulla und ich fuhren nach Helgoland, eine Insel mit spannender Geschichte. Wir probierten Matjes, was ganz lecker war. Ich hatte also schon in der ersten Woche eine richtig gesellige Zeit, nicht nur in Gesundheitszentren, sondern auch an sehenswerten Orten.

Anschließend war ich in Rostock, wo ich Rebekka und ihren Freund Daniel traf. Sie waren so hilfreich bei allem, besonders bei meiner Suche nach einem Drachen, und wir hatten eine wirklich fröhliche gemeinsame Zeit in Warnemünde. Auf der anderen Seite verbrachte ich dann zwei Wochen in der Rostocker Uniklinik ohne ein Wort deutsch zu können – ich muss sagen, dass die Zeit in der Infektionsabteilung wirklich schwer war. Einer der Ärzte war so freundlich und versuchte mit mir englisch zu reden, vielleicht weil er mal in der Türkei war. Aber die anderen interessierten sich überhaupt nicht für mich, auch nicht wenn ich Fragen zu einzelnen Patienten hatte. Wie sehr habe ich mir gewünscht, Deutsch zu können, auf diese Weise lernte ich etwas über die berühmten ehernen Regeln der Deutschen – es ist eine nette Idee, alles vorher zu planen, aber ich fürchte das ist nicht immer logisch für einen Gast und einen ausländischen Studenten. Jedenfalls hoffe ich, dass es den nächsten Studenten besser ergeht.

Über meine nächste Station, Berlin, kann ich unmöglich alles in Gänze berichten. Ich habe nur wieder festgestellt, dass Berlin eine der besten Hauptstädte der Welt ist. Ich famulierte im Sankt Josephs Hospital auf der Anästhesie-Station, wo ich ähnliche Probleme hatte wie in Rostock. Zum Glück waren da Lena und Theresa, die mir viel halfen. Ich bin dann auch für drei Tage nach Prag geflüchtet, was wohl mein schönster Ausflug war. Das ist eine fantastische Stadt. Und als kleines Detail: Theresa war mir auch bei der Vorbereitung dieses Ausflugs mit allem behilflich, wie zum Beispiel ein Quartier zu finden. Mit Hilfe der Menschen von IPPNW hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Unterkunft, in Deutschland nicht und auch nicht in der Tschechischen Republik.
Ja, in Berlin leben sehr viele Türken. Leider empfand ich nur wenige von ihnen als freundlich und gescheit. Ich wollte es wäre nicht so, dass die meisten Türken in Berlin in Dönerbuden oder ähnlichem arbeiten, und ich fürchte, dass einige Deutsche Türken und andere Ausländer nicht wirklich mögen. Es war eine Enttäuschung zu erleben, dass sie (natürlich nur einige Deutsche) nicht bereit sind, eine andere Sprache zu sprechen, auch nicht wenn Du sie brauchst. Gleichwohl traf ich wirklich nette Leute, die Caféjobs machten, sowohl aus Deutschland, der Türkei und Vietnam. Ich glaube es wäre besser, wenn ich mehr gemeinsame Zeit mit anderen IPPNW-Studenten, zum Beispiel in gemeinsamen Projekten, hätte verbringen können.

Meine letzte Station war Andernach. Dort habe ich eine wirklich nette Familie getroffen, eine mit einer wunderbaren Geschichte: Sie haben sich durch das f&e-Programm kennen gelernt. Und mit Alihan, der zehn Jahre zuvor an meiner Universität studiert hatte, konnte ich Türkisch sprechen. Es war ein großes Glück, ihn zu treffen. Und es war sehr interessant für mich, während meines Sozialpraktikums bei der AWO die sozialen Probleme der Immigration kennen zu lernen. Ich glaube, ich hatte so viele Vorstellungen über Immigration. Und wieder: die deutsche Regierung kümmert sich wirklich darum – wenn ich es mit der Türkei vergleiche.

Verkehrsverbindungen und Regeln waren sehr verschieden von der Türkei. Ich fühlte mich immer ganz komisch wenn ein Auto hielt damit ich die Straße überqueren konnte. Fast fühlte ich mich besser, wenn en Autofahrer mir nicht de Vortritt ließ. Ich habe es genossen, ganz ohne Angst Fahrrad zu fahren. Ich habe gerne Schweinefleisch gegessen und liebte es, in der Nordsee zu schwimmen. Und ich habe mit Begeisterung Kicker gespielt – ich glaube jeder dort wird sich an mich als den Kicker-Spieler erinnern.
An meinem letzten Tag nahm ich an einer Demonstration gegen Atomenergie teil. Es war meine letzte Aufgabe, aber nicht die geringste. Ich glaube ich bin sehr gut darin, Ballons aufzublasen, und ich habe gerne meine letzten Stunden mit Anne verbracht. Und danach gab es ein leckeres Abschiedsessen mit Ulla. So wie es ein perfektes Willkommen frühmorgens auf dem Flughafen gewesen war, war es ein perfekter Abschied. Nicht für immer, so hoffe ich, und dass ich all diese wunderbaren Menschen, Ulla, Viola, Theresa Anne und alle anderen wiedersehe.
Allen sei noch einmal Dank für alles.
Danke, IPPNW.

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