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Worpsweder Erklärung (1989)

Dokumente und Erklärungen

In dieser Erklärung weist die IPPNW auf die Bedrohung von Massenvernichtungs-Waffen wie chemischen Kampfstoffen und biologischen Waffen hin. Sie wurde beschlossen auf der Mitglieder-Versammlung der deutschen IPPNW in Worpswede am 18.2.1989.

"Solange es Atomwaffen gibt, solange ist jederzeit möglicher Einsatz die größte akute Gefahr für die Menschheit.
Die Bedrohung ist aber umfassender: Chemische Kampfstoffe von verheerender Wirkung werden produziert. Die Gefahren biologischer Waffen sind nicht abzusehen. Bei der Anhäufung gewaltiger Gefahren-Potentiale in den Industrieländern wäre dort ein konventioneller Krieg in seiner Wirkung gleich einem Krieg mit Massenvernichtungs-Waffen.

Deshalb müssen wir allen Entwicklungen entgegentreten, die zu einem Krieg führen können.

Wir müssen die Verschwendung für das Wettrüsten verhindern und dazu beitragen, dass die natürlichen Reichtümer unseres Planeten gerechte verteilt und die Menschenrechte überall in der Welt verwirklicht werden.

Aber nicht nur der Streit der Staaten und Ideologien bedrohen die Menschen. Wir sind in einem globalen Krieg gegen die Natur geraten, geführt im Zeichen eines vermeintlichen Fortschritts und im Interesse unseres Wohlstandes.

Ob militärisch oder zivil, es sind die gleichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, Technologien und Produktions-Stätten. Es ist das gleiche Streben nach Macht, ohne Rücksicht auf die Mitwelt. Planung und Einsatz der Mittel entspringen dem gleichen Unvermögen, die Folgen des eigenen Tuns zu bedenken und über einen kurzfristigen Gewinn hinaus zu denken.

Die ersten Atomreaktoren und Wiederaufbereitungs-Anlagen dienten militärischen Zwecken. Heute liefern Atomkraftwerke das Bombenmaterial. Bei der Plutonium-Wirtschaft verschwimmen die Grenzen zwischen zivilen und militärischen Interessen. Zudem ist Plutonium vor unkontrolliertem Zugriff nicht sicher. Nerven-Kampfstoffe waren Nebenprodukte der Insektizid-Fforschung. Mit Herbiziden wurde der Vietnamkrieg geführt und die Natur irreparabel geschädigt. Der Unterschied zum zivilen Gebrauch ist nur quantitativ; auf lange Sicht werden die Folgen ähnlich sein. Schleichend entzieht der Gebrauch von Massenvernichtungs-Mitteln den künftigen Generationen die Lebens-Grundlagen.

"Atomkrieg" steht als Symbol für die globale Bedrohung des Lebens durch hemmungslosen Missbrauch von Technik und Wissenschaft.

Wie bei der Aufklärung über die Folgen eines Atomkrieges bedarf es unseres ärztlichen Sachverstandes, die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und der schleichenden Verseuchung der Umwelt mit Radioaktivität und chemischen Giften aufzuzeigen und zu warnen. In diesem Sinne verstehen wir Ärztinnen und Ärzte unsere Aufgabe und soziale Verantwortung."

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