Offener Brief

Keine neuen Atombomben und Atombomber für Deutschland

von Friedensgruppen der drei ehem. Pershing II-Standorte an die Bundesregierung und Bundestagsabgeordneten

Mit großer Sorge beobachten wir Mitglieder der Friedensbewegung aus den drei Orten, an denen Pershing II-Atomraketen stationiert waren, wie Deutschland ohne Einbeziehung der Bevölkerung, aber mit Zustimmung der Bundesregierung massiv aufgerüstet werden soll - mit neuartigen atomaren Massenvernichtungswaffen des Typs B61-12.

Diese ferngesteuerten Atombomben sind für den Einsatz im Herzen Europas gedacht. Ihre Zerstörungskraft ist noch im Flug einstellbar, vom Vierfachen der Hiroshima-Bombe abwärts bis zu einem Fünfzigstel. Das senkt deutlich die Hemmschwelle hin zum Atomkrieg. Den Einsatzbefehl gibt der US-Präsident - den Abwurf erledigen Pilot*innen der Bundeswehr. Die Folgen des atomaren Gegenschlags aber tragen wir in Europa.

Es ist ein elementarer Fehler, einem ausländischen Staatsoberhaupt das Recht zu übertragen, von Deutschland aus einen Atomkrieg auszulösen. Er entscheidet nach seinen landesspezifischen Interessen fernab vom Kriegsgebiet. Wir wären mittendrin.

Unverständlich, dass die Bundesregierung nicht nur diese Atombomben zulässt. Sie will sogar „gleich zu Beginn der Legislatur“ dafür zugeschnittene US-Kampfflugzeuge einkaufen. Der Beschluss dazu ist schon für März 2022 auf der Agenda und steht also unmittelbar bevor. Das Fehlen eines aufrichtigen und umfassenden Dialogs in dieser bedeutsamen Angelegenheit ist unerträglich und unserer Demokratie unwürdig. Es unterminiert sie. Die Atomwaffenfrage geht uns alle an.

Unser damaliger Widerstand gegen Atomraketen hat mit zur Abrüstung beigetragen. Es folgte eine Periode des Friedens und des Vertrauens. Das gleiche Ziel verfolgen wir heute.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung und den Bundestag auf:

  • die ferngesteuerten US Atombomben des Typs B61-12 nicht in Deutschland zu dulden,
  • den Kauf von dafür zertifizierten US Kampfflugzeugen zu unterlassen,
  • die „nukleare Teilhabe“ der Bundesrepublik aufzukündigen, da die Teilhabe bei Zielplanung und aktiver Umsetzung von Massenvernichtung nicht dem ethischen und moralischen Standard Deutschlands entspricht,
  • mit der deutschen Bevölkerung sofort in einen aufrichtigen Dialog zu treten und dazu alle Aspekte des Einsatzes von US Atomwaffen von deutschem Boden aus offen zulegen - ohne vorab Fakten zu schaffen.

Atomwaffen sind Massenvernichtungswaffen, die durch den UN-Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) weltweit geächtet sind. Deutschlands Unterschrift fehlt.

Der Mensch erfand die Atombombe,
doch keine Maus der Welt
würde eine Mausefalle konstruieren.

Albert Einstein

Erstunterzeichner*innen des offenen Briefes aus den ehemaligen Pershing-II-Standorten:

Heilbronn:
Susanne Huber, Heilbronner Friedensrat - www.friedensrat.de
Wolf Theilacker, Heilbronner Friedensrat - www.friedensrat.de
Schwäbisch Gmünd/Mutlangen: Silvia Maria Bopp, Friedenswerkstatt Mutlangen - www.pressehuette.de
Volker Nick, Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen - www.pressehuette.de

Ulm/Neu-Ulm:
Rainer Schmid (Theologe), Gruppe Friedensbewegt Ulm - www.friedensbewegt-ulm.de
Reinhold Thiel, Ulmer Ärzteinitiative/IPPNW - www.ippnw-ulm.de

Den offenen Brief vom 10.03.2022 unterstützen darüber hinaus:

  1. Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
  2. ICAN Deutschland
  3. Naturfreunde Deutschlands


und weitere 156 regionale Gruppen und engagierte Einzelpersonen

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Ansprechpartner*innen

Xanthe Hall. Foto: IPPNW

Xanthe Hall
Abrüstungsreferentin, IPPNW-Geschäftsstellenleiterin
Expertin in Fragen zu Atomwaffen
Tel. 030 / 698074 - 12
Kontakt

Juliane Hauschulz

Juliane Hauschulz
Projektmitarbeiterin "To Survive is to Resist", Atomwaffen und nukleare Abrüstung
Tel. 030-698074 - 12
Kontakt

Lars Pohlmeier. Foto: IPPNW

Dr. med. Lars Pohlmeier
IPPNW-Vorsitzender
Kontakt

Materialien

Broschüre: Impulse für ein atomwaffenfreies Deutschland. Die nukleare Abschreckung muss überwunden werden – die wahrscheinlichen humanitären Folgen der nuklearen Abschreckung darf die Politik nicht länger in Kauf nehmen. Format DIN A4

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