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Archiv Projektberichte

USA, Boston

von Christina Mußler

01.12.2006 Der zweite Teil meines Sozialprojekts ergab sich durch meine Wohnsituation in der YWCA (Young Womens Christian Association) in Downtown Boston. Das YWCA ist eine Organisation, die sich der Förderung und Unterstützung von Frauen und Frauenprojekten verschrieben hat. Das Haus, in dem ich wohnte, ist nicht nur ein internationales Gästehaus, sondern gleichzeitig auch ein Arm der städtischen Obdachlosenversorgung. Es beherbergt zwischen den meist jungen Leuten aus aller Welt (wie mir) ca. vierzig ältere Damen, die durch das soziale Netzwerk des amerikanischen Gesellschaftssystems "gefallen" sind und einst auf der Straße gewohnt haben. Somit wohnte ich sozusagen in meinem Sozialprojekt und hatte im Laufe der beinahe drei Monate die ich dort war die Möglichkeit, das Leben und die Geschichten dieser Damen von Nahem kennen zu lernen. Auch wenn das tägliche Zusammenleben mit so viel Krankheit und Leid so manches Mal auch fast zu viel wurde und Zweifel an der nach außen glänzenden amerikanischen Gesellschaft schon am Frühstückstisch dazu gehörten, war es eine unvergessliche Erfahrung und hat mir Einblicke und Verständnis für das Leben von Menschen gegeben, die ich sonst nie so nah kennen gelernt hätte.

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Serbien

von Roland Thele

01.12.2006 Nach einem Sommer voller interessanter Erlebnisse und Anekdoten verließ ich Serbien nicht ohne Wehmut. Belgrad war für mich dank der vielen neuen Freunde, denen ich mich verbunden fühlte und mit denen ich schöne und unvergessliche Momente teilen durfte, zu einem Ort geworden, an den es sich immer lohnt, zurückzukehren. Trotzdem der Alltag viele Serben vor große Probleme stellt und sich viele auch nur durch Gelegenheitsjobs, Zweitjobs oder familiäre Hilfe über Wasser halten können, haben sie sich ihren ganz eigentümlichen Humor bewahrt. Auch ihre Art zu schimpfen ist schon fast legendär. So mag es nicht verwundern, dass Flüche im Straßenverkehr und Schlüpfriges in der Klinik das erste Vokabular waren, welches ich zur Hand hatte. Beeindruckt haben mich die große Gastfreundschaft und die Gelassenheit, mit der von spektakulären Ereignissen der Vergangenheit berichtet wurde. Oftmals fehlte mir die Vorstellungskraft dafür, dass meine Freunde diese Dinge unbeschadet überstanden hatten. Mir wurde klar, dass sie eine turbulente Zeit erlebt hatten. Diese Zeit hatte ihr Leben geprägt und verändert.

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Bosnien

von Susanne Krasz

01.12.2006 "Sarajevo!", das sollte also mein "f&e"-Ziel werden. Meine Stimmung in den Wochen bevor es losging schwankte zwischen Freude und Unsicherheit - alles schien mir so ungeplant, und ich wusste nicht wohin mit meiner Planungsenergie und dem Organisationsdrang. Auch die Versicherung meiner Vorgängerin, dass sich schon alles regeln werde und dass Bosnien einfach anders funktioniere, konnte mich manchmal nur wenig beruhigen. Irgendwann fuhr ich einfach los, mit dem Zug, um zu realisieren, wie nah Bosnien-Herzegowina eigentlich ist und um langsam anzukommen. In der Tasche hatte ich eine Mail vom Krankenhaus und im Bauch die Gewissheit, dass mich schon jemand abholen würde vom Bahnhof.
Insgesamt verbrachte ich acht Wochen in Sarajevo, die ersten vier im Uniklinikum, dann 10 Tage reisend und die letzten Wochen im Sozialprojekt.

