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Europa, unser gemeinsames Haus Sicherheit ohne Atomwaffen (1987)

Dokumente und Erklärungen

Auf zwei Schiffen diskutieren über 500 IPPNW-ÄrztInnen aus Europa eine Woche lang von Basel nach Rotterdam die Verhinderung eines Atomkrieges und die Probleme der Naturzerstörung und verabschieden diese Erklärung.

"Wir, die 237 Delegierten des 4. Europäischen Symposiums der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges) vertreten über 50.000 Ärztinnen und Ärzte aus 23 europäischen Ländern.

Wir haben den Rhein aus verschiedenen Gründen als Tagungsort unseres Symposiums gewählt. Der Rhein ist ein Symbol der Veränderungen und der Perspektiven, die wir anstreben. Jahrhundert Jahre alte Rivalitäten sind heute dem Geist der Zusammenarbeit gewichen. Der Rhein ist nicht länger die Front einer ideologischen Konfrontation.

Heute widerspiegelt allerdings der Rhein den unverantwortlichen Weg wie die europäischen Industriegesellschaften ihre Umwelt belasten - tote Fische, sterbende Wälder und vergifteter Boden. Wir haben mit großer Betroffenheit diskutiert, wie unsere Umwelt vernichtet und die Ressourcen vergeudet werden.

Atomwaffen beinhalten die Vernichtung eines jeden Landes in Europa, vom Atlantik bis zum Ural. Wir alle sind für unser "gemeinsames Haus Europa" verantwortlich. Wir sind weder blind noch realitätsfern. Wir haben wie Albert Einstein erkannt, wenn die Menschheit überleben soll, benötigen wir eine ganz neue Art zu denken. Keines der Probleme kann von einem Land allein und sofort gelöst werden. In der Politik wie in der Medizin gibt es Beispiele, die zeigen, dass wir spezielle Ziele erreichen können, die unerreichbar erschienen. Die heutigen internationalen Bedingungen, besonders der Abschluss des INF-Vertrages, die Mittelstrecken-Raketen abzuschaffen, stellen eine Herausforderung dar.

Wir sind gegen den Austausch der atomaren Mittelstrecken-Raketen in Europa durch see- oder luftgestützte Luft-Boden-Raketen. Diese bedeutet eine Umgehung des INF-Vertrages. Auch wenden wir uns gegen die Modernisierung und Weiterentwicklung der Kurzstrecken-Raketen in Europa.

Vor 53 Jahren, im Oktober 1935, schrieben 350 Psychiater und Psychologen aus 39 Ländern einen "Brief an die Staatsmänner", indem sie ihre Betroffenheit als Mediziner wegen der Kriegsgefahr zum Ausdruck brachten.

Heute richten wir europäischen Ärzte uns wiederum an die Regierungen Europas.

Auf der Grundlage unserer gemeinsamen medizinischen Verantwortung, den Atomkrieg zu verhindern, und eine Zukunft zu ermöglichen, schrieben wir am 17. Oktober 1988 in Rotterdam einen "Zweiten Brief an die Staatsmänner".

Wir rufen unsere europäischen Regierungen auf, sich für einen vollständigen Atomteststopp als ersten Schritt der atomaren Abrüstung einzusetzen. Dies ist ein effektiver Schritt zur fundamentalen Umkehr des atomaren Wettrüstens. Ein vollständiger Atomteststopp ist der Vertrauen bildende Weg zu einer Welt ohne Atomwaffen. Dies wäre der Ausdruck des notwendigen neuen Denkens."

Prof. Dr. Lars Engstedt, Schweden

Prof. Dr. med Eliana Travnickova, CSSR

Dr. Med Jos Weerts, Niederlande

(14.-17. Oktober 1988 4. Europäisches IPPNW-Symposium Schiffahrt Basel, Straßburg, Bonn, Rotterdam)

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