IPPNW.DE
Seite drucken

What we believe (1987)

Dokumente und Erklärungen

In dieser Erklärung, verabschiedet vom IPPNW-Weltkongress in Moskau, stellt die IPPNW fest, dass die Abschaffung atomarer Waffen helfen könnte, den Teufelskreis der gegenseitigen Angst und Bedrohung zu durchbrechen, die das Wettrüsten verstärkt.

"Unsere Grundsätze basieren auf dem Wissen um die Folgen thermonuklearer Explosionen.

Zuerst untersuchten wir Auswirkungen der Zündung einer einzigen Atombombe mit einer Megatonne Sprengkraft über einer großen Stadt (Boston). Fast eine Million Menschen würden sterben, Hunderttausende wären schwer verletzt und litten an Verbrennungen.

Die Medizin könnte so gut wie keine Hilfe anbieten. Daraufhin berechneten wir die wahrscheinlichen Folgen mehrerer Explosionen mit einer größeren Sprengkraft.

Wir fanden heraus, dass die Detonation lediglich eines halben Prozents der angehäuften Atomwaffen-Arsenale zu einer unvorstellbaren, weltweiten Katastrophe mit drastischen Klima-Veränderungen führte. Ein Atomkrieg zerstörte die menschliche Zivilisation und könnte sogar menschliches Leben insgesamt auslöschen.

Da es im Atomkrieg keine ärztlich Hilfe gibt, sehen wir es auch als unsere Aufgabe an, ihn zu verhüten. Diese Aufgabe erfordert die Zusammenarbeit von Medizinern unterschiedlicher Herkunft und mit sehr verschiedenen Meinungen.

Wir versuchten nicht, diese persönlichen und nationalen Differenzen auszuräumen, stattdessen konzentrierten wir uns auf Maßnahmen und Aktivitäten gegen das gemeinsam drohende Unheil.

Dabei wurde uns die Dringlichkeit unserer Aufgabe zunehmend bewusst. Wir mussten erfahren, dass 50.000 atomare Sprengköpfe andauernd und zu jeder Zeit einsatzbereit sind und lediglich durch kombinierte Systeme aus Menschen und Computer zurückgehalten werden.

Ob aus Versehen oder bösem Willen, eines Tages werden diese Sicherungs-Systeme - so wie alle anderen System auch - versagen. Jene, die das Argument vertreten, die atomare Abschreckung sichere den Frieden, ignorieren die mathematische Gewissheit, dass die atomare Abschreckung zu einer Katastrophe führen wird.

Deshalb glauben wir an die notwendige Beseitigung atomarer Waffen, ihr Einsatz ist durch nichts zu rechtfertigen. Atomwaffen halten Milliarden Menschen als Geiseln eines drohenden Völker-Mordes und stören auf allen Ebenen die Beziehungen der Menschen und der Völker. Atomwaffen schüren gegenseitige Angst und Misstrauen und tragen zu einer Atmosphäre ständiger Mobil-Machung bei.

Im Gegensatz zu einer häufig geäußerten Meinung dienen nukleare Waffen nicht dem Erhalt des Friedens. Sie unterhalten vielmehr eine Dynamik, die die ganze Welt zu einem immer größeren Waffen-Lager werden lässt.

Wir stimmen deshalb mit denen überein, die eine Beseitigung aller Atomwaffen anstreben und nicht nur eine Verringerung ihrer Anzahl wollen.

Wir sind nicht der Meinung jener, die Atomwaffen als "Erbteil" des Planeten Erde ansehen und zu akzeptieren bereit sind. Wir glauben, dass Menschen abschaffen können, was sie erschufen.

Als Verfechter der notwendigen Beseitigung aller Atomwaffen unterstützen wir jede Zwischen-Lösung und kluge Maßnahme, die das nukleare Wettrüsten verlangsamt oder das gegenseitige Vertrauen stärkt, um den Rüstungs-Wettlauf zu beenden.

Unsere erste und wichtigste Empfehlung an die Regierungen der USA und der UdSSR war und ist die Erklärung eines gemeinsamen Moratoriums zur Verhinderung aller atomaren Explosionen bis zum erfolgreichen Abschluss eines umfassenden Teststopp-Abkommens.

Alle anderen Atomwaffen besitzenden Staaten sollten sich in einem derartigen Moratorium anschließen. Diese Maßnahme würde helfen, die Entwicklung neuer, destabilisierender Waffen-Systeme aufzuhalten.

Da ein Teststopp jederzeit überprüfbar ist, setzt er kein Vertrauen voraus. Weil ein Teststopp wirkungsvoll und wesentlich ist, schafft er Vertrauen.

Wir unterstützen ebenso alle Vorschläge, die Aufstellung neuer Atomwaffen zu verhindern, die Anzahl bestehender Systeme zu begrenzen und alte Waffen zu entfernen.

Wir sind entschieden gegen jede Art von "strategischer Initiative" auf der Erde oder im Weltraum, die - selbst als defensiv tituliert - in ihrer logischen Konsequenz zu einer vermehrten Stationierung von Atomwaffen führt.

Wir lehnen alle Arten von Atomwaffen an jedem Ort der Erde und des Weltraums ab.

Gleichzeitig weisen wir die Auffassung zurück, dass die Verringerung atomarer Waffen eine konventionelle Aufrüstung erfordere. Wir glauben, dass die Abschaffung atomarer Waffen helfen könnte, den Teufelskreis der gegenseitigen Angst und Bedrohung zu durchbrechen, die das Wettrüsten verstärkt.

Wir meinen, dass ein gemeinsamer, west-östlicher Sieg über Atomwaffen das Vertrauen und Verständnis schaffen kann, um den ständigen, immensen Aderlass durch die weltweiten Militär-Ausgaben zu stoppen oder doch deutlich zu verringern. Dieser Aderlass kostet die Welt derzeit zwei Milliarden Dollar pro Tag.

Wir sehen Alternativen dazu: In friedlicher Zusammenarbeit können Männer und Frauen gemeinsam Elend und Leid lindern, die Gesundheit erhalten und Lebensräume schützen. Vor zehn Jahren gelang es, durch großartige internationale Zusammenarbeit, die Pocken-Erkrankung auszurotten, was finanziell dem Aufwand nur drei Stunden des Wettrüstens entsprach.

Neue Herausforderungen, Malaria oder Aids zu bekämpfen, verlangen noch viel weiter gehende und breitere Zusammenarbeit von uns Ärzten und Regierungen weltweit.

Unsere Spezies wird niemals alle Differenzen beseitigen oder jeden Konflikt lösen können. Aber wir besitzen sicher die Fähigkeit, bei einem gemeinsamen Interesse zusammenzuarbeiten. Ärzte sind Optimisten, denn die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um nur ein einziges Menschenleben zu retten, ist prinzipiell dieselbe wie zur Verhütung unser aller Auslöschung. Die Menschlichkeit wir überdauern und siegen."

Moskau, 1. Juni 1987

zurück

Sitemap Überblick