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Bosnien/Herzegowina 2004

von Julia Reetz

01.12.2004 Ich ahne, wie viel seit dem Ende des Krieges 1995 schon wieder aufgebaut worden sein muss, und gleichzeitig, wie viel in den Jahren der Belagerung zerstört wurde.
Diese Spannung zwischen neuem Glanz und alter Zerstörung erscheint mir wie das äußere Bild dessen, was ich nach einiger Zeit auch an den Menschen zu beobachten meine: die Zerrissenheit zwischen wiederkehrenden Erinnerungen und dem Wunsch, zu vergessen.
Und doch hat Sarajevo auch ganz andere Seiten. Das alte osmanische Marktviertel Bašèaršija, das man betritt wie ein anderes Jahrhundert, die die Stadt umgebenden Hügel, von denen man so wunderschöne Aussichten über das Zentrum hat, Moscheen, Kirchen und Synagogen, unendlich viele einladende Straßencafés und direkt vor der Stadt Berge, die zum wandern und gucken einladen.

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Serbien 2004

von Sylvia Hübner

01.12.2004 „Warum ausgerechnet Belgrad?“
Als ich Freunden erzählte wo ich meine nächste Famulatur verbringen wollte wurde mir diese Frage fast immer gestellt. Als ich dann in Belgrad war, wurde mir diese Frage auch von den Belgradern gestellt! Irgendwie war es für viele unverständlich warum ich mich gerade für ihre Stadt interessierte. „Jetzt wo Belgrad zu einem schwarzen Fleck in einer namenlosen Region verkommen ist“ wie dies Borka Paviceviv so eindrücklich beschreibt.

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Kanada 2004

von Okka Kimmich

01.12.2004 Besonders seelische Traumata begegneten mir in der kinderpsychiatrischen Praxis von Joanna, in der sie drei Tage pro Woche arbeitet. Nach Einverständnis der Kinder durfte ich bei den Sitzungen und Gesprächen dabei sein und erfuhr somit von ihren zum Teil erschütternden Geschichten, von Gewalt und Vernachlässigung durch Eltern oder einen Elternteil, was oftmals das Leben in einer Pflegefamilie oder in Heimen nach sich zog.
Interessant war für mich neben ihren psychiatrischen Syndromen und deren spezifischer Behandlung besonders ihre Fähigkeit, von sich zu erzählen, ihre Situation, ihre Bedürfnisse zu schildern.

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Mazedonien und Kosovo 2004

von Verena Zahner

01.12.2004 Im Anschluss an die Famulatur verbrachte ich einige Tage beim Women's Centre Debar in Westmazedonien, wunderschön in den Bergen direkt an der albanischen Grenze gelegen. Die acht Mitarbeiterinnen engagieren sich in den Bereichen Gender, häusliche Gewalt, trafficking (Menschenhandel und sexuelle Versklavung/ Prostitution) und Frauen in der Politik. Außerdem werden Englisch- und PC- Kurse für Frauen angeboten. Ich konnte zwei der Mitarbeiterinnen zu einem Workshop in einem Dorf begleiten. Thema war die Situation der Frauen dort, die Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern, die Bildungs(un)möglichkeiten für die Kinder (v.a. die Mädchen). Das Leben der Frauen in der mazedonischen Gesellschaft, insbesondere auf dem Land, ist geprägt durch streng patriarchalische Strukturen.
Sehr deutlich wurde mir hier einmal mehr bewusst, welche persönliche Freiheit, welche immensen Möglichkeiten der Bildung und Selbstverwirklichung wir in Deutschland haben und dass wir verpflichtet sind, diese gut zu nutzen.

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Türkei 2004

von Rebekka Wichmann

01.12.2004 Das Zentrum lag auf einem Hügel im selben Stadtteil in dem ich wohnte, und so ging ich jeden Morgen zu Fuß dorthin. Niemand hat verstanden wie es mir Spaß machen konnte, in der Hitze die steile Straße und steilen Treppen hinaufzulaufen. Aber ich habe es jeden Morgen genossen unterwegs zu sein. Mein Weg führte mich auch an einem kleinen Garten vorbei, in dem ein Feigenbaum stand und ein alter Mann seine Beete pflegte. Er schenkte mir mehrmals frische Feigen, und am letzten Tag wanderte frisch gebackener Apfelstreuselkuchen über den Zaun hinweg von mir zu ihm. Wir kommunizierten sozusagen mittels Gaumenfreuden.

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Ägypten 2004

von Johanna Manske

01.12.2004 Im großen und ganzen habe ich mich sehr wohl gefühlt in Ägypten, auch wenn ich das ständige Auffallen als Ausländer  das der-bunte-Hund-sein am Ende sehr anstrengend fand.
Ich habe viel mitbekommen von einer Gegend und einer Kultur, die mir zuvor völlig fremd war. Es war eine einmalige Chance in dieser Form der arabisch-islamischen Welt ein bisschen näher zu kommen. Hoffentlich konnte ich durch meinen Anwesenheit auch ein bisschen Europa nach Ägypten bringen und so das Verständnis füreinander auf beiden Seiten fördern.

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Israel/Palästina 2004

von Bettina Gubelt

01.12.2004 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich dankbar für die Begegnungen mit Holocaustüberlebenden bin, die sich ergeben haben, da ich einiges erfahren habe, was ich vorher nicht wusste. Es berührte mich einfach sehr, wirklich Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, die diese Zeit erlebt haben und die sich gerne mit mir unterhalten haben, um der jungen Generation etwas mitzugeben. Jedoch habe ich längst nicht alles ausgeschöpft, was im Rahmen dieses Projekts möglich gewesen wäre. Den Grund sehe ich darin, dass zum einen zu wenig Zeit war, ich zum anderen aber auch bewusst einen Schwerpunkt darauf legte, mich mit dem aktuellen israelisch-palästinensischen Konflikt zu befassen, den ich durch meine Vorerfahrungen nicht mehr ignorieren konnte.

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Kenia 2004

von Florian Hugenberg

01.12.2004 Abends hat mich Angela dann aus dem Wohnheim abgeholt und wir sind in den Bus des department of pharmacie gestiegen, der uns in die Kuria-region südöstlich vom Viktoriasee zu einem health-camp bringen sollte. So befand ich mich also eh ich mich versah in einem Bus, von dem ich ursprünglich nicht glaubte, dass er sein Ziel erreichen wird, mit 30 anderen Studenten, die ich noch nie vorher gesehen habe auf dem Weg in eine Region, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe, zu einem community health project, von dem ich nun weder wusste, was wir da genau machen, noch von wem das eigentlich organisiert wurde....na fabelhaft...besser kann's ja eigentlich gar nicht los gehen. Nach einer langen Nachtfahrt quer durch Westkenya, auf welcher unser Bus auch einmal von drei etwas größenwahnsinnigen Straßenräubern mit einem Speer angegriffen wurde, erreichten wir gegen 10 Uhr am nächsten Morgen unser Ziel. Das community health project fand in einer dispensary statt und unsere Aufgabe bestand darin, wie auch bei den folgenden "com-healths", im Fließbandverfahren Patienten zu untersuchen und mitgebrachte Medikamente unter die Leute zu bringen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten meinerseits, habe ich mich relativ schnell daran gewöhnt, dass man in Kenya als Medizinstudent auf com-healths ohne zusätzliche Kontrolle durch fertige Ärzte untersuchen und Medikamente verschreiben darf. So habe ich den Rest des Tages damit verbracht, diejenigen Patienten, die der englischen Sprache mächtig sind, zu untersuchen, Medikamente zu verschreiben und sie gegebenenfalls ins district hospital zu überweisen.

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Indien 2004

von Malte Hunscha

01.12.2004 ... Was ich dann erlebe ist ein perfekt durchorganisiertes Massenspektakel. Geduldig wartet ein jeder der ca. 8.000 Menschen in seiner Schlange, die nach Geschlecht und Beschwerden eingeteilt werden und durchläuft die Stationen: Anmeldung, Arzt, Medikamente abholen an der Apotheke und Essensausgabe. Ein kleines Labor und ein Röntgenapparat stehen auch zur Verfügung und in der "Küche" sind über 50 Frauen damit beschäftigt, Chapati (Fladenbrot) zu rollen und zu backen.
Schluss ist, wenn der letzte Patient an der Reihe war, was dann so am späten Nachmittag der Fall ist. Manche der Ärzte kommen erst dann zum ersten Mal an diesem Tag zum Essen, nachdem sie den ganzen Tag einen Patienten nach dem anderen gesehen haben. Das Schöne an dem Camp ist, dass alle Freiwilligen gleichwertig sind und keinerlei Hierarchie und Anspruch herrscht. Auf diesen Camps vergisst jeder, wer er ist und ob Chefarzt oder einfacher Arbeiter, alle sind hier, um ihren Beitrag für die Menschlichkeit zu leisten.

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