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Medizinische Verordnung (1986)

Dokumente und Erklärungen

Die IPPNW erklärt ein Moratorium für sämtliche Atomtests zu ihrer "Medizinischen Verordnung" für das kommende Jahr. Einstimmig angenommen vom Internationalen Rat der IPPNW, 27. Mai 1986

"Das nukleare Wettrüsten bedroht die Gesundheit, ja sogar die Existenz jedes menschlichen Wesens auf unserem Planeten. Da die Medizin keine sinnvolle Antwort auf die Schrecken eines Atomkrieges geben kann, haben die Ärzte weltweit ihr berufliches Verantwortungs-Bewusstsein gezeigt, indem sie sich für die Verhinderung dieser "letzten Epidemie" einsetzen. Bei einer derartigen Bedrohung des Lebens endet die Verantwortung des Arztes nicht bei der Diagnose. Sie verlangt nach einer Verordnung, um diese "krankhafte Entwicklung" selbst zu unterbrechen. Am 1. Juli 1985 einigten sich die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW) auf eine "Medizinische Verordnung" zur Unterbrechung der größten Bedrohung für die Gesundheit des Menschen. Sie drängt auf einen sofortigen Atomteststopp als ersten, wesentlichen Schritt, um das nukleare Wettrüsten rückgängig zu machen. Die IPPNW bestätigt diese "Medizinische Verordnung" für das kommende Jahr und bittet die Regierungen der Vereinigten Staaten und aller anderen Atommächte sich der UdSSR in einem Moratorium über Atomwaffen-Tests anzuschließen, das solange gültig bleibt bis erfolgreiche Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen zum Teststopp geführt und unterschrieben sind. Die Vorteile dieser "Medizinischen Verordnung" zur Verhütung eines Atomkrieges liegen auf der Hand:

1. Ein Atomteststopp steht im Brennpunkt der Bemühungen, die öffentliche Meinung von diesem wichtigen und leicht zu erreichenden Vorschlag zur Rüstungskontrolle zu überzeugen und somit die lähmende Komplexität der meisten anderen Vorschläge beiseite zu schieben.
2. Ein Atomteststopp ist kontrollierbar. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion sind darin übereingekommen, Besichtigungen vor Ort zuzulassen. Selbst ohne dieser Besichtigungen jedoch können moderne, seismologische Techniken Erdbeben von unterirdischen Explosionen bis zur Größenordnung von nur einer Kilotonne unterscheiden. Dafür ist kein Vertrauen mehr nötig.
3. Ein Atomteststopp wird die Entwicklung weiterer atomarer Sprengköpfe verhindern, einschließlich derer, die zum Antrieb weltraumgestützter Waffensysteme bestimmt sind und derer, die als Erstschlag-Waffen eingesetzt werden können sowie solche, die so klein und beweglich sind, dass sie zukünftige Kontrollen von Abrüstungsverhandlungen unmöglich machen.
4. Führende Wissenschaftler in Ost und West haben dargelegt, dass Atomtests nicht notwendig sind, um die Zuverlässigkeit nuklearer Waffenarsenale zu garantieren. In Wahrheit sind nur wenige Atomtests jemals zu diesem Zwecke durchgeführt worden.
5. Ein Atomteststopp würde nicht die Sicherheit irgendeines Landes mindern, jedoch die Sicherheit aller erhöhen.
6. Ein Atomteststopp würde das Abkommen über die Nichtverbreitung von Atomwaffen stützen, das "die Einstellung sämtlicher Atomtests für immer anstrebt und Verhandlung zur Erreichung dieses Zieles fordert".
7. Ein Atomteststopp wird sowohl den psychologischen Impuls geben als auch das politische Klima schaffen, um zusätzliche Erfolge der Abrüstung möglich zu machen.
8. Der vorgeschlagene Atomteststopp wird zur "Nagelprobe" zur Unterscheidung solcher führender Politiker, die sich der Beendigung des nuklearen Wettrüstens verpflichtet fühlen, von solchen, die seine Fortführung dulden.

Aus allen diesen Gründen hat die IPPNW ein Moratorium für sämtliche Atomtests zu ihrer "Medizinischen Verordnung" für das kommende Jahr erklärt."

